"Wir vertrauen auf die Vernunft der Fans"

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Zum dritten Mal in dieser Saison stehen sich Austria Salzburg und der FC Wacker Innsbruck gegenüber, zum dritten Mal bereiten sich die Behörden und Vereine auf ein Hochrisikospiel vor.

Nach dem Geisterspiel in Schwanenstadt und dem Duell am Innsbrucker Tivoli kommt es am Freitag (18:30 Uhr im LIVE-Ticker) zum Aufeinandertreffen am FAC-Platz in Wien. Rund 320 Kilometer von der Salzburger Heimat entfernt muss das nominelle Heimspiel ausgetragen werden.

Die Gründe sind bekannt, das Stadion von Maxglan entspricht nicht den Sicherheitsansprüchen. Doch wie sicher kann ein Spiel sein, bei dem die verfeindeten Fanlager die gleiche Anreise antreten müssen? LAOLA1 hat bei den Sicherheitsbeauftragten der Vereine nachgefragt.

Stetiger Austausch zwischen den Vereinen

Was zwischen den Anhängern beider Vereine undenkbar ist, funktioniert auf Funktionärsebene sehr gut, wie Maximilian Laimer, Infrastruktur- und Sicherheitsbeauftragter von Wacker, bestätigt: „Wir wollen natürlich, dass unsere Fans den bestmöglichen Weg zum Stadion finden und alles ruhig abläuft. Die Kooperation zwischen den beiden Vereinen ist daher sehr wichtig.“

„Wir haben bereits vor drei Wochen Gespräche in Wien mit den Behörden und dem Innenministerium gehabt, wo Konzepte ausgearbeitet wurden, um das Spiel reibungslos über die Bühne zu bekommen“, weist Florian Trummer, Sicherheitschef bei Austria Salzburg, auch auf die Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen hin.

Rund 50-60 Ordner werden am Spieltag im Einsatz sein, das Polizei-Aufgebot dürfte in etwa jenem entsprechen, welches beim Spiel zwischen der Austria und LASK im Herbst im Einsatz war.

Lange Rivalität

Die Gründe für die Verfeindung beider Lager liegen bereits viele Jahre zurück. Zu Beginn der Gruppierungen gab es sogar noch eine Fan-Freundschaft zwischen Violett-Weiß und Schwarz-Grün, man sah sich als Allianz des Westens gegen die Großmächte aus Wien.

Foto: © GEPA

Die Freundschaft endete jedoch jäh, als einige Tiroler Unterstützer bei einem Auswärtsspiel in Salzburg unliebsame Bekanntschaft mit den dortigen Fans machten. Es folgten ständige Anfeindungen.

Beim letzten Aufeinandertreffen zündeten beispielsweise die Tiroler Anhänger ein Stoffschwein mit Austria-Salzburg-Schal an.

Zwei Straßen, zwei Fanlager

Um die beiden Fangruppierungen am FAC-Platz auseinanderzuhalten bedarf es ebenfalls einer gründlichen Planung. „Es gibt dort beim Stadion zwei Straßen. Der eine Straßenzug ist zum Parken und zur Anreise für Austria Salzburg reserviert, der andere für Innsbruck. Durch diese Trennung kann man einiges an Risikopotential abmildern“, erklärt Trummer.

Im Stadion selbst werden zusätzlich noch Zäune aufgestellt werden, um ein Spiel ohne Zwischenfälle zu ermöglichen.

Doch den Weg vom Westen des Landes in die Bundeshauptstadt müssen beide Seiten antreten, viele Fans werden dabei die Zugverbindung nützen. Wie kann man dort ein Aufeinandertreffen verhindern?


„Wir haben den Vorteil, dass die Wacker-Innsbruck-Fans nur auf ein Unternehmen angewiesen sind, die ÖBB. Den Austria-Salzburg-Fans bietet sich zusätzlich die Möglichkeit der Westbahn“, hofft Trummer auf Trennung im Zug. „Sollte es wider erwarten doch auf ein Aufeinandertreffen kommen, vertrauen beide Vereine primär auf die Vernunft der Fans bzw. im möglichen Ernstfall auf die Exekutive.“

Kommt es im Zug oder am Bahnhof zu Ausschreitungen, müssen die Vereine jedoch keine Konsequenzen befürchten.

Dank an den FAC

Bei all den Bedenken im Vorfeld des Spiels vergisst man auf Seiten der Salzburger auch nicht, dem Floridsdorfer AC für die zur Verfügung gestellte Heimstätte zu danken: „Wir sind sehr dankbar, dass wir vom FAC die Möglichkeit bekommen haben, hier zu spielen. Das wissen auch die Fans und deswegen wollen wir diese Dankbarkeit mit dem entsprechenden Verhalten wiederspiegeln.“


Grundsätzlich suchten beide Vereine das intensive Gespräch mit den Fangruppen. „Wir stehen immer wieder im Kontakt. Es ist ja auch nicht unser erstes Westderby. Vor kurzem ist beispielsweise ein Mail an alle vier Fanklubs rausgegangen über die besten Zugverbindungen. Der Austausch ist jedenfalls sehr positiv zu bewerten“, so Laimer.

Allein aus Innsbruck werden rund 350 Fans erwartet.

Angst vor dritter Partei?

Nicht wenige neutrale Beobachter dieses Duells warnten bereits bei Bekanntwerden des Spielorts, das sich auch noch Fans anderer Klubs einmischen könnten.

„Wenn man in einer Stadt spielt, wo mehrere Klubs zuhause sind, können mehrere Parteien auftreten, das ist uns bewusst. Natürlich wird das im Gesamtkonzept berücksichtigt, aber große Angst besteht nicht. Unterschätzen darf man es aber nie“, so Trummer.

Zumal auch mit zwei Parteien schon genug Aufwand für ein Fußballspiel betrieben werden muss. „Es ist schon fraglich, wenn man diese ganzen Bedenken wieder auf ein Neues aufrollen muss“, meint auch Laimer.

Man kann nur hoffen, dass nach diesem Spiel der sportliche Aspekt in den Schlagzeilen steht.


Julian Saxer

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