"In England werden Vereine mit Geld zugeschüttet"

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Julian Baumgartlinger präsentierte sich in den beiden letzten Tests gegen Malta und die Niederlande als einer von nur wenigen ÖFB-Kickern bereits in guter Form.

Die EURO wird für zahlreiche Mitglieder des ÖFB-Kaders, deren Zukunft ungeklärt ist oder die mit einem Wechsel spekulieren, zur ganz großen Bühne.

Baumgartlinger verzichtet auf dieser Plattform auf Werbung in eigener Transfer-Sache. Der Wechsel des Mainz-Kapitäns zu Bayer Leverkusen ist längst in trockenen Tüchern, womit er der deutschen Bundesliga treu bleibt. Zudem erteilt er der Premier League in ihrer derzeitigen Form eine klare Absage. Warum, erklärt er im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Du wirst auch in Zukunft in der deutschen Bundesliga spielen. Inwiefern steht dir diese Liga näher als zum Beispiel die Premier League, wo jetzt noch einmal mehr Geld im Spiel sein wird und die für viele Spieler eine sehr attraktive Destination ist.

Julian Baumgartlinger: Dass wirtschaftliche Faktoren in einer professionellen Karriere wichtig sind, ist klar. Aber mir sind auch andere Sachen wichtig. Zum Beispiel die hohe Konkurrenz in Deutschland. Alles ist sehr eng, man wird in jedem Spiel bis aufs Letzte gefordert. Auch vom taktischen Ansatz und der Art, wie Fußball gespielt werden soll, entwickelt sich der Spitzenfußball momentan meiner Meinung nach genau so, wie das in Deutschland ist. An sein Leistungsmaximum zu kommen und sich dadurch weiterentwickeln zu können, ist für mich entscheidender als rein monetäre Gründe.

"In England wird momentan nicht die beste Philosophie verbreitet. Man wird als Verein mit Geld zugeschüttet und dann wiederum werden die Kader aufgebläht. Spieler werden für Unsummen verpflichtet, und das, ohne groß etwas dahinterstehen zu haben."

Julian Baumgartlinger

LAOLA1: In England wurde dafür mit Leicester ein Verein Meister, der vermutlich vielen Vereinen als Vorbild dienen wird, indem man sagt: Es ist alles möglich, auch gegen die ganz Großen.

Baumgartlinger: Ich glaube, die Situation in England ist eine andere. In der Liga wird momentan vielleicht nicht die beste Philosophie verbreitet. Man wird als Verein mit Geld zugeschüttet und dann wiederum werden die Kader aufgebläht. Spieler werden für Unsummen verpflichtet, und das, ohne groß etwas dahinterstehen zu haben. Leicester beweist, dass es mit einer relativ guten Struktur, einer Idee, einer Taktik und einem Trainer, der klare Vorstellungen hat, wie man spielen soll, schon reicht, um in dieser Liga Meister zu werden. Das ist zum einen imposant, zum anderen ist es jedoch ein Ausrufezeichen für die Premier League, dass nicht alles so optimal läuft.

LAOLA1: Das heißt, in Deutschland ist alles natürlicher gewachsen, und deshalb ist es auch schwieriger an Vereinen wie Bayern oder Dortmund vorbeizukommen?

Baumgartlinger: In Deutschland wird noch einmal auf andere Dinge wertgelegt, nicht einfach nur: Wer ist der teuerste Transfer? Wie viel Geld habe ich für einen Spieler ausgegeben, weil dann muss er ja gut sein? Sondern zuerst einmal: Passt der Spieler in meine Philosophie? Habe ich überhaupt eine Philosophie? Und wenn ich eine Philosophie habe: Kann ich das mit meinen finanziellen Mitteln realisieren, ohne in Probleme zu kommen? Das sind Faktoren, die in Deutschland gesund und allgemein in Europa vorbildlich sind. Es gibt kaum eine Liga, die infrastrukturell und finanziell so gesund ist. Das ist meiner Meinung nach die große Stärke der Liga. Dann muss man aber auch akzeptieren, dass Vereine wie Bayern oder Dortmund, die einfach über Jahrzehnte Weltklasse-Arbeit leisten und das dementsprechende Vermögen haben, dominieren.

LAOLA1: Musstest du vor deinem Wechsel zwischen diesen beiden Varianten abwägen: Längerfristige Treue und vielleicht in Mainz eine Vereinsikone werden, oder noch einmal etwas Neues sehen?

Baumgartlinger: Es ist schwer, das eine mit dem anderen zu vergleichen. Eine Vereinsikone oder Legende zu werden, hat für mich mit meiner fußballerischen Entwicklung nichts zu tun. Das ist eine Ehre, und es war für mich etwas Besonderes, fünf Jahre in Mainz und zuletzt Kapitän sein zu dürfen. Andererseits geht es für mich immer wieder um Weiterentwicklung. Letztes Jahr habe ich gesagt, dass ich glaube, mich in Mainz noch einmal weiterentwickeln zu können. Ich habe mir vorgenommen, mein erstes Bundesliga-Tor zu schießen. Das hat funktioniert. Genauso gibt es jetzt weitere Ziele. Es gibt immer noch weitere Schritte und Etappen, die ich erreichen kann. Das steht für mich im Vordergrund.

LAOLA1: Inwiefern warst du aufgrund deiner Ausstiegsklausel in einer bequemen Ausgangsposition. Dein Vertrag in Mainz lief noch drei Jahre, so gesehen warst du abgesichert.

Baumgartlinger: Ich habe schon letzten Sommer betont, dass diese langfristige Vertragsunterzeichnung für mich eine sehr wichtige war, weil ich mich dann einfach in Ruhe auf Fußball konzentrieren kann. Ich musste mich nicht mit diesen ganzen Themen wie Wechsel, Vertragsverlängerungen, auslaufende Verträge oder sonstwas beschäftigen, sondern nur in dem Moment, wo es etwas gab, das an mich herangetragen wurde. Das war eine Win-Win-Situation. So lässt es sich für mich auch besser Fußball spielen. Wenn man eine Fußball-Karriere beginnt, weiß man, dass es jederzeit passieren kann, dass ein interessantes Angebot kommt. Ich habe mich ein bisschen davon verabschiedet, zu sagen: „Das ist meine Traumdestination oder das möchte ich unbedingt noch machen“, weil ich gemerkt habe, so richtig planen kann man nicht. Die besten Optionen passieren meistens aus der Situation heraus.

LAOLA1: Also ist Spontanität gefragt.

Baumgartlinger: Ich glaube, das ist im Fußball das einzige, das Sinn macht. Bei allem anderen verkopft man zu sehr. Das beschäftigt einen auf und abseits des Platzes zu viel und macht für mich keinen Sinn.

LAOLA1: Du verlässt Mainz nach fünf Saisonen. In dieser Spielzeit habt ihr euch für die Europa League qualifiziert. Was war das Erfolgsgeheimnis?

Baumgartlinger: Zum einen eine familiäre Struktur. Der Verein ist relativ schnell und mit bescheidenen Mitteln ins Bundesliga-Geschäft aufgestiegen. Trotzdem wurde nie darauf vergessen, dass es wichtig ist, finanziell und wirtschaftlich unabhängig und gesund zu bleiben. Das ist nach wie vor das große Thema im Verein, dass alles mit eigenen Mitteln und stets sehr vernünftig abläuft. Die Kader-Philosophie ist ebenfalls sehr vernünftig. Es passt auch ein bisschen zur Mentalität – sie sind sehr offen, versuchen aber auch immer auf charakterstarke und sehr reife Persönlichkeiten zurückzugreifen. Darüberhinaus ist es das Markenzeichen von Mainz, dass Spieler ausgebildet werden und den nächsten Schritt in ihrer Karriere ermöglicht bekommen. In den letzten Jahren ist das jedoch auch ein bisschen im Wandel, weil sich Mainz selbst gut etabliert hat.

"Ich glaube, dass Christian Heidel mit Karim Onisiwo ein absolutes Schnäppchen gelungen ist."

Julian Baumgartlinger

LAOLA1: Auf Sportdirektoren-Ebene gibt es durch den Abgang von Christian Heidel zu Schalke einen Wechsel. Zuvor herrschte große Kontinuität und vieles von dem, was du erzählt hast, ist eng mit seinem Namen verbunden.

Baumgartlinger: Richtig. Christian Heidel hat im Prinzip alle diese Punkte im Verein initiiert und auch gelebt. Es ist natürlich ein Umbruch und ein Wechsel, der für Mainz in der Bundesliga neu ist. Die Grundvoraussetzungen für den Wechsel sind okay, die wichtigen Punkte sind festgelegt. Man wird aber logischerweise trotzdem abwarten müssen, wie sich das dann im aktiven Tagesgeschäft nach dem Wechsel abspielt.

LAOLA1: Einer der letzten Transfers von Heidel war mit Karim Onisiwo ein Landsmann von dir. Wie beurteilst du sein erstes halbes Jahr in Mainz?

Baumgartlinger: Er hatte leider am Anfang ein bisschen Pech. Erst hatte er keine Spielerlaubnis, dann hat er sich direkt verletzt und ist sechs Wochen ausgefallen. Er hat trotzdem sehr schnell in die Mannschaft gefunden und dann, als er wieder fit war, mit seiner Qualität bewiesen, dass er Mainz besser machen kann und eine gute Verstärkung ist. Ich glaube, dass Christian Heidel mit ihm im Winter ein absolutes Schnäppchen gelungen ist.

Das Gespräch führte Peter Altmann

Hättest du es gewusst?


Was für ein kurioser Wetteinsatz:


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