Der Ingenieur des Erfolgs

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EM-Achtelfinale Portugal-Kroatien (1:0 n.V.). Diese Stichwörter sollten reichen, um Fußballästheten einen kalten Schauer über den Rücken laufen zu lassen.

Doch bot das wohl unansehnlichste Spiel dieser EURO eine wichtige Erkenntnis, die Portugal letztlich ins Finale gegen Frankreich (Sonntag, 21 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker) bringen sollte: Die „Brasilianer Europas“ waren bereit, Beton anzurühren.

Schluss mit Schönspielerei. Keine brotlosen Gustostückerl mehr. Stattdessen konsequente Defensivarbeit. Den Gegner kommen lassen. Stur auf den Endzweck ausgerichtet, anstatt wie so oft zuvor als Team voller Einzelkämpfer in Schönheit zu sterben.

Hauptverantwortlich für diesen Sinneswandel: Fernando Santos.

„Es geht doch hier nicht darum, ob man schön oder hässlich spielt", erklärt der Teamchef trocken. "Es geht darum, ob man noch hier ist oder schon wieder zu Hause.“

Schluss mit lustig

Kritik lässt er abprallen und davon gab es reichlich auf dem Weg ins Endspiel.

In der Gruppenphase quälte sich die Selecao mit drei Unentschieden weiter. Portugal wusste teilweise immerhin spielerisch zu gefallen.

Spielfreude sucht man seither vergebens. Im erst in der Vorbereitung auf die EURO einstudierten 4-4-2-System steht Portugal kompakt tief und lauert auf Konter. Waren Cristiano Ronaldo und Nani zuvor noch das Flügelduo im 4-3-3, vollstrecken diese nun als Sturmduo die Nadelstiche. Die Superstars arbeiten zudem konsequent nach hinten.

Vier EURO-Teilnahmen, zwei Finalspiel, neun Tore und ein Titel. Wir blicken auf die Karriere von Cristiano Ronaldo bei den Europameisterschaften:

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Alles begann für den Portugiesen bei der EURO 2004 im eigenen Land.

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Zusammen mit legendären Spielern wie Rui Costa oder Nuno Gomes sorgte man in der Heimat für viel Euphorie.

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Der damals erst 19-jährige Ronaldo stand bei allen sechs Spielen am Feld, vier Mal davon in der Startelf.

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Auch zwei Tore sind ihm gelungen. Im Eröffnungsspiel gegen Griechenland (1:2), sowie im Halbfinale gegen die Niederlande, in dem er auch ein zweites vorbereitete (2:1).

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Im Spiel gegen England (Viertelfinale) verwandelte er zudem seinen Penalty im Elferschießen souverän.

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Bereits 2004 jubelte "CR7" oberkörperfrei, es erinnert stark an den Torjubel im CL-Finale 2014.

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Die Europameisterschaft war auch der Startschuss eines Generationenwechsels bei der Selecao, unter anderem übernahm Ronaldo die Rolle des Superstars von Luis Figo.

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Ein Happy End war Ronaldo und seinen Portugiesen nicht vergönnt. Man verlor im Finale bekanntlich mit 0:1 gegen das Sensationsteam aus Griechenland.

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Das Bild von Ronaldo in Tränen nach dem Schlusspfiff ging um die Welt.

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Bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz war der Superstar schon nicht mehr aus dem Kader der Selecao wegzudenken.

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Mit Spielern wie Deco, Nuno Gomes oder Keeper Ricardo waren noch ein paar Spieler von 2004 im Kader.

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Doch mit Nani oder Pepe sind auch schon neue Kräfte dazugekommen, die auch heute noch wichtige Rollen im Team einnehmen.

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Ronaldo stand in drei von vier Spielen am Feld, lediglich im letzten Gruppenspiel wurde er geschont.

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Mit der eigenen Torausbeute wird er nicht ganz zufrieden gewesen sein, lediglich gegen Tschechien konnte er einmal netzen.

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Immerhin konnte er auch noch drei weitere Tore vorbereiten (zwei gegen Tschechien, eins gegen Deutschland).

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Schon damals kam er zur Ehre, als Kapitän das Team anzuführen.

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Das Turnier endete für die Portugiesen schließlich in Basel im Viertelfinale gegen den späteren Finalisten Deutschland.

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In einem dramatischen Spiel setzte sich das DFB-Team knapp mit 3:2 durch.

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Es soll das schlechteste Turnierergebnis bei einer EURO für Ronaldo bleiben.

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2012 in Polen und der Ukraine durfte Ronaldo sein Land als Kapitän zur Endrunde führen.

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Den Turnierstart verpatzte man allerdings...

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...Deutschland setzte sich dank eines Gomez-Tors mit 1:0 durch.

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In der vermeintlichen Todesgruppe, in der neben den Deutschen auch noch der damalige WM-Finalist Niederlande spielte, schien dies bereits das Ende des Turniers zu sein.

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Doch dank Siegen gegen Dänemark (3:2) und Holland, gegen das Ronaldo beide Tore zum 2:1-Sieg schoss, schaffte man doch noch den Sprung ins Viertelfinale.

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Dramatisch: Gegen Dänemark erzielte Varela das Siegestor erst in der 87. Minute.

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Insgesamt hatte Ronaldo bei dieser Endrunde dreimal Grund zum Jubeln.

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Im Viertelfinale gegen Tschechien tat man sich lange Zeit schwer...

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...doch ein Ronaldo-Tor in der 78. Spielminute ebnete den Weg ins Semifinale.

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In der Runde der letzten Vier hieß der Gegner Spanien, damaliger Welt- und Europameister.

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Im iberischen Duell verloren Ronaldo und sein Team 2:4 im Elferschießen. Der Kapitän kam als fünfter Schütze der Portugiesen nicht zum Zug.

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Auch bei der EURO 2016 starteten die Portugiesen nicht nach Wunsch, gegen Island spielte man nur 1:1.

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Im zweiten Spiel gegen Österreich tat sich das Team rund um "CR7" ebenfalls schwer.

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Das ÖFB-Team konzentrierte sich auf die Defensive und machte so den Iberern das Leben schwer.

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Ronaldo scheiterte mehrfach am überragenden Robert Almer...

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...und per Elfmeter am Pfosten.

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Im dritten Gruppenspiel gegen Ungarn gab es erstmals etwas zu jubeln für Ronaldo, beim 3:3 erzielte er zwei Treffer.

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Auch im Achtelfinale gegen Kroatien stellte der Kapitän seine Wichtigkeit unter Beweis. Nach einem Sprint von der eigenen Hälfte in den gegnerischen Strafraum bereitete er das Tor von Quaresma vor.

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Im Viertelfinale gegen Polen tat man sich ebenfalls sehr schwer. Man musste ins Elfmeterschießen.

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Ronaldo verwandelte als erster Schütze souverän.

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Bei den anderen Schützen konnte er kaum hinsehen, am Ende waren die Portugiesen aber doch nervenstärker.

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Im Halbfinale kam es schließlich zum Duell mit seinem Real-Madrid-Sturmpartner Gareth Bale.

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Mit seinem herrlichen Kopfballtreffer sowie dem Assist zu Nanis Treffer konnte er die Kritiker zum Schweigen bringen.

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Der Jubel über den neuerlichen Finaleinzug nach 2004 kannte keine Grenzen. Ein weiteres Mal will sich Cristiano Ronaldo den Titel aber nicht wegschnappen lassen.

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Doch das Endspiel begann denkbar schlecht, schon nach wenigen Minuten verletzte sich Ronaldo nach einem Zweikampf mit Dimitri Payet am Knie

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Unter Tränen musste der Superstar in der 25. Minute ausgewechselt werden.

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Doch CR7 hielt es fortan nicht auf der Bank, quasi als zweiter Trainer peitschte er seine Kameraden unaufhörlich nach vorne.

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Und nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr - das musste auch Trainer Fernando Santos erfahren.

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Da ist das Ding! Der EM-Titel 2016 ist die Krönung der Nationalteam-Karriere Cristiano Ronaldos!

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Das schmeckt dem Weltstar!

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Dazu gesellen sich taktische Raffinessen. Gegen Kroatien agierte der frisch ins Team gerückte Adrien Silva als persönlicher Bewacher von Spielmacher Luka Modric, dem damit sichtlich die Spielfreude genommen wurde.

Die Defensiv-Taktik wurde auch gegen Polen beibehalten. Selbst gegen einen offensiv nicht angsteinflößenden Gegner wie Wales wählte Santos die Vorsichtsvariante. Ein Standard bzw. schneller Doppelpack fixierten den letztlich nie gefährdeten Finaleinzug.

Vom Hotel auf die Trainerbank

Vor dem Halbfinale monierten noch die landeseigenen Medien: „Das Land ist euphorisiert, die Mannschaft atmet auf - aber das ist auch der Moment, um zu sagen, dass spielerisch wenig zusammenläuft", so die Zeitung "Correio da Manha".

Erfolgreich ja, aber so wirklich geliebt darf sich der Teamchef in seiner Heimat also nicht fühlen. Ein Gefühl, dass der Lissaboner kennt.

Seine verletzungsgeplagte Spielerkarriere musste der Sohn einer Hausfrau und eines Autozubehör-Händlers bereits früh mit 21 Jahren bei Estoril beenden. Sein Vater hatte vorgesorgt und ihm bereits als Bedingung für die Vertragsunterzeichnung des Junioren-Vertrags bei Benfica ein paralleles Studium abverlangt. Ab 1977 durfte er sich Ingenieur der Elektro- und Nachrichtentechnik nennen.

Santos beim FC Porto
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Der Fußball geriet in den Hintergrund. Um seine Familie zu unterstützen, arbeitete er als technischer Direktor im „Hotel Palace“. Als Estoril 1987 einen Trainer suchte, konnte Santos aber nicht widerstehen. „Zufall“ nennt er gegenüber „Expresso“ diesen Wink des Schicksals.

Griechenland als Rettung

Santos führte den Klub in die erste Liga. Via Estrela schaffte er schließlich den Sprung zum großen FC Porto und sicherte dem Verein 1999 gleich den Meistertitel. Aufgrund des fünften in Folge wird er „Ingenieur Penta“ genannt.

Nicht von allen. „Meine Sekretärin sagte einer Zeitung: „Eigentlich ist er nicht „Ingenieur Penta“, sondern Ingenieur vom Hotel Palace“, so Santos lachend.

Später sollte er zwischen Griechenland, seiner mittlerweile zweiten Heimat, und Portugal pendeln. Von Porto ging es zum AEK Athen und Panathinaikos. Von Sporting zurück zum AEK. Von Benfica zu PAOK Thessaloniki.

Trainerstation Zeitraum
Estoril 07/1987-06/1994
Estrela Amadora 07/1994-06/1998
FC Porto 07/1998-06/2001
AEK Athen 06/2001-05/2002
Panathinaikos 07/2002-10/2002
Sporting 07/2003-06/2004
AEK Athen 07/2004-05/2006
Benfica 07/2006-08/2007
PAOK Saloniki 09/2007-06/2010
Griechenland 07/2010-06/2014
Portugal seit 09/2014

Die portugiesischen Zwischenstationen hielten aufgrund von Erfolglosigkeit jeweils nur ein Jahr. In Griechenland war er dafür umso erfolgreicher, viermal wurde er Trainer des Jahres. ÖFB-Konditionscoach Roger Spry, damals bei Panathinaikos Weggefährte, soll ihn als besten Coach sehen, mit dem er je zusammengearbeitet hat.

Der logische Schritt: 2010 folgte Santos dem nach dem Europameistertitel 2004 unsterblichen Otto Rehhagel als Teamchef Griechenlands nach.

Griechische Verbundenheit
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Die „Hellenen“ führte er 2012 ins EM-Viertelfinale (2:4 gegen Deutschland), 2014 zum ersten Mal in der Verbandsgeschichte ins WM-Achtelfinale. Mit altbekannten Vorwürfen, die Mauertaktik schmeckte nicht allen. Auch damals konterte Santos trocken: „Wir haben keinen Messi, also hat die Taktik bei uns oberste Priorität.“

„Schwer uns zu schlagen“

Im September 2014 übernahm der 61-Jährige den Chefsessel seines Heimatlandes. Unter Vorgänger Paulo Bento waren die Iberer bei der WM 2014 sang- und klanglos in der Gruppenphase gescheitert. Eine Quali-Heimpleite gegen Albanien beendete dessen Ära.

Santos übernahm und lieferte sieben Siege in sieben Spielen. Alle mit nur einem Tor Differenz. Erstmals seit 2008 mussten sich die Iberer nicht durch das Playoff zum Großereignis quälen.

Die Durchquälerei holte das Team, zumindest nach Ansicht vieler Kritiker, im weiteren Turnierverlauf nach. Santos drückt sich diesbezüglich diplomatisch aus: „Ich habe Portugal immer als großartiges Team gesehen, manchmal war es schöner, uns zuzusehen, manchmal nicht. Wir sind vielleicht nicht das beste Team der Welt, aber wir wissen, dass es schwer ist, uns zu schlagen."

Köpfchen statt kopflos angreifen
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Der Vater eines erwachsenen Sohnes und einer Tochter warnt bereits Frankreich: „Im Finale geht es nicht ums Spielen, sondern ums Gewinnen.“

Fester Glaube

Diesen Europameistertitel gab Santos bereits nach seinem Debüt im Oktober 2014 als Ziel aus, ausgerechnet einer 1:2-Niederlage gegen Frankreich im Stade de France: „Seitdem habe ich gesagt, dass es unser Ziel ist, es in dieses Finale zu schaffen.“ Dafür wurde er von Kritikern belächelt, er glaubt(e) aber fest daran.

Und doch relativiert der gläubige Santos, der täglich in der Früh und abends betet, die Bedeutung seines Jobs: „Ich möchte als guter Vater in Erinnerung bleiben, als ein guter Sohn, als guter Ehemann und als guter Freund. Fußball bedeutet nichts, wenn wir es mit Kindererziehung oder Freundschaft vergleichen.“

Ein Europameistertitel würde aber wohl auch seinen Kritikern in Erinnerung bleiben.

 

Andreas Gstaltmeyr


So zog Portugal ins EURO-Finale ein:

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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