So will Rapid Valencias Fledermäuse zähmen

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Es wird kein einfaches Unterfangen.

Auch wenn das Mestalla aufgrund des ausbleibenden Interesses des heimischen Publikums wohl nicht zum Hexenkessel mutieren wird, steht Rapid im Sechzehntelfinal-Hinspiel in Valencia vor einer Mammut-Aufgabe.

Krise hin oder her – die Fledermäuse, sechsfacher Meister sowie 2000 und 2001, Champions-League-Finalist, zählen nach wie vor zu den Top-Klubs in La Liga, auch wenn sie den Erwartungen bisher hinterherhinken.

Die herrschende Instabilität und Abstimmungsschwierigkeiten, die ein Trainerwechsel so mit sich bringt, sowie die spanische Grundausrichtung könnten den Grün-Weißen aber vielleicht doch ein wenig in die Karten spielen.

Spanische Grundausbildung als Rapids Hoffnung

Die Spanier sind für Rapid wahrlich kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die Auftritte in der Champions League waren weniger erfolgreich, jene in La Liga und Copa del Rey waren stets live bei LAOLA1.tv zu sehen.

Alle Kaderspieler von Rapids Europa-League-Gegner Valencia.

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Seit Dezember hat Gary Neville zusammen mit Bruder und Co-Trainer Phil das Zepter in der Hand.

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Im Aufgebot der Valencianer sind klanghafte Namen und Nationalspieler zu finden. Hier ist der Kader von Rapids Europa-League-Gegner Valencia:

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Mathew Ryan (23/AUS): Kam im Sommer von Club Brügge und ging als Nummer 1 in die Saison. Verlor nach einer Meniskusverletzung seinen Stammplatz und holte sich diesen erst wieder Mitte Jänner zurück, ehe Diego Alves sein Comeback feierte. Bild 4 von 28
Diego Alves (30/BRA): Der neunfache brasilianische Teamtorhüter zog sich im Mai 2015 einen Kreuzband- und Meniskusriss zu und bestritt erst zuletzt gegen Espanyol sein erstes Spiel für Valencia seit neun Monaten. Gilt als Elferkiller. Bild 5 von 28
Jaume Domenech (25/ESP): Der abgelöste Keeper! Behielt dank starker Leistungen im Herbst den Platz des verletzten Ryan und absolvierte 16 Liga-, 6 CL- und einen Copa-del-Rey-Einsatz. Seit Jänner auf der Bank. Bild 6 von 28
Joao Cancelo (21/POR): Junger Außenverteidiger, der vorwiegend rechts, aber auch links spielen kann. Rapid muss auf seine gefährlichen Vorstöße aufpassen. Kam in dieser Saison auf 18 Liga-, 6 CL- (1 Tor) und 4 Cup-Einsätze (1 Tor).  Bild 7 von 28
Ruben Vezo (21/POR): Ebenfalls ein junger Portugiese, der allerdings noch keinen Stammplatz in der Innenverteidigung hat. Wechselte im Jänner 2014 von Vitoria Setubal zu Valencia und kam 2015/16 bisher auf 12 Liga-, 6 Copa-, 2 CL-Quali und 1 CL-Spiel. Bild 8 von 28
Aderlan Santos (26/BRA): Auch der 26-jährige Brasilianer gilt als Alternative in der Innenverteidigung, konnte sich aber seit seiner Verpflichtung vom SC Braga noch nicht für mehr aufdrängen. 10 Liga-, 6 Copa-, 2 CL-Einsätze stehen zu Buche. Bild 9 von 28
Shkodran Mustafi (23/GER): Der 23-jährige Deutsche hat mit starken Leistungen internationales Interesse geweckt. Als Stammkraft in der Innenverteidigung (17x Liga, 5x CL, 4x Copa, 2x CL-Quali) absoluter Leistungsträger, zudem wurde er mit Deutschland 2014 Weltmeister. Bild 10 von 28
Guilherme Siqueira (29/BRA): Der Winter-Neuzugang von Atletico Madrid, wo er im letzten Jahr nur mehr Ergänzungsspieler war, durfte bisher nur gegen Betis, in der Copa gegen Barca und gegen Espanyol schnuppern. Muss in der Europa League zusehen, da nur Neuzugang Cheryshev nominiert wurde. Bild 11 von 28
Jose Luis Gaya (20/ESP): Valencias Rohdiamant auf der linken Abwehrseite! Mit glorreichen Auftritten mauserte sich der Spanier zu einem der besten Verteidiger der Liga, mit guten Aussichten auf Nationalteam-Einsätze. Hat längst das Interesse von Top-Klubs geweckt, blieb Valencia im Winter aber noch erhalten. Bild 12 von 28
Antonio Barragan (28/ESP): Gayas Pendant auf der rechten Abwehrseite! Erfahrener, 28-jähriger spanischer Defensivspieler, der sich seit 2011 den Fledermäusen verschrieben hat und in dieser Saison nach anfänglicher Jokerrolle und Verletzungspech wieder Fuß fasste. Bild 13 von 28
Aymen Abdennour (26/TUN): Der Tunesier ist an der Seite von Mustafi in der Innenverteidigung wieder gesetzt, nachdem er im Herbst mit einer Oberschenkelverletzung länger ausfiel. Mit 1,87 Metern ein Fels in der Brandung. Bild 14 von 28
Sofiane Feghouli (26/ALG): Einer der absoluten Schlüsselspieler bei den Valencianern! Ein agiler, technisch starker Flügelstürmer, der den Unterschied ausmachen kann und nur schwer vom Ball zu trennen ist. Nach Verletzung wieder zurück, da er trotz Interesse anderer Vereine den Fledermäusen treu blieb. Bild 15 von 28
Dani Parejo (26/ESP): Einer der tragischen Helden der Ära Gary Neville. Nach anhaltender Ergebniskrise wurde der bei Real Madrid ausgebildete Mittelfeld-Allrounder der Kapitänsschleife beraubt. An seiner Funktion in der Mannschaft hat sich dadurch nichts geändert. Mit 21 Liga-, 6 CL-. 6 Copa- und 2 CL-Quali-Einsätzen eine Fixgröße. Bild 16 von 28
Danilo (19/BRA): Seit Sommer vom SC Braga ausgeliehen. Brasilianischer U20-WM-Teilnehmer, auf den Valencia eine Kaufoption besitzt. Fügte sich trotz jungen Alters gut im defensiven Mittelfeld ein und kam bereits auf 15 Liga-, 6 Copa-, 4 CL- und 1 CL-Quali-Einsatz. Bild 17 von 28
Enzo Perez (29/ARG): Ein 16-facher argentinischer Teamspieler, der vor nunmehr einem Jahr von Benfica gekommen ist. In diesem Jahr von einigen Blessuren geplagt, zuletzt von einem Jochbeinbruch. Kann sowohl offensiv als auch defensiv in der Zentrale eingesetzt werden und verfügt über viel Erfahrung. Bild 18 von 28
Javi Fuego (32/ESP): Spanischer Routinier, der auf 202 Einsätze in La Liga zurückblickt und sich seit 2013 die Fußballschuhe bei Valencia schnürt. Der defenisve Mittelfeldspieler ist jedoch seit Anfang Jänner mit einer Hüftverletzung out, kam aber bisher schon auf 15 Liga-, 5 CL-, 2-CL-Quali- und 1 Copa-Einsatz. Bild 19 von 28
Andre Gomes (22/POR): Zentraler Mittelfeldakteur, der schon vier Mal für das portugiesische Nationalteam auflief. Letzte Saison vielleicht der beste Spieler des gesamten Teams. Heuer mit 16 Liga-, 4 CL- und 4 Copa-Einsätzen. Der Marktwert wird bereits auf 20 Millionen Euro geschätzt. Bild 20 von 28
Denis Cheryshev (25/RUS): Real Madrids Eigenbauspieler bekam bei den Königlichen kaum eine Chance und sorgte hauptsächlich mit dem unerlaubten Einsatz, der zum Copa-Ausschluss führte, für Schlagzeilen. Für Valencia ist der Flügelspieler eine unverzichtbare Größe, die als einziger Neuzugang noch für die Europa Leauge nominiert werden konnte. Bild 21 von 28
Wilfried Zahibo: Der 22-jährige Franzose hat bei Valencia noch nicht den großen Sprung geschafft. Normalerweise spielt er in Valencias B-Team im defensiven Mittelfeld, blickt aber in dieser Saison zumindest auf 2 La-Liga-Einsätze und fünf in der Copa zurück. Bild 22 von 28
Alvaro Negredo (30/ESP): Ein klanghafter Name im Angriff! Spanischer Routinier, der in 21 Spielen für Spanien auf starke zehn Tore kam. Keine überragende Saison bei Valencia mit nur vier Treffern, aber ein wichtiger Führungsspieler, der in Abwesenheit von Paco Alcacer die Kapitänsschleife übernahm. Nach Leihe im Sommer von Man City verpflichtet. Bild 23 von 28
Paco Alcacer (22/ESP): Einer, wenn nicht der Star der Fledermäuse. Nach überstandener Prellung ist der Mittelstürmer wieder zurück und eine unverzichtbare Größe. Erst 22 Jahre alt, aber schon 11 Länderspiele für Spanien (6 Tore) und seit 2013 auch 107 Spiele für Valencia, davon 20 Liga-, 5 CL-, 3 Copa- und 2 CL-Quali-Spiele in dieser Saison. Bild 24 von 28
Pablo Piatti (26/ARG): Ein 26-jähriger argentinischer Rechtsaußen, der seit 2011 bei den Valencianern ist, jedoch in dieser Saison nicht wirklich über die Jokerrolle hinauskommt. Kam im Juni 2011 zu seinem ersten und bis dato letzten Einsatz für das argentinische Nationalteam. Bild 25 von 28
Zakaria Bakkali (20/BEL): Der linke offensive Flügelspieler zählt auch noch nicht zum Stammpersonal. 20-Jähriger galt als Supertalent, als er bereits mit 17 für das belgische Nationalteam auflief. Bei PSV Eindhoven wegen Transferstreitigkeiten am Abstellgleis. Nun versucht er es bei Valencia. Bild 26 von 28
Rodrigo (24/ESP): 15-Millionen-Mann mit brasilianischen Wurzeln, allerdings bereits mit einem Nationalteam-Einsatz für Spanien. Kam nach einem Jahr Leihe im Sommer fix von Benfica und mauserte sich zuletzt als Alternative - sowohl für die linke als auch die rechte Außenbahn sowie an vorderster Front. Bild 27 von 28
Santi Mina (20/ESP): Ein spanischer U21-Teamspieler, der aus der Talenteschmiede von Celta Vigo stammt. Ein offensiv variabel einsetzbarer Angreifer, der aber zumeist auf der Außenbahn zum Zug kommt. Kam bei 16-Liga-Einsätzen bereits auf zwei Treffer und durfte auch 4 Mal in der CL und 4 Mal in der Copa auflaufen. Bild 28 von 28

„Ich schaue schon hin und wieder die Top-Spiele, die untere Tabellenregion eher weniger. Aber man kennt den spanischen Fußball als sehr spielstark. Man sieht auch in der Champions und Europa League, dass diese Teams sehr weit kommen“, äußert sich Mario Sonnleitner bei LAOLA1 über seine Kenntnisse der spanischen Liga. Auch Florian Kainz outet sich als Spanien-Fan.

Trotzdem entsandte Rapid mit Videoanalyst Stefan Oesen einen Spion zu den letzten beiden Spielen auswärts gegen Betis Sevilla und zuletzt daheim gegen Espanyol, wo ihm sogar der rekonvaleszente Christopher Dibon zur Seite stand und als Bindeglied dem Team Tipps weitergeben konnte.

Zurück kamen sie mit jeder Menge Erkenntnisse im Gepäck. Dass es sich bei Valencia um eine spielstarke, technisch versierte Mannschaft mit großartigen Einzelspielern handelt, kommt aufgrund der spanischen Ausbildung wenig überraschend.

„Da müssen wir den Hebel ansetzen“

Individuelle Klasse kann Spiele entscheiden. „Aber ihre Individualisten passen vielleicht noch nicht so gut zusammen, es funktioniert im Team noch nicht. Da müssen wir den Hebel ansetzen, sie als gesamte Mannschaft geschlossen von Torchancen abhalten und mutig nach vorne spielen“, unterstreicht Sonnleitner auch jene Meinung, die Valencia-Kenner Kurt Jara im LAOLA1-Interview äußerte.

Unterschiedliche Auftritte in der Fremde und in der heimischen Kultstätte waren in den vergangenen Wochen klar zu erkennen. So präsentierte sich der Rapid-Gegner im Heimspiel gegen Betis weitaus ballsicherer als auf unbekanntem Terrain, genoss zudem die Unterstützung des Publikums und drängte schon in den Anfangsminuten auf die Entscheidung – davor müssen sich die Hütteldorfer in Acht nehmen.

Der Tenor im grün-weißen Lager: Eine sehr disziplinierte Mannschaft mit der nötigen Mischung zwischen Routiniers und sehr jungen Talenten.

Als Schlüsselspieler können vor allem Torgarant Paco Alcacer, der erfahrene Alvaro Negredo sowie das zentrale Mittelfeldduo Andre Gomes und Dani Parejo genannt werden. Die Flügelspieler Denis Cheryshev sowie Sofiane Feghouli verleihen dem Team noch mehr Unberechenbarkeit.

Bei Neville kommt der Verteidiger durch

Die jüngste Krise, die nach zwölf Liga-Spielen ohne Sieg – neun davon unter Neville – beendet werden konnte, soll aber nicht abgestritten werden.

„Die Krise hat man peripher verfolgt. Das ist aber unerheblich für dieses Spiel, das ist ein eigener Bewerb. Valencia will sicher die Chance wahren, nächstes Jahr im Europacup zu spielen. Da ist die Chance fast nur mehr über die Europa League vorhanden“, weiß Sonnleitner.



Die Handschrift des englischen Trainers, der davor nur Erfahrung als englischer Co-Trainer vorweisen konnte und sonst noch keinen Profi-Klub trainierte, ist langsam aber doch zu lesen.

Die Beobachtungen ergaben, dass bei Neville der ehemalige Verteidiger durchkommt, der großen Wert auf eine grundsolide Defensive legt – unüblich für spanische Teams.

„Spanier wollen dem Ball nicht nachlaufen“

Sein Gegenüber Zoran Barisic glaubt trotzdem, dass Valencias ballbesitzorientiertes Spiel durch schnelle Gegenangriffe zu knacken ist. Vor allem gilt es, dem Gegner den Ball nicht widerstandslos zu überlassen.

„Generell wollen spanische Mannschaften nicht dem Ball hinterherlaufen. Deswegen müssen wir in Ballbesitz Mut beweisen, den Ball lange in den eigenen Reihen halten. Desto länger sie nachlaufen, desto schwieriger wird es für den Gegner, Chancen zu kreieren, merkt Sonnleitner an.

Barisic gibt ihm Recht: „Das ist generell der spanischen Ausrichtung geschuldet. Sie sind offensiv ausgerichtet, auch was die Spielanlage betrifft und haben ihre technischen Fertigkeiten. An der Mentalität und Struktur des Spiels wird sich im Vergleich zu Villarreal nicht viel ändern.“



Gegen den wenige Kilometer von Valencia entfernten Konkurrenten zog sich Rapid im Herbst mehr als beachtlich aus der Affäre. Einem 2:1 daheim folgte ein knappes 0:1 auswärts, das jedoch auch anders enden hätte können.

Im Unterschied zu Valencia waren die "gelben U-Boote" jedoch eingespielt und wiesen zudem ein anderes System und eine andere Spielausrichtung auf. Mit dem Ball statt gegen den Ball zu arbeiten liegt aber wiederum in der Natur der Sache, welche die spanischen Teams verbindet.

„Jede Mannschaft hat Schwächen, auch Valencia“

Bleibt die Frage, wie sich Rapid auf diese Eigenschaften einstellt. Allesamt sind jedoch der Meinung, dass es nur über das Kollektiv geht.

„Wenn wir mutig auftreten und als Mannschaft agieren, können wir einiges mitnehmen. Wir müssen gut verteidigen, nach vorne mutig sein und gemeinsam spielen. Dadurch hat man auch gegen Ajax und Shakhtar gesehen, dass wir mithalten können“, ist Kainz heiß auf die Partie.

Darauf, dass der Gegner nach schwierigen Wochen mental nicht auf der Höhe ist oder den österreichischen Widersacher sogar unterschätzt, will man sich nicht verlassen.

Bei allem Optimismus im Team und im Umfeld rückt Barisic abschließend aber noch einmal die Ausgangslage ins rechte Licht:

„Valencia ist gegen uns haushoher Favorit - davor brauchen wir die Augen nicht zu verschließen. Trotzdem ist es so, dass wir mit dem Ziel nach Valencia fliegen, ein gutes Hinspiel-Resultat zu erzielen. Denn jede Mannschaft hat Schwächen, auch Valencia.“


Aus Valencia berichtet Alexander Karper


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