Barisic: "Wir haben den nächsten Schritt gemacht"

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Irgendwann endet jede Serie.

Auch Rapids weiße Weste in der Europa League wurde beim 0:1 bei Villarreal erstmals befleckt. Nach vier Siegen aus vier Spielen.

Die Tabellenführung musste aufgrund des direkten Duells (Hinspiel 2:1) an die Spanier abgegeben werden, trotzdem lebt die Hoffnung, am letzten Spieltag mit Schützenhilfe von Viktoria Pilsen doch noch den Gruppensieg zu fixieren.

Trotz des beendeten Erfolgslaufs waren aber keine hängenden Köpfe zu sehen. Denn die Barisic-Elf hat Wort gehalten und sich so teuer wie möglich verkauft.

„Hätten uns ein Unentschieden verdient“

„Natürlich müssen wir ein bisschen kritisch sein, wenn man verliert. Aber alles in allem haben wir ein sehr gutes Spiel gegen einen sehr starken Gegner gezeigt. Ich glaube, wir hätten uns ein Unentschieden verdient gehabt, weil wir bis zum Schluss gekämpft haben“, war Abwehrchef Mario Sonnleitner stolz auf die Leistung seiner Mannen.

Gegen einen Kontrahenten, der in einer der besten Ligen der Welt zu den Top-Teams zählt.

Ein zweites Mal schickten die "Gelben U-Boote" gegen die Wiener nicht nur die B-Garnitur auf den Platz.

LAOLA1 hat die besten Bilder von der 0:1-Niederlage Rapids in Villarreal: Bild 1 von 22
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Wie ernst Villarreal dieses Spiel nahm, sah man an den ersten Minuten. Wie erwartet rannten die Spanier an und zwangen den Gegner von Beginn an, voll konzentriert zu sein.

Zwei Verletzte als Wermutstropfen

Für Rapid war es deshalb ein bitterer Start, weil Christopher Dibon mit einer Bänderverletzung im rechten Knöchel bereits nach sechs Minuten vom Platz musste und den Rest der Herbstsaison ausfällt.

Kurz nach der Pause verlor der letzte rot-weiß-rote EL-Vertreter auch noch Torhüter Jan Novota mit einer Schulterverletzung. Max Hofmann und Richard Strebinger mussten in die Bresche springen.

„Das war natürliche ein Wermutstropfen, dass wir gleich einen Innenverteidiger wechseln mussten und später dann auch noch den Torwart. Das war nicht einfach, weil uns derzeit auch einige Optionen fehlen. Diejenigen, die gespielt haben, haben das aber sehr gut gemacht“, bewertete Trainer Zoran Barisic die personelle Situation.

Villarreal Rapid
Ballbesitz 55,7% 44,3%
Zweikämpfe 46,9% 53,1%
Passquote 82,3% 77,4%
Eckbälle 6 5
Torschüsse 16 12
Torschüsse außerhalb Strafraum 3 9
Torschüsse innerhalb Strafraum 13 3
Kopfballchancen 0 2
Abseits 2 1
Fouls 15 9

Auch Sonnleitner meinte: „Sehr bitter, dass uns zwei Spieler abhandengekommen sind.“

Mut wurde nicht belohnt

Dem großen Anfangsdruck hielten die Hütteldorfer stand, mit Fortlauf der ersten Hälfte wurde man mutiger, fand Chancen vor und verunsicherte auf diese Art und Weise den Gegner.

Schließlich musste dieser gewinnen, um nach dem 1:2 im Hinspiel im direkten Duell die Nase vorne zu haben und im Kampf um den Gruppensieg vorzulegen.

„Wir haben in der ersten Halbzeit nach 15 Minuten richtig gut ins Spiel gefunden und Möglichkeiten gehabt. In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, wie ballsicher sie sind, wir hatten aber Kontermöglichkeiten. Wenn wir die nützen, dann hätten wir das Spiel nicht verloren“, ärgerte sich Kapitän Steffen Hofmann.

Zu leichte Fehler und Müdigkeit

Denn trotz des dominanten Spiels der Gastgeber im zweiten Durchgang hatten Prosenik bzw. Hofmann bei einem Konter das Tor auf dem Fuß.

In der 78. Minute war dann der Druck zu groß, ausgerechnet Soriano – allerdings Bruno und nicht sein Salzburger Namensvetter Jonatan – entschied die Partie zugunsten Villarreals.

„Wir haben die Bälle zu leicht hergeschenkt, wussten, dass sie nicht gern dem Ball hinterherlaufen. In der zweiten Halbzeit hat man gemerkt, dass wir müde werden, da waren noch mehr Fehler dabei“, fasste Hofmann zusammen.

Auch Stefan Stangl meinte: „In der zweiten Halbzeit haben wir uns zu weit reindrücken lassen.“

„Es tut mir leid“

Gerader der Linksverteidiger hätte doch postwendend den Ausgleich erzielen können beziehungsweise müssen, als er im Strafraum aus rund fünf Metern vergab.

„Es tut mir leid. Ich hatte zwei Riesen-Chancen. Den einen muss ich reinmachen“, entschuldigte sich der Steirer bei seinen Mitspielern.

Bei aller Selbstkritik konnte den tapfer kämpfenden Wienern jedoch kein Vorwurf gemacht werden. Im Endeffekt verließ man „El Madrigal“ auch mit jeder Menge Stolz.

„Mit der Leistung können wir phasenweise zufrieden sein, auch wenn nicht alles gut war“, gab Hofmann zu.

„Wir sind nach wie vor auf einem guten Weg“

Barisic sah den Auftritt seiner Mannschaft noch viel positiver. Der Trainer strahlte, marschierte erhobenen Hauptes über den Platz – und begründete dies so:

„Die Enttäuschung ist schon groß, was das Resultat betrifft. Keiner verliert gerne. Ich bin aber schon zufrieden, was die Leistung betrifft. Wir haben gezeigt, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt gemacht haben, auch auf so einem Niveau gegen so eine starke Mannschaft. Vor allem, weil wir nicht nur verteidigt, sondern richtig guten Fußball gespielt haben.“

Auch Sonnleitner sieht dieses Erlebnis als positive Erfahrung für die Mannschaft, die in dieser Europacup-Saison zueinander gefunden hat und als gereifte Einheit auftritt.

Das teilte der Chefbetreuer seinem Team auch in der Kabine mit: „Ich habe ihnen gesagt, dass ich sehr zufrieden bin. Das betrifft unsere Zukunft. Das Spiel heute hat dokumentiert, dass wir mithalten können, auch wenn Kleinigkeiten entscheidend sind. Wir sind nach wie vor auf einem guten Weg.“

„Wir werden alles daran setzen“

Den Aufstieg ins Sechzehntelfinale und das damit verbundene Überwintern im internationalen Geschäft kann Rapid ohnehin keiner mehr nehmen.

Sportlich, aber auch finanziell bleibt der Reiz des Gruppensieges – dieser würde 500.000 Euro bringen, Platz zwei nur 250.000 - noch für den abschließenden Spieltag daheim gegen Dinamo Minsk erhalten.

„Wir werden alles daran setzen. Wir hoffen, das vor vollem Haus noch zu schaffen und den Fans was zu bieten“, so Stangl. Und Barisic ergänzte:

„Im letzten Gruppenspiel gegen Minsk hoffen wir auf ein volles Stadion, das haben sich alle bei Rapid verdient. Wir wollen wieder eine gute Leistung zeigen.“

Getröstet musste an diesem Abend keiner werden. Auch nicht Hofmanns Tochter, die zuletzt bei Niederlagen bittere Tränen vergoss. „Heute brauche ich sie nicht trösten, heute ist alles in Ordnung.“

Denn Rapid hat Wort gehalten, und sich gegen einen Top-Gegner so teuer wie möglich verkauft.


Alexander Karper

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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