Koller hat zwei Optionen gegen Island

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Selten zuvor ging es für Marcel Koller in einem Spiel um so viel.

Selten zuvor sah sich der Teamchef bei der Aufstellung mit so vielen offenen Fragen konfrontiert.

Selten zuvor war auch so unklar, wie der Schweizer das Team taktisch einstellen wird.

Es braucht ein Tor, dafür gibt es zwei Optionen

Auf Koller wartet ein Balanceakt. Er muss sich entscheiden, ob er seinem Team zutraut, die Isländer trotz der Passschwierigkeiten in den ersten beiden EM-Partien spielerisch zu dominieren. Die andere Möglichkeit wäre, das Tor mit furiosem Angriffspressing zu erzwingen.

Beides auf einmal scheint seine Mannschaft momentan nicht auf dem Kasten zu haben. Zumindest deutet das Ungarn-Spiel darauf hin. Gegen die Magyaren fehlte die Passsicherheit, um den Gegner in dessen Hälfte einzuschnüren. Stattdessen erarbeitete sich das ÖFB-Team die besten Chancen, wenn der Ball früh erobert wurde.

Gelang dies jedoch nicht, so präsentierte sich die Defensive aufgrund der großen Abstände zwischen den Linien äußert löchrig. Mit der Hereinnahme von Stefan Ilsanker konnten die Kompaktheits-Probleme der Österreicher gelöst werden. Allerdings war gegen Portugal auch eine ganz andere Spielanlage gefordert. Nun braucht Österreich unbedingt ein Tor und das wird gegen diese isländische Mannschaft nicht leicht.

VIDEO: LAOLA1-Redakteure diskutieren über das Duell gegen Island:

 

Defensiv-Spezialisten aus dem hohen Norden

Denn die Stärke der Nordeuropäer liegt eindeutig in der Arbeit gegen den Ball. Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrimsson lassen ein enges 4-4-2 spielen, das im Zentrum nur kaum zu durchdringen ist. So wie Österreich gegen Portugal verteidigte, agieren die Isländer in fast jedem Spiel.

Dadurch beherrschen sie diese reaktive Taktik auch perfekt. Zwischen den beiden Viererketten bieten die Isländer dem Gegner kaum Platz für Kombinationen. Nach vorne werden sie vor allem über hohe Bälle gefährlich.

Ziel dieser langen Pässe ist das Sturmduo, das zuletzt aus Kolbeinn Sigthorsson und Jon Bödvarsson bestand. Das Mittelfeld rückt daraufhin schnell nach, um die zweiten Bälle zu erobern.

Island aber alleine auf dieses Kick and Rush zu reduzieren, wäre unfair. Die Lagerbäck-Elf findet auch immer wieder spielerische Lösungen. Vor allem, wenn Basel-Legionär Birkir Bjarnason von links nach innen rückt und mit Swansea-Star Gylfi Sigurdsson das Kombinationsspiel sucht. Auf der Gegenseite besetzt Johann Gudmundsson dagegen konstant die Außenlinie und sorgt mit Dribblings sowie Flanken für Gefahr.

Es braucht Kopfballspezialisten

Zudem sind die Isländer ausgewiesene Spezialisten für Standardsituationen – egal ob nach Freistößen, Eckbällen oder den langen Einwürfen von Kapitän Aron Gunnarsson. Die „Wikinger“ erzielen den Großteil ihrer Treffer nach ruhenden Bällen.

Davon kann Österreich selbst ein Lied singen. Vor zwei Jahren traf Nantes-Angreifer Sigthorsson beim Test gegen das ÖFB-Team per Kopfball nach Freistoß-Flanke zum 1:1-Endstand.

Teamchef Koller muss bei der Auswahl seiner Startelf also auch darauf achten, möglichst viele Kopfballspezialisten zu nominieren, um gegen die größte Waffe der Isländer gerüstet zu sein. Der physisch starke Marc Janko könnte in diesem Kontext auch defensiv wertvoll sein.

Zudem wird viel auf die beiden Sechser ankommen, bei hohen Pässen der Isländer schnell nach hinten zu rücken, um dort die Abwehr beim Gewinn der zweiten Bälle zu unterstützen.

Das spricht für Ilsanker

Diese Rolle scheint eigentlich prädestiniert für den zweikampfstarken Stefan Ilsanker. Mit dem Leipzig-Legionär, der gegen Portugal beeindruckte, könnte Koller zudem auf ein frühes Forechecking setzen.

Ilsanker gilt als Pressing-Spezialist, dem der Spagat zwischen frühem Attackieren und schnellem Zurückrücken bei hohen Bällen genauso zuzutrauen ist wie Julian Baumgartlinger. Mit dieser zweikampfstarken Kombination im defensiven Mittelfeld könnte es der Teamchef wagen, die Isländer mit hohem Angriffspressing zu überraschen.

Vor allem in der Anfangsphase setzte der Schweizer schon öfters auf dieses Mittel. Zumal der Weg zum Tor bei einem frühen Ballgewinn kürzer ist als wenn das ÖFB-Team erst später attackiert.

Das spricht für Schöpf

Andererseits ist zu befürchten, dass unter einer Startelf mit Ilsanker die spielerische Qualität leiden würde. Der Ex-Salzburger ist zwar ein solider Passgeber, der mit seinen Bewegungen auch Räume öffnen kann, doch als Spielgestalter ist er nicht bekannt.

Deswegen spricht durchaus vieles dafür, mit Alessandro Schöpf als Zehner zu beginnen, um David Alaba zurück auf seine angestammte Position als Sechser zu ziehen. Der Bayern-Star könnte die Ballzirkulation ankurbeln und sich auch ihn höheren Gegenden des Platzes anbieten.

Gemeinsam mit Schöpf muss der Wiener versuchen, sich in den Halbräumen anzubieten, um dort Kombinationen mit den Flügelspielern zu forcieren. Denn der kompakte 4-4-2-Block der Isländer wird vor allem dort zu knacken sein.

Das ist der EURO-Kader von Österreich-Gegner Island:

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Hannes Thór Halldórsson (32) | Torhüter | 35 Länderspiele | Klub: FK Bodö/Glimt (NOR)

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Ögmundur Kristinsson (26) | Torhüter | 11 Länderspiele | Klub: Hammarby IF (SWE)

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Ingvar Jónsson (26) | Torhüter | 5 Länderspiele | Klub: Sandefjord (NOR)

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Ari Skúlason (29) | Abwehr | 40 Länderspiele, 0 Tore | Klub: Odense BK (NOR)

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Hördur Magnússon (23) | Abwehr | 5 Länderspiele, 0 Tore | Klub: AC Cesena (ITA)

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Hjörtur Hermannsson (21) | Abwehr | 3 Länderspiele, 0 Tore | IFK Göteborg (SWE)

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Ragnar Sigurdsson (29) | Abwehr | 58 Länderspiele, 1 Tor | Klub: Krasnodar (RUS)

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Kári Arnason (33) | Abwehr | 49 Länderspiele, 2 Tore | Klub: Malmö FF (SWE)

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Sverir Ingi Ingason (22) | Abwehr | 6 Länderspiele, 2 Tor | KSC Lokeren (BEL)

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Birkir Már Saevarsson (31) | Abwehr | 59 Länderspiele, 1 Tor | Klub: Hammarby IF (SWE)

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Haukur Heidar Hauksson (24) | Abwehr | 7 Länderspiele, 0 Tore | Klub: AIK Solna (SWE)

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Emil Hallfredsson (31) | Mittelfeld | 55 Länderspiele, 1 Tor | Klub: Udinese Calcio (ITA)

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Gylfi Sigurdsson (26) | Mittelfeld | 41 Länderspiele, 14 Tore | Klub: Swansea City (WAL)

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Aron Gunnarsson (27) | Mittelfeld | 61 Länderspiele, 2 Tore | Klub: Cardiff City (WAL)

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Elmar Bjarnason (29) | Mittelfeld | 28 Länderspiele, 0 Tore | Klub: Aarhus GF 

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Arnór Ingvi Traustason (23) | Mittelfeld | 7 Länderspiele, 3 Tore | Klub: IFK Norrköping (SWE), ab 16/17 SK Rapid Wien (AUT)

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Birkir Bjarnason (28) | Mittelfeld | 49 Länderspiele, 7 Tore | Klub: FC Basel (SUI)

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Johann Berg Gudmundsson (25) | Mittelfeld | 49 Länderspiele, 4 Tore | Klub: Charlton Athletic (ENG)

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Rúnar Már Sugurjónsson (25) | Mittelfeld | 11 Länderspiele, 1 Tor | Klub: GIF Sundsvall (SWE)

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Eidur Gudjohnsen (37) | Angriff | 87 Länderspiele, 26 Tore | Klub: Molde FK (NOR)

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Kolbeinn Sigthórsson (26) | Angriff | 41 Länderspiele, 20 Tore | Klub: FC Nantes (FRA)

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Alfred Finnbogason (27) | Angriff | 36 Länderspiele, 8 Tore | Klub: FC Augbsurg (GER)

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Jón Dadi Bödvarsson (24) | Angriff | 23 Länderspiele, 1 Tor | Klub: 1. FC Kaiserslautern (GER)

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Es braucht offensive Außenverteidiger

Das hat sich schon vor zwei Jahren im Freundschaftsspiel gezeigt, als Marko Arnautovic mit Diagonalläufen zur Mitte der größte Gefahrenherd der Österreicher war. Dahinter wird es auch auf die Außenverteidiger ankommen, hoch zu stehen, das Spielfeld breit zu machen und damit die isländische Defensive auseinander zu ziehen.

Bei einer Hereinnahme von Schöpf scheint es jedoch gut möglich zu sein, dass Koller die Pressinglinie ein wenig tiefer ansetzt, um hinten kompakter zu stehen und so auf die langen Bälle besser vorbereitet zu sein.

Jedenfalls erwartet die Fans ein enges Spiel, in dem es hart zur Sache gehen wird. Die physisch starken Isländer werden den Österreichern noch härter zusetzen als es Ungarn getan hat. Diesmal sollte man darauf vorbereitet sein.

 

Jakob Faber

 

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