Alaba braucht eine Strategie für schlechte Zeiten

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Man kam auch nach dem Portugal-Spiel nicht um den Eindruck umhin, dass sich Österreichs Teamspieler von der heimischen Medienlandschaft ungerecht behandelt fühlen.

Vielleicht sollte der eine oder andere einmal den Blick über den Tellerrand wagen, wie die rot-weiß-roten Leistungen von der ausländischen Journaille wahrgenommen werden.

Unkritisch geht anders.

Stellvertretend sei die Verwunderung der französischen Sportbibel L’Equipe zitiert: „Man tut sich schwer zu verstehen, wie diese Mannschaft die Qualifikation fast perfekt überstanden hat.“

"Alaba im Bermudadreieck"

Im Zentrum der Kritik, national wie international, steht nach dem Portugal-Spiel mit David Alaba der Superstar himself.

„Le Journal du Dimanche“ schreibt etwa: „Seitdem Pep Guardiola Trainer von Bayern München wurde, wurde Alaba nach dem zentralen Mittelfeld auch als Innenverteidiger eingesetzt. Gestern wurde er quasi auf der Zehn positioniert, ein Bermudadreieck, in dem sein Talent total verschwunden ist.“

Gut, so schlimm ist es auch wieder nicht, aber nach dem Schlusspfiff musste man dem einen oder anderen ausländischen Journalisten, der Alaba überwiegend als Abwehrkraft der Bayern kennt, durchaus versichern, dass der 23-Jährige die Rolle im Mittelfeld-Zentrum – egal ob defensiver oder offensiver positioniert – sehr wohl ausüben kann.

Das wissen wir alle. Dass nach seinen beiden EM-Auftritten ein anderer Eindruck entstehen kann, ist jedoch verständlich. Werbung in eigener Sache im Hinblick auf eine Bayern-Zukunft im Mittelfeld-Zentrum betrieb er bislang bestimmt nicht – und das ist durchaus ein persönliches Ziel bei dieser EM.

Ich persönlich glaube aber nicht, dass der Positions-Switch das Hauptproblem ist. Es gibt kaum vielseitigere Spieler auf diesem Niveau. Natürlich ist es nicht ideal, aber dass er die ständigen Wechsel hinbekommen kann, hat er schon oft genug bewiesen.

Und außerdem: Egal auf welcher Position, solche Fehlpass-Orgien mit einer nur knapp positiven Passquote sind so oder so nicht Alaba-like.

Für mich geht es in der Ursachenforschung eher in Richtung Kopffrage. Julian Baumgartlinger hat in seiner Verteidigung von Alaba einen interessanten Satz von sich gegeben – eine Botschaft, die man dem Ausnahmekönner mannschaftsintern offenbar zukommen lässt, um ihm den Druck zu nehmen: „Junge, du brauchst nicht alles zerreißen.“



Alaba weiß natürlich, dass er der beste Kicker dieser Mannschaft ist. Man kann sich genau vorstellen, wie sich der Ehrgeizling die Last, für Österreich bei der EURO Besonderes leisten zu wollen, auf seine Schultern legt. Vielleicht hatte er auch irgendwo im Hinterkopf, eine prägende Figur dieses Turniers zu werden, wer weiß – warum auch nicht?

Das ehrt ihn, die bisherige Erkenntnis lautet jedoch: Die Basics täten es auch.

Alaba auf die Bank zu setzen ist absurd

Koller bewies gegen Portugal, dass das Leistungsprinzip auch für die Ikone der ÖFB-Elf gelten muss und holte seinen Superstar früher, als diesem lieb war, vom Feld.

Dass nun jedoch Stimmen laut werden, ob Alaba gegen Island nicht besser auf der Bank Platz nehmen sollte, ist absurd. Bei einem Spieler dieser Qualität kann es ganz schnell wieder in die andere Richtung gehen, und dieser potenziellen Stärke darf sich Österreich keinesfalls berauben. Zumal es ja trotz Unform nicht so ist, dass der Wiener keine Chancen vorfindet, allen voran seinen Stangen-Schuss gegen Ungarn.

Der Abonnent auf den Titel des Fußballers des Jahres in Österreich sollte jedoch, egal wie das Turnier für ihn noch verläuft, wertvolle Erkenntnisse für sich und seine weitere Karriere generieren.

Eine davon lautet, dass es nicht schadet, sich auch für schlechte Zeiten eine Strategie zurechtzulegen. Gute Zeiten erlebt man als unverzichtbare Stammkraft des FC Bayern beinahe automatisch inflationär mit.

Kommentarlos durch die Mixed Zone

Hier in Frankreich vermittelt Alaba den Eindruck, viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Sich als Reaktion darauf offenkundig einzuigeln, ist jedenfalls keine kluge Strategie, sondern wirft viel mehr Fragen auf, als wenn man sie gleich selbst beantwortet.

Beispiel: Nach dem Ungarn-Spiel musste man ihn zu zwei harmlosen Statements mehr oder weniger überreden, nach Portugal schlich er kommentarlos durch die Mixed Zone.

Nicht dass Alaba ansonsten das Frage- und Antwort-Spiel lieben würde, aber wenn man ein Führungsspieler sein möchte, ein Kicker, der vorangeht, dann sollte man sich bei allem Verständnis für den Anzipf, den diese eineinhalbminütige Tortur mit sich bringt, gerade in Zeiten eines Tiefs stellen – und wenn‘s nur ist, um nicht eine weitere Angriffsfläche zu bieten.

Kein Drama, Alaba ist erst 23 – und ein Verbot, weiter dazuzulernen, gibt es in keinem Alter. Vielleicht tut es auch gut zu sehen, dass er doch kein rot-weiß-roter Fußball-Außerirdischer ist, sondern einfach „nur“ ein begnadeter Kicker mit ganz menschlich schlechten Tagen.

Aber die richtigen Rückschlüsse aus dieser EURO sollte er so oder so ziehen, und zwar dringend. Dann kann dies mittelfristig auch dem Nationalteam nur helfen.


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