"Ich habe ein gutes Standing in Bremen"

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Florian Grillitsch hat in den vergangenen Monaten eine beachtliche Entwicklung durchlaufen.

Im August und September spielte der 20-Jährige noch für Werders Amateure gegen Würzburg und Wehen-Wiesbaden, mittlerweile ist er im Bundesliga-Team gesetzt. Und das auch noch auf der für ihn ungewohnten Sechser-Position.

In den vergangenen Wochen wurden Stimmen laut, die den Niederösterreicher ins Nationalteam forderten. Und in Bremen haben sie es eilig, den im Sommer 2017 auslaufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern.

„Rückblickend ist es sehr gut für mich gelaufen, das war nicht zu erwarten“, staunt der ÖFB-Legionär im LAOLA1-Interview selbst ein bisschen über seinen Aufstieg.

LAOLA1: Bei der letzten Zusammenkunft des U21-Teams, als ihr in Deutschland 2:4 verloren habt, hast du verletzt gefehlt.

Florian Grillitsch: Ich habe mich geärgert, dass ich das verpasst habe. Ich war vor dem Fernseher nervöser, als ich es gewesen wäre, wenn ich selbst gespielt hätte. Diese Niederlage war ein kleiner Dämpfer, aber wir machen weiter wie bisher – wir wollen jedes Spiel gewinnen. Aber ich bin froh, jetzt wieder dabei zu sein. Ich habe viele Freunde in dieser Mannschaft und es ist immer schön, nach Österreich zurückzukommen.

LAOLA1: Der nächste Quali-Gegner sind die Färöer (29.3., 18 Uhr, Generali Arena). Jeder erwartet sich ein Schützenfest.

Grillitsch: Das ist trotzdem ein ernstzunehmender Gegner, wir dürfen diese Aufgabe nicht auf die leichte Schulter nehmen.

LAOLA1: Viele haben erwartet, dass du diesmal schon beim A-Team dabei bist.

Grillitsch: Ich freue mich, dass ich auf Abruf bin – das ist schon etwas Besonderes.

LAOLA1: Hattest du persönlich schon Kontakt zu Marcel Koller?

Grillitsch: Nein.

LAOLA1: Lebt deine EURO-Chance trotzdem?

Grillitsch: Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Wir wollen mit der U21 auch zur Europameisterschaft. Darauf konzentriere ich mich. Und auf Werder natürlich!

"Ich fühle mich im Zentrum am wohlsten"
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LAOLA1: Dann lass‘ uns über Werder sprechen. Es läuft für dich, oder?

Grillitsch: Das stimmt. Ich spiele regelmäßig von Beginn an. Ich bin froh, dass ich das Vertrauen bekomme, dass ich auf dieser Ebene Erfahrung sammeln darf. Ich habe damals meine Chance genutzt, habe gute Leistungen gezeigt.

LAOLA1: Du hast zum Auftakt gegen Schalke gespielt, warst dann wieder bei der Reserve. Wie hast du die Entwicklung in dieser Saison erlebt?

Grillitsch: Vielleicht hat mich der Trainer zu Beginn noch nicht so in der Mannschaft gesehen. Aber ich habe mich nicht aufgegeben, ich habe weiter an mir gearbeitet und erneut die Chance bekommen. Seither bin ich in der Mannschaft. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und mitzuhelfen, die Klasse zu halten.

LAOLA1: Ist dies das einzige Ziel?

Grillitsch: Das ist das primäre Ziel. Es ist alles so eng beieinander – das ist ein Wahnsinn! Es wird richtig eng. Wir spielen noch gegen viele direkte Konkurrenten, wo es wichtig ist, zu gewinnen. Aber ich bin optimistisch. Wir haben zuletzt einige gute Spiele gemacht. Wir werden das schaffen.

LAOLA1: Deine Position hat sich im Laufe der Saison geändert. Wo würdest du dich spielen lassen?

Grillitsch: (lacht) Das weiß ich gar nicht. Ich fühle mich im zentralen Mittelfeld am wohlsten – egal, ob auf Sechs, Acht oder Zehn. Meine derzeitige Aufgabe nehme ich an, der Trainer hat so entschieden. Bis jetzt hat es ganz gut geklappt. So defensiv habe ich seit der Jugend nicht mehr gespielt.

LAOLA1: Zu Saisonbeginn wäre es wohl unvorstellbar für dich gewesen, wenn dir jemand gesagt hätte, dass du im Frühjahr einen Stammplatz als Sechser haben wirst.

Grillitsch: Auf jeden Fall. Rückblickend ist es sehr gut für mich gelaufen, das war nicht zu erwarten. Als mir der Trainer zum ersten Mal gesagt hat, dass ich dort spiele, habe ich gar nicht so viel darüber nachgedacht, sondern die Aufgabe einfach angenommen.

LAOLA1: Was taugt dir an dieser Position?

Grillitsch: Ich kann im Spielaufbau mitwirken, kann meine Stärken in der Übersicht einbringen und das Spiel von hinten lenken. Außerdem versuche ich, Zweikämpfe zu gewinnen.

LAOLA1: Du bist ein Kilometerfresser.

Grillitsch: Das liegt an der Position, dass man da mehr läuft, öfter Wege nach hinten macht. Im Spiel fällt mir das gar nicht so auf. Ich versuche einfach, immer dort zu sein, wo ich gebraucht werde.

"Ich brauche einen klaren Kopf"
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LAOLA1: Es ist auch eine verantwortungsvolle Position. Als Offensivspieler kann man sich in einem Spiel ein paar Minuten verstecken, als Sechser muss man im Spielaufbau von der ersten bis zur letzten Minute voll da sein.

Grillitsch: Sicher ist das eine wichtige Position. Ich will mich immer zeigen, will immer anspielbar sein.

LAOLA1: Wie geht es dir damit, als Junger, Anweisungen zu geben?

Grillitsch: Ganz gut. Ich habe in der Mannschaft mittlerweile ein gutes Standing. Wenn ich etwas sage, hören meine Mitspieler auf mich, weil sie mir vertrauen. In der Zentrale ist es wichtig, die Vordermänner zu coachen.

LAOLA1: Wie sieht es mit den Standards aus?

Grillitsch: Normalerweise übernimmt die Junuzovic. Er hat eine riesige Qualität bei Standards! Wenn er nicht spielt, dann übernehme ich das. Früher habe ich eigentlich nie Standards geschossen, weil ich immer einer der Größeren war und in den Strafraum gegangen bin.

LAOLA1: Du hast in den letzten Wochen sehr viel Lob bekommen. Sportvorstand Thomas Eichin hat gesagt: „Das ist allererste Sahne, was der Junge spielt.“

Grillitsch: Das freut mich. Ich bin froh, dass meine Leistung anerkannt wird.

LAOLA1: Wie sieht es mit einem neuen Vertrag aus?

Grillitsch: Eichin hat in den Medien gesagt, dass er verlängern will. Ich mache mir da keinen Kopf darüber. Ich will den Klassenerhalt schaffen, den Rest macht mein Berater.

LAOLA1: Es zeugt vom Standing, das du mittlerweile in Bremen hast, wenn der Sportvorstand öffentlich ankündigt, deinen Vertrag verlängern zu wollen.

Grillitsch: Sicher, das freut mich auch. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn dein aktueller Verein mit dir verlängern will.

LAOLA1: Du wirst dich also erst im Sommer damit beschäftigen?

Grillitsch: Mein Berater wird sicher mit Werder reden, aber er weiß auch, was ich brauche – einen klaren Kopf für die letzten Spiele.

Das Gespräch führte Harald Prantl



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