England ist völlig aus dem Häuschen

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Berlin ist kein guter Boden für die DFB-Elf. Im Oktober 2012 spielte Deutschland gegen Schweden im Olympiastadion und musste sich nach einer 4:0-Führung mit einem 4:4 begnügen.

Erstmals nach dreieinhalb Jahren kehrte Joachim Löws Truppe in die Hauptstadt zurück, diesmal führte sie gegen England 2:0 und verlor letztendlich 2:3.

"Ärgerlich, aber auch eine gute Lehrstunde für die Mannschaft", kommentiert der Bundesltrainer die Niederlage im ersten Spiel des EURO-Jahres 2016.

"Unnötig, dumm"

Auch seine Spieler nehmen sich kein Blatt vor den Mund. "Eine unnötige, dumme Niederlage", findet Sami Khedira. Mario Gomez ordnet die Niederlage als "ein bisschen komisch und auch ein bisschen dumm" ein.

Löw weiter: "Wir wissen, woran wir nach so einem Spiel noch zu arbeiten haben. Es war klar ersichtlich, dass unsere Kombinationen und Laufwege nicht so gestimmt haben, wie ich mir das vorgestellt habe. Gerade in der zweiten Halbzeit waren wir in unserer Organisation, unserer Kompaktheit nicht gut. Wir haben wahnsinnig viele Räume gegeben."

Die Abwehr bereitet Sorgen

Deutsche Medien gehen vor allem mit der Abwehr hart ins Gericht. Mats Hummels wurde zur Pause wegen muskulärer Probleme ausgewechselt, in Hälfte zwei bildeten Emre Can, Antonio Rüdiger, Jonathan Tah und Jonas Hector die phasenweise überforderte Viererkette.

"Hilfe! Bei dieser Abwehr kriegen wir EM-Angst", titelt die "Bild". Löw verteidigt seine Defensive: "Tah hat seine Sache für das erste Länderspiel gut gemacht. Man sollte nicht den Fehler machen, die Fehler bei der Innenverteidigung zu suchen, weil die Tore da gefallen sind. Das hatte sicherlich andere Gründe."

Hodgson schönste Nacht

Während beim Weltmeister Wundenlecken angesagt ist, wird auf der Insel gejubelt. Die "Three Lions" haben nur eines ihrer vergangenen 18 Länderspiele verloren, 14 davon wurden gewonnen. Teamchef Roy Hodgson spricht von seiner "schönsten Nacht als England-Manager".

Gleichzeitig steigt er aber auf die Euphorie-Bremse: "Es war ein Testspiel und wir haben noch einen schrecklich weiten Weg vor uns, bevor wir behaupten können, so weit wie Deutschland zu sein, bei dem, was sie alles erreicht haben."

Auch Harry Kane, der erstmals als Mitglied der Startelf einen Treffer für sein Land erzielt hat, will das Ergebnis nicht überbewerten: "Wir müssen alle ruhig bleiben, es war ein Freundschaftsspiel." Aber: "Es war eine großartige Nacht für England! Wir waren gegen den Weltmeister 0:2 hinten - da zurückzukommen, zeigt, was für ein Team wir sind. Wir haben brillant gespielt."

Völlig aus dem Häuschen

Englands Medien sind jedenfalls völlig aus dem Häuschen. Der "Guardian" schreibt: "Die Geschichte dieses Comebacks ist so unglaublich, so außerhalb des Gewöhnlichen und die atemberaubendste halbe Stunde in der Amtszeit von Roy Hodgson. Sie verdient automatisch einen Platz in der Liste der größten Auftritte der Three Lions."

Im "Telegraph" ist zu lesen: "Eine fabelhafte Nacht für ein freches, wiederauferstandenes Hodgson-Team und zweifellos die großartigste Stunde für Englands Trainer in den letzten vier Jahren, in welcher er mit ansah, wie die hochdekorierte deutsche Mannschaft mit Toni Kroos, Manuel Neuer und Thomas Müller in die Schranken gewiesen wurde. Es ist lange her, dass ein englisches Team gegen einen solchen Gegner so hartnäckig um den Sieg kämpfte. Das Last-Minute-Siegtor von Dier stellt den Erfolg auf eine Ebene mit dem 5:1-Triumph von München 2001."

Das Lineker-Zitat 2.0

Das nächste Kapitel seiner ganz persönlichen Erfolgsgeschichte hat Jamie Vardy geschrieben. Der Leicester-Goalgetter kam von der Bank und sorgte wenig später mit der Ferse für den Ausgleich - sein erster Treffer im England-Trikot. Erstmals seit 1985 hat ein Leicester-Spieler ein Tor für England geschossen. Damals war es Gary Lineker.

Und die englische Stürmer-Legende hatte an diesem Abend auch das letzte Wort, formulierte kurzerhand ihr berühmtestes Zitat um: "Fußball ist ein einfaches Spiel, wo 22 Spieler 90 Minuten lang einen Ball herumkicken und am Ende gibt Deutschland eine 2-Tore-Führung aus der Hand."

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