Das Image der Engländer

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Fast alle großen Tageszeitungen des Kontinents haben Bilder der Ausschreitungen von Marseille am Cover. Reflexartig wird mit dem Finger auf die englischen Fans gezeigt. Eine Fehleinschätzung.

Freilich sind einige der Herrschaften von der Insel keine Waisenkinder und körperlichen Auseinandersetzungen alles andere als abgeneigt. Das wahre Problem hat sich aber weit in den Osten verlagert. Nicht zum ersten Mal sind es russische Hooligans, die für Troubles sorgen. Dass trotzdem schon wieder die Engländer beteiligt sind, liegt am Image, das sich deren Radaubrüder über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben. Jede gewaltbereite Gruppierung in Europa will sich unbedingt gegen die berüchtigten englischen Hools beweisen. Also wird so lange provoziert, bis es kracht. Wobei die alkoholgeschwängerte Stimmung, die sich an Spieltagen aufbaut, ihr Übriges dazu beiträgt.

Die Qualität der Gewalt, die von den russischen Hooligans ausgeht, nimmt indes bedenkliche Ausmaße an. Das ist kein betrunkener Pöbel, das sind durchtrainierte „Maschinen“ mit Kampfsportausbildung. Auf den zahlreichen Videos, die am Samstag aus Marseille zu sehen waren, erkennt man deutlich, dass einige MMA-Freaks aus dem Osten die französischen Straßen genutzt haben, um ihre Fähigkeiten auszutesten.

Hinzu kommt, dass auch einige französische Fangruppierungen in Marseille – und Berichten zufolge auch bei den Zwischenfällen in Nizza vor dem Spiel Polen gegen Nordirland – kräftig mitmischen. Frei nach dem Motto „Wo die Fans von der Insel sind, ist etwas los“, sucht alles, was gewaltbereit ist, sein Abenteuer im Umfeld dieser Spiele.

Dass die – größtenteils friedlichen – England-Fans aus dieser Nummer wieder rauskommen, ist unwahrscheinlich. Dass die meisten russischen Anhänger auch nichts anderes wollen, als ein Fußballfest zu feiern, soll an dieser Stelle freilich ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Was leider bleibt, sind schreckliche Bilder, die im Fußball nichts verloren haben.


Die Presseschau zu den Ausschreitungen:


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