Finanzprobleme in Salzburg: Ausgleich als Ausweg

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Die Situation um Austria Salzburg wird immer angespannter.

Während man sich sportlich zuletzt mit einem Sieg in Kapfenberg einem Nicht-Abstiegsplatz genähert hat, überwiegen die Negativ-Schlagzeilen wirtschaftlicher Natur.

1,2 Millionen Euro Schulden werden kolportiert, um 300.000 Euro hat man das sportliche Budget überzogen. Das kam bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Samstag ans Tageslicht. Schon davor nahmen zwei Vorstände aufgrund der hohen Stadion-Kosten in Maxglan ihren Hut.

Spielen kann man dort nicht, jedenfalls keine Partien der Marke "Risikospiel", weshalb man zum Nachtrag gegen den LASK in Wien-Floridsdorf (Dienstag, ab 18:30 Uhr im LAOLA1-Ticker) antreten muss.

Fredy Scheucher, Geschäftsführer von Sponsor "MyPhone", ist bereits seit Jänner im Vorstand des Vereins und seit Ende Juni auch als geschäftsführender Vorstand tätig.

LAOLA1 erklärt die wichtigsten Fragen und hat Scheucher damit konfrontiert. Er spricht über das schwierige Verhältnis zu Sportchef Stöger, unverhältnismäßige Entscheidungen seitens der Behörden und einen möglichen Zwangsausgleich.

"Es ist schade, dass man solche Spiele im Stadion des FAC austragen muss, das von den Sicherheitsstandards nicht einmal annähernd dem entspricht, was wir hier in Salzburg haben."

WARUM SPIELT AUSTRIA SALZBURG GEGEN DEN LASK IN WIEN?

Es ist alles eine Frage des Risikos. Laut Behörden in Salzburg sind Spiele der Violetten gegen den LASK und den FC Wacker Innsbruck Risikospiele und erfordern erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Die sind sowohl in der eigentlichen Heimstätte, dem MyPhone-Austria-Stadion, als auch in der ursprünglich auserwählten Ausweichspielstätte in Schwanenstadt nicht umsetzbar. In Wien-Floridsdorf allerdings schon, weshalb man nun den Nachtrag aus Runde 15 sowie die "Heim"partien gegen LASK und Wacker im Frühjahr im 21. Wiener Gemeindebezirk austragen wird. Für Scheucher ist diese Lösung nicht ganz nachvollziehbar. "Es ist schade, dass man solche Spiele im Stadion des FAC austragen muss, das von den Sicherheitsstandards nicht einmal annähernd dem entspricht, was wir hier in Salzburg haben. Die Behörden bzw. die Exekutive geben vor, was ein Risikospiel ist und ob man sich ein solches zutraut. Das ist in Salzburg nicht der Fall. Vom Gefühl her beurteilen die Behörden in den Ländern unterschiedlich. Deshalb müssen wir 340 Kilometer weit fahren, um ein Spiel in einem Stadion auszutragen, das bei weitem nicht so gut beinander ist, wie das MyPhone-Austria-Stadion." Die Gefahr von Ausschreitungen am Dienstag sieht Scheucher aber nicht: "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass etwas passiert. Ich kann mich noch gut an das Spiel auf der Gugl erinnern, das war ein Fußballfest und völlig stressfrei."

"Es gibt einen Plan, den wir am Mittwoch öffentlich mitteilen werden."

WIE GEHT DER VEREIN MIT 1,2 MIO. EURO SCHULDEN UM?

Es sind alarmierende Zahlen, die seit der außerordentlichen Mitgliederversammlung an die Öffentlichkeit dringen. Laut "Salzburger Nachrichten" hat man einen Schuldenberg von 1,2 Millionen Euro angehäuft. Die Baukosten des Stadions seien auf 2,4 Millionen gestiegen, weshalb man abzüglich der Förderungen des Landes Salzburg (1,05 Mio.) und des Fonds "Heimat für die Austria" (240.000,-) noch 1,124 Millionen zu begleichen hat. Dazu wurde das Sportbudget - hochgerechnet auf die gesamte Saison - um 300.000 Euro überschritten (siehe unten). Wie will der Verein diese Last bewältigen? "Es gibt einen Plan, den wir am Mittwoch öffentlich mitteilen werden. Wir arbeiten da an verschiedenen Bereichen. Es gibt noch Kleinigkeiten zu klären", erklärt Scheucher. Der Spielbetrieb, so versichert er, sei aber "Stand heute" für die restliche Spielzeit nicht in Gefahr. Im Raum steht allerdings ein 20-prozentiger Zwangsausgleich über zwei Jahre. Hier gebe es noch Details zu klären. Dieser hätte aber einen Zwangsabstieg aus der Ersten Liga zu Folge. So steht es im Lizenzierungshandbuch der Bundesliga.

"Das Verhältnis zwischen mir und Gerhard ist gespannt. Schon seit einigen Wochen oder Monaten."

WARUM WURDE DAS SPORTBUDGET UM 300.000 € ÜBERSCHRITTEN?

Neben den Stadionkosten überrascht vor allem das klar überschrittene sportliche Budget. Hochgerechnet auf die gesamte Saison handelt es sich um 300.000 Euro, die man über dem Plan liegt. Aus diesem Grund steht Sportchef Gerhard Stöger stark in der Kritik. "Wir haben einen 28-Mann-Kader und ich denke, er hat ein paar Kosten ein Stück weit überschätzt. Die Summe ist noch reparabel, wenn wir über den Winter etwas tun. Wie sie im Einzelnen zustande gekommen ist, möchte ich nicht öffentlich dokumentieren", meint Scheucher. Warum? "Das Verhältnis zwischen mir und Gerhard ist gespannt. Schon seit einigen Wochen oder Monaten, eben auch aufgrund dieser Tatsache." Eine knappe Mehrheit der Mitglieder stimmte am Samstag für eine Absetzung Stögers. Darüber entscheiden muss der Vorstand. "Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und das gemeinsam diskutieren", heißt es vom geschäftsführenden Vorstandsmitglied. Mit einer Entscheidung ist wohl erst nächste Woche nach den Spielen gegen den LASK und St. Pölten zu rechnen.

"Wir sollten im Laufe dieser Woche eine Entscheidung bekommen."

WAS DROHT SEITENS DER BUNDESLIGA?

Neben dem Geisterspiel gegen Wacker Innsbruck wurde bereits eine Strafe in Höhe von 20.000 Euro verhängt, da man bis 28. September kein unbeschränkt zugelassenes Stadion vorweisen konnte. Derzeit läuft aber noch ein Verfahren beim Senat 5 weil man das Spiel gegen den LASK verschieben bzw. nach Wien verlegen musste. "Was da auf uns zukommt oder ob noch etwas auf uns zukommt, wird man in den nächsten Tagen sehen. Wir sollten im Laufe dieser Woche eine Entscheidung bekommen. Ich denke, dass das nach dem LASK-Spiel der Fall sein wird", so Scheucher. Die Liga lässt sich bezüglich des Strafmaßes nicht in die Karten blicken und verweist auf den unabhängigen Senat 5.

"Ich habe die Dinge nicht verursacht, deswegen gehe ich unvoreingenommen an Themen heran."

WIE NIMMT MAN DIE KRITIK DER FANS AUF?

"Alle Schuldigen werden bezahlen", teilten die Fangruppen der Austria zuletzt via Transparent mit. Der Ärger ist groß beim violetten Anhang in Salzburg. "Es ist das gute Recht der Fans, dass sie ihren Unmut äußern. Wie es passiert, ist eine andere Sache", sagt Scheucher. Ein Verein, bei dem die Fans eine derart große Rolle spielen, könne ihre Stimme nicht ignorieren. "Wir müssen dementsprechende Maßnahmen setzen, um gewisse Dinge aus der Welt zu schaffen", meint der Geschäftsführer von Sponsor "MyPhone". Probleme mit den Fans habe er nicht. "Ich habe die Dinge nicht verursacht, deswegen gehe ich unvoreingenommen an Themen heran. Man verbindet keine Probleme mit mir, weil ich nur versuche, sie in Ordnung zu bringen", erklärt Scheucher, der allerdings bereits seit Jänner im Vorstand ist. Im Juni wurde er damit beauftragt, die die damalige Doppelspitze von Obmann Walter Windischbauer und Sportchef Stöger als geschäftsführender Sportchef zu unterstützen. Im August trat Windischbauer aus gesundheitlichen Gründen zurück. Bei der Mitgliederversammlung war er nicht anwesend. Auch er ist ein Reizthema. "Was das Thema Walter Windischbauer angeht, werden Sie von mir nichts hören", so Scheucher. Überrascht habe ihn sein Fernbleiben nicht.

 

Andreas Terler

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