Österreich scheidet bei der EURO aus

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Österreich scheidet nach einem 1:2 gegen Island in St. Denis bei der EURO 2016 als Gruppenletzter aus.

Die Isländer gehen durch Bödvarsson in Führung (18.), Dragovic vergibt nach Foul an Alaba den Ausgleich vom Elfmeterpunkt (37.).

Alaba scheitert noch mit einem Schuss, den Arnason vor der Linie klärt (47.), ehe der ÖFB für die Überlegenheit durch ein Tor von Schöpf (60.) belohnt wird. Der Joker vergibt dann die Top-Chance auf den notwendigen Sieg (72.).

Traustason besorgt im Finish das 2:1 (94.).


Österreichs 1. EURO-Tor aus dem Spiel heraus:


Die Basis für das EM-Out wurde mit einer phasenweise inferioren Leistung in der ersten Hälfte gelegt. Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Österreicher deutlich, konnten den für den Aufstieg erforderlichen Sieg aber nicht mehr einfahren - und das trotz lautstarker Unterstützung von rund 30.000 Fans.

Was die rot-weiß-roten Schlachtenbummler vor der Pause zu sehen bekamen, ließ ihnen zeitweise den Atem Stocken. Teamchef Marcel Koller hatte überraschend auf eine von Sebastian Prödl, Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger gebildete Dreierkette umgestellt, als Stürmer agierten vom Flügel aus Marcel Sabitzer und Marko Arnautovic, David Alaba wurde als Offensivster im Zentrum aufgeboten. Dies hatte etwa die kuriose Situation zur Folge, dass der Bayern-Profi bei Ballbesitz des Gegners in einer Art Mittelstürmer-Rolle zu sehen war.

Zuvor war die Variante mit Dreierkette unter Koller lediglich beim 14:0 gegen den Schweizer Sechstligisten Schluein in einer Matchsituation getestet worden. Der taktische Winkelzug ging ins Auge - schon in der Anfangsphase entstanden Löcher, die Laufwege passten nicht.

Während die Österreicher offensichtlich noch damit beschäftigt waren, sich in ihrem eigenen System zurechtzufinden, wären sie fast schon in Rückstand geraten. Johann Gudmundsson zog aus über 20 Metern ab, der Ball sprang von der Latte wieder zurück ins Feld (2.).


Alle Highlights des Spiels:


Die Nervosität der ÖFB-Mannschaft wurde dadurch weiter gesteigert. In der Offensive ging mit Ausnahme eines Stolperers von Island-Goalie Hannes Halldorsson, den Marko Arnautovic fast genützt hätte (11.), vorerst überhaupt nichts. Geordneter Spielaufbau war keiner vorhanden, die Defensive zeigte sich anfällig - so auch in der 18. Minute: Nach einem weiten Einwurf von Aron Gunnarsson verlor Christian Fuchs das Kopfball-Duell mit Kari Arnason und der Ball kam zu Bödvarsson, der sich gegen Julian Baumgartlinger durchsetzte und zum 1:0 für den EM-Debütanten einschoss.

Die Österreicher brauchten bis zur 29. Minute, um sich von diesem Schock zu erholen. Dann prüfte Arnautovic Islands Keeper Halldorsson, wenige Sekunden später setzte der Stoke-Legionär einen Kopfball weit über das Tor. Am nächsten kamen die Österreicher dem Ausgleich zunächst in der 37. Minute. Ari Skulason hielt Alaba im Strafraum leicht am Arm, den dafür verhängten schmeichelhaften Strafstoß setzte Dragovic an die Stange. Fünf Minuten später war Halldorsson bei einem Baumgartlinger-Weitschuss auf dem Posten.

Nach dem Seitenwechsel kehrte Koller mit den Einwechslungen von Marc Janko und Alessandro Schöpf für Prödl und Stefan Ilsanker wieder zu seiner gewohnten 4-2-3-1-Formation zurück - und plötzlich war alles anders. Die Österreicher entwickelten viel Druck, ihr Spiel wirkte wieder durchdacht und die Isländer gerieten ins Wanken.

Bei einem Schuss von Alaba rettete Arnason in extremis (47.), wenige Sekunden später blieb dem ÖFB-Team ein Elfer wohl fälschlicherweise versagt, als Skulason im Sechzehner Sabitzer umkegelte. Der überaus starke Schöpf klopfte bei Halldorsson in der 55. Minute erstmals an, fünf Minuten später hatte er Islands Schlussmann schon bezwungen.



Nach Zusammenspiel mit Alaba, der in seiner nun defensiveren Rolle weit besser aufgehoben war, zog der Schalke-Legionär in den Strafraum, ließ mehrere Verteidiger stehen und erzielte mit seinem schwächeren linken Fuß das 1:1. In der 72. Minute hätte Schöpf zum großen Helden werden können, scheiterte aber an Halldorsson. Zwei Minuten zuvor hatte Janko das Ziel knapp verfehlt.

Die Isländer wurden in der 65. Minute bei einem durch ÖFB-Schlussmann Robert Almer parierten Schuss von Gylfi Sigurdsson gefährlich und reklamierten zehn Minuten später vergeblich - und wohl zurecht - einen Hand-Elfmeter von Floran Klein. Die Schlussphase stand dann ganz im Zeichen der Österreicher, mehr als ein von Halldorsson abgewehrter Alaba-Freistoß (80.) schaute aber nicht mehr heraus. Als die Koller-Truppe alles nach vorne warf, sorgte der eingewechselte Traustason wenige Sekunden vor Schluss aus einem Konter für die endgültige Entscheidung.

So blieb es dabei, dass die ÖFB-Auswahl auch im sechsten EM-Spiel keinen Sieg feierte, bei Endrunden seit dem 2:1 gegen die USA bei der WM 1990 ohne Sieg ist und weiter auf das erste K.o.-Spiel bei einem großen Turnier seit 1954 warten muss. Immerhin stieg Schöpf zu zweiten EM-Torschützen in der ÖFB-Geschichte auf - sein Treffer beendete auch eine 402 Spielminuten lange Durststrecke in den jüngsten Länderspielen.

Island - Österreich 2:1 (1:0)
St. Denis/Paris, Stade de France, 65.714 Zuschauer (offiziell), SR Marciniak (POL)

1:0 (18.) Bödvarsson
1:1 (60.) Schöpf
2:1 (94.) Traustason

Island: Halldorsson - Saevarsson, Arnason, R. Sigurdsson, Skulason - Gudmundsson (86. Ingason), Gunnarsson, G. Sigurdsson, B. Bjarnason - Bödvarsson (71. E. Bjarnason), Sigthorsson (80. Traustason)

Österreich: Almer - Prödl (46. Schöpf), Dragovic, Hinteregger - Klein, Baumgartlinger, Ilsanker (46. Janko), Fuchs - Alaba - Sabitzer (78. Jantscher), Arnautovic

Gelbe Karten: Skulason, Sigthorsson, Arnason, Halldorsson bzw. Janko

Die Besten: Arnason, Gudmundsson bzw. Schöpf, Hinteregger

Anm.: Dragovic schoss einen Elfmeter an die Stange (37.).


Die Bilder von Österreichs Abschied bei der EURO 2016:

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Stimmen nach dem EURO-Aus:

Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Wir waren viel zu hektisch und nervös, wir haben mit dem Ball zu wenig Ruhe gehabt. Das war in jedem Spiel so, bis auf heute in der zweiten Hälfte. Natürlich hat die Erfahrung für so ein Turnier gefehlt, die Nervosität war wahrscheinlich zu hoch. Das ist menschlich, wir haben versucht, die Ruhe reinzukriegen. Aber das ist nicht so einfach, wenn 80.000 da sind und man weiß, dass man das Spiel gewinnen will. Aber man kann Erfahrung mitnehmen, da kann jeder davon ungemein profitieren. Es ist vorher viel passiert: Verletzte, andere haben im Club nicht gespielt. Bei so einem Turnier ist das Level extrem hoch, wenn du nicht im Rhythmus bist, du hast keine Zeit. Fußball ist ein Selbstvertrauen-Sport, wenn man Spiele gewinnt, kann man das aufbauen. Wir haben aber eine Phase, wo wir in der anderen Richtung sind, jetzt müssen wir das stoppen. Ich bin überzeugt, dass uns das mit der Erfahrung von diesem Turnier auch gelingt."

Zur Wahl des Elferschützen: "Ich habe gesagt, wer sich besser fühlt, soll dann schießen. Das sind Dinge, die passieren. Das wird den Drago auch stärker machen, wir geben ihm keine Schuld."

Alessandro Schöpf (Torschütze Österreich): "Der Ausgleich ist gar nicht zu spät gekommen, war haben auch danach noch genügend Chancen gehabt. Ich muss das 2:1 machen, dann sind wir weiter. Das tut mir sehr leid. Es war in der ersten Hälfte ein blödes Gegentor, die Isländer sind danach sehr tief gestanden und haben und das Leben schwer gemacht. Wir haben in der ersten Hälfte die Räume nicht gefunden, in der zweiten haben wir das viel besser gemacht."

Zu den Gründen für das Scheitern: "Es war natürlich sehr schwierig, das 0:2 gegen Ungarn zu verdauen. Jetzt sind wir alle enttäuscht."

Christian Fuchs (Kapitän Österreich): "Wir haben alles probiert und hatten genügend Chancen, um das Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden. Das letzte Tor war ein klassischer Konter, da haben wir alles auf eine Karte gesetzt."

Zum Systemwechsel bei Spielbeginn: "Das haben wir ja auch schon in der Vorbereitung eingeübt, da hat man gesehen, dass es funktioniert. Wir haben auch schon in der ersten Hälfte Chancen herausgespielt. Ich möchte nicht dem System Schuld geben. Wir stehen auf dem Platz und müssen die Tore machen, das ist uns während der EM nicht gelungen."

David Alaba (ÖFB-Mittelfeldspieler): "In der ersten Hälfte haben es die Isländer recht gut gemacht, uns früh zu stören, sie waren im Zentrum sehr kompakt. Da haben wir sicher ein bisschen ein Problem gehabt, ins Spiel zu finden. Dann haben wir unser System gewechselt, und dann waren wir die deutlich bessere Mannschaft."

Zum Elfmeter: "Drago ist ein sicherer Schütze, er hat einfach Pech gehabt."

Zu den Gründen für das Scheitern: "An was es gelegen hat, ist schwer zu sagen, unmittelbar nach dem Spiel. Erfahrung spielt sicher eine Rolle. Man hat schon gemerkt, dass es was anders als in der Quali ist, daraus müssen wir alle lernen. Wir haben unsere Ziele nicht erreicht, haben uns mehr gewünscht und haben das nicht umsetzen können. Das ist nicht das Ende unserer Geschichte, das Buch ist noch nicht zu Ende. Das ist ein Kapitel, das bitter ist, uns aber stärker macht."

Aleksandar Dragovic (ÖFB-Verteidiger, vergab Elfmeter): "David ist zu mir gekommen und hat gefragt, wie ich mich fühle. Normal soll der Gefoulte nicht schießen. Ich habe mich gut gefühlt. Es tut mir leid für die Mannschaft, aber es haben leider auch schon andere große Spieler verschossen mit Cristiano (Ronaldo) oder Ramos gestern. Natürlich wollte ich ihn machen. Jetzt bin ich halt der Buhmann, da muss ich auch damit leben. Das gehört zum Fußball dazu."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Natürlich haben wir das Ziel nicht erreicht. Schade, es wäre absolut möglich gewesen. Grundstein beim Ungarn-Match gelegt, heute hat uns auch ein bisschen das Glück gefehlt. Wir haben es nicht ganz geschafft, aber wir können uns mit Anstand verabschieden. Keine Zweifel, der Kurs mit Marcel Koller und seinem gesamten Betreuerstab steht fest. Die WM-Quali wollen wir wieder schaffen."

Jon Bödvarsson (Torschütze Island): "Wir sind überglücklich, das ist der größte Fußballmoment für Island. Die Führung zu schießen, war wirklich wichtig. Wir haben sie dann sehr gut verteidigt, vielleicht sind wir ein bisschen zu weit nach hinten gerückt. Wir haben ihnen ein bisschen viel Räume gegeben."

Heimir Hallgrimsson (Teamchef Island): "Ich glaube, wir werden den Nationalfeiertag jetzt vom 17. Juni auf den heutigen Tag umlegen. Was diese Mannschaft hier geleistet hat, ist unglaublich."


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