Pasching statt Linz: Der LASK ist auswärts daheim

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"Wo spielen sie heute?"

Eine an und für sich simpel zu beantwortende Frage ist in dieser Saison der Ersten Liga nicht immer so einfach zu klären. Wohl noch nie trugen so viele Vereine ihre Heimspiele in mehreren Stadien aus.

"Tabellenführer" in dieser Hinsicht ist Aufsteiger Austria Salzburg, der am Ende dieser Spielzeit zumindest in vier Stadien gespielt haben wird. Und das hat nicht nur mit den gestiegenen, infrastrukturellen Anforderungen zu tun.

Nach Schwanenstadt, Salzburg-Maxglan und Wien-Floridsdorf (!) könnten die Violetten vor ihrem Abstieg noch ihr Heimspiel gegen den LASK in St. Pölten austragen.

Aber eben nicht nur die Salzburger sind in dieser Saison in mehr als einer Heimstätte aufgelaufen.

Vier Saisonduelle an vier verschiedenen Orten?

Der FAC hat etwa am zweiten Spieltag im Happel-Stadion vor 1.700 Besuchern gegen Wacker 1:5 verloren, Liefering wich von Grödig zwei Mal nach Wals-Siezenheim aus – jeweils gegen Austria Salzburg.

Am Dienstag gastieren die Lieferinger beim LASK in Pasching (18:30 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker). Der Linzer Athletik Sportklub wird 2015/16 zum sechsten Mal ein Heimspiel im Vorort der Landeshauptstadt austragen.

Kurios: Dieses Duell könnte am Ende an vier verschiedenen Schauplätzen stattgefunden haben, nachdem der LASK im Herbst im Linzer Stadion 1:2 verlor, in Grödig 0:4, nun in Pasching einen neuen Versuch wagt und am letzten Spieltag vielleicht in der Red-Bull-Arena die Rückkehr ins Oberhaus feiert.

Ein Liefering-Sprecher hält aber dagegen: „Das kann ich mir nicht vorstellen, denn nur die Spiele gegen Austria Salzburg waren dafür vorgesehen.“ Seitens der Bundesliga ist Grödig auch bereits als offizieller Austragungsort für diese Partie festgehalten.



Austria Salzburg, der FAC, Liefering haben bzw. hatten alle bekannte Gründe, warum sie für ein oder mehrere Spiele woanders spiel(t)en. Aber warum spielt der LASK eigentlich so oft in Pasching?

Unter anderem wegen Al Bano und Romina Power sowie Semino Rossi. Oder auch einem Schi-Basar. Klingt komisch, ist aber so.

Denn Veranstaltungen in der benachbarten tips-Arena, 2010 ein Schauplatz der Handball-EM und direkt am Stadion angeschlossen, machen ein „Doppel“ nur auf dem Papier möglich.

Unter anderem weil dafür Parkplätze aufgegeben werden müssen und auch VIP-Räumlichkeiten nicht zur Verfügung stehen.

Deswegen spielt(e) der LASK in Pasching:

Datum Veranstaltung in Linz Gegner in Pasching Ergebnis
20.10.15 Generali Ladies Linz Lustenau 2:1
06.11.15 Schi-Basar Kapfenberg 4:2
27.11.15 Futsal-Turnier FAC 4:0
11.03.15 Semino Rossi Klagenfurt 2:1
01.04.15 Marathon-Expo St. Pölten 2:0
12.04.15 Al Bano & Romina Power Liefering 1:0
22.04.15 Street Food Festival Wr. Neustadt 2:1

Der LASK reißt sich aber natürlich auch nicht sonderlich darum, jedes Spiel im Stadion der Stadt Linz zu spielen.

Das hat einen triftigen Grund – und der hat nichts mit den Spielern zu tun, die lieber im engeren Waldstadion auflaufen und dort in dieser Saison bislang alle ihre fünf Spiele gewonnen haben.

Wie der Name schon sagt, gehört das Stadion der Stadt und die Kosten für ein dort abgehaltenes Spiel belaufen sich für den Verein auf mehr als 30.000 Euro, wie LAOLA1 aus Linzer Insider-Kreisen vernommen hat.

Zum Vergleich: In Pasching soll die Spiel-Durchführung Kosten von maximal 10.000 Euro verursachen.

Der LASK ist bereits auswärts zu Hause. Die Linzer und ihr Amateur-Team trainieren in Pasching, sogar die Geschäftsstelle befindet sich dort. Der Klub hat eine Paschinger Adresse. Und die wird noch länger gelten.



Waldstadion als offizielles Heimstadion

Denn ab kommender Saison ist das Waldstadion endgültig das offizielle Zuhause: Der LASK hat es in den Unterlagen zur Lizenzierung als Heimstätte angegeben. Nach Linz weiche man dann nur noch aus, wie die "OÖN" berichteten. Grund dafür ist eine Änderung der Lizenzbestimmungen.

Denn die Bundesliga hat nach den Erfahrungen mit Austria Salzburg beschlossen, dass ein Team nur noch vier Mal während der Saison in ein kleineres Stadion ausweichen darf.

In ein größeres auszuweichen ist hingegen immer möglich, sofern es Sinn macht und die Liga zustimmt. Sollte der LASK aufsteigen, würden etwa Spiele gegen Rapid, Austria oder Sturm wohl im Linzer Stadion ausgetragen werden.

Rasenheizung muss saniert werden

Aber eben nicht alle Partien. Weil wiederum Veranstaltungen in der tips-Arena ein „Doppel“ unmöglich machen werden. Etwa findet im Herbst 2016 die Karate-WM statt, dazu wird Star-Koch Steffen Henssler auftischen.

Der LASK wird die Lizenz nur mit Auflagen bekommen, weil bei einem etwaigen Aufstieg die verpflichtende Rasenheizung, die es in Pasching gibt, wieder auf Vordermann gebracht werden muss. Hinzu kommen weitere Anforderungen, die das Oberhaus mit sich bringt.

Diese Kosten nimmt der LASK in Kauf, weil den Schwarz-Weißen die Gugl eben ein Vielfaches mehr kostet. Auch wenn es Gespräche hinsichtlich einer Kostenreduktion geben soll, werden die Athletiker Linz vorerst offiziell verlassen und damit wohl auch auf die Subvention der Stadt von 130.000 Euro verzichten müssen.

Verschmerzbar, zumal die Gugl als Fußball-Standort jeglichen Charme vermissen lässt. Dieses Stadion kann getrost auch als Millionengrab bezeichnet werden.

Unglaubliche 32 Millionen Euro (so die offizielle Zahl) wurden in die Sanierung (bis 2012) gesteckt, im selben Jahr fand das zehnte (und sehr wahrscheinlich letzte) ÖFB-Länderspiel auf der Gugl statt. 



Das 0:3 gegen die Elfenbeinküste zeigte auf, wie ungeeignet das Stadion für Fußball-Spiele ist. Keine Länderspiel-Atmosphäre in der Koller-Ära war wohl trister als jene an diesem November-Abend.

Dem wiederum nicht genug: Der ÖFB verlangt für ein Länderspiel 15.500 Sitzplätze. Das Gugl-Oval konnte aber nur 13.880 bieten. Der ursprüngliche Plan, mit einer eigens errichteten Zusatztribüne diese Vorgaben zu erreichen, wurde damals aus Kostengründen wieder verworfen.

Die Stadt Linz überwies lieber 20.000 Euro Ausgleichszahlung an den Verband. Das früher renommierte Gugl-Meeting wurde nach einer Wiederbelebung ("Gugl Games") zu Grabe getragen, nachdem 2014 nur noch 2500 Zuschauer Justin Gatlin und Co. auf die Beine schauten.

Auf den Spuren Rapids

Der Millionen-Flop ist nun nur für Konzerte geeignet (und könnte irgendwann zur teuren Wohngegend umgewidmet werden). Das war in den Jahren vor 2008 nicht wirklich anders, als die Stadt die Chance, ein neues Stadion im Zuge der Heim-EURO zu errichten, verpasste. Nun spielt Austria Klagenfurt im Schnitt vor 1269 Zuschauern in der schönen Arena am Wörthersee.

Die ferne Zukunft des LASK soll sich aber schlussendlich in einem neuen Stadion abspielen, für Trainer und Sportdirektor Oliver Glasner ist dies etwa "überlebenswichtig".

Die neue Landesregierung hat im vergangenen Herbst im Arbeitsübereinkommen eine „Fußballarena Zentralraum“ in ihre Agenda aufgenommen. Sportlandesrat Michael Strugl, ein Helfer von "LASK neu" anno 2013, gilt als erpicht, dieses Projekt in den nächsten sechs Jahren umzusetzen. Seitens des Klubs wurden bereits Schritte gesetzt.

"Wir haben einen professionellen Entwicklungsprozess mit der Firma IFS GmbH gestartet, die auch beim neuen Rapid-Stadion involviert ist. Nach diesem Prozess soll feststehen, wie viele Plätze ein neues Stadion haben müsste, welche Verkehrsinfrastruktur notwendig wäre", wurde LASK-Wirtschafts-Vorstand Siegmund Gruber, der LAOLA1 für ein Gespräch nicht zur Verfügung stand, in den "OÖN" zitiert.

Bis zu einer neuen Heimstätte und dem endgültigen Ende des Linzer Stadion-Tohuwabohus ist es allerdings noch ein weiter Weg. Und der wird seitens des LASK vorwiegend in Pasching gegangen.

 

Bernhard Kastler 


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