"Es scheint, als wäre diese Liga allen wurscht"

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Herbert Prohaska macht sich Sorgen um sein „Baby“.

15 Jahre lang betreute er die Erste Liga als Schirmherr. Die aktuellen Entwicklungen gefallen ihm nicht.

„Das ist zu 100 Prozent der falsche Weg“, kritisiert Prohaska bei LAOLA1 den Beschluss der Vereine, die Richtlinien des Österreicher-Topfs ab nächster Saison aufzuweichen.

„Mit dieser Entscheidung fällt man 15 Jahre zurück. Es werden wieder viele Legionäre, die für wenig Geld spielen, in die Liga kommen. Das Sportliche leidet darunter."

Kritik an Legionärsflut

Wie bereits im Dezember bei der Bundesliga-Hauptversammlung beschlossen, wird der „Österreicher-Topf“ der Ersten Liga jenem der Bundesliga angepasst.

Damit fällt die Jugendregelung, wonach mindestens vier U22-Spieler im Kader und einer davon in der Startelf stehen müssen, weg. Gleichzeitig dürfen die Vereine zukünftig sechs statt drei Legionäre spielen lassen.

 

Infolgedessen befürchtetet Prohaska, dass im Sommer viele mittelmäßige Kicker aus dem Ausland in der Ersten Liga landen werden: "Man braucht sich nur anzusehen, welche Legionäre – mit Ausnahme Salzburgs – bei den Bundesliga-Klubs spielen. Welche ausländischen Spieler werden dann erst die Zweitligisten verpflichten?", fragt der 60-Jährige.

Er gibt sich selbst die Antwort: die "Ladenhüter" der Spieleragenten. "Die Manager werden versuchen, ihre übrig gebliebenen Spieler bei den Vereinen unterzubringen."

„Für die Leute war die Liga total uninteressant“

Prohaska fühlt sich an die Situation Anfang der 2000er-Jahre erinnert. Heimische Talente bekamen damals kaum Chancen auf Einsätze. Stattdessen setzten die Vereine infolge des Bosman-Urteils auf billige Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Genau in dieser Zeit wurde er im Februar 2001 als Schirmherr der Ersten Liga vorgestellt. Mit Prohaska und dem Slogan „Heute für Morgen“ sollte die zweite Spielklasse als Sammelbecken für österreichische Youngsters aufgebaut werden.

"Es haben damals nur mehr irgendwelche Legionäre gespielt. Für die Leute war die Liga total uninteressant."

Prohaska über die Zeit Anfang der 2000er-Jahre

"Es haben damals nur mehr irgendwelche Legionäre gespielt. Für die Leute war die Liga total uninteressant. Mit der Jugendregelung, den Bewerbssponsoren und den Spielen im Fernsehen ist einiges weitergegangen", lobt "Schneckerl" die Entwicklung der letzten Jahre. Das gute Abschneiden der jeweiligen Aufsteiger in der Bundesliga gibt ihm dabei recht.

„Im sportlichen Bereich haben wir sehr viel weitergebracht, leider hat es wirtschaftlich immer wieder Probleme gegeben.“

Finanzielle Engpässe

Diese Probleme prägen die Liga bis heute. Aktuellstes Beispiel ist die Insolvenz von Austria Salzburg. Dazu werden wenige Tage vor Abgabe der Lizenzunterlagen weitere Vereine wie Kapfenberg, Wiener Neustadt und Austria Klagenfurt mit finanziellen Engpässen in Verbindung gebracht.

"Es ist schade, weil es sich dabei auch um Traditionsvereine handelt. Ich hatte gehofft, dass die Liga deswegen Zuschauerzuwächse verzeichnet. Am Anfang hat es danach ausgesehen, aber es hat sich anders entwickelt", so Prohaska.

Weil Österreich ein kleines Land ist, sei es für die Klubs schwierig, potente Sponsoren zu lukrieren. Andererseits vermisst der 84-fache ÖFB-Internationale aber auch die absolute Rückendeckung aller Beteiligten für das Produkt Erste Liga.

Prohaska fordert Schulterschluss für Erste Liga

 

"In Klagenfurt soll Österreichs schönstes Stadion stehen, aber warum gehen dort keine Leute hin?"

Herbert Prohaska

„Man müsste halt einhaken, eine Studie machen und die Leute fragen, warum sie nicht ins Stadion kommen. In Klagenfurt soll Österreichs schönstes Stadion stehen, aber warum gehen dort keine Leute hin? Diese Dinge gilt es zu klären“, fordert der TV-Experte, der von den LAOLA1-Usern zum Besten seines Faches gewählt wurde, verstärkte Marketing-Maßnahmen.

Stattdessen wird jedoch öffentlich immer wieder über eine Abschaffung der zweiten Spielklasse diskutiert. Für den ehemaligen Schirmherr ist dies keine Option. Er hält die Erste Liga für das optimale Sprungbrett zwischen Akademie und Bundesliga.

Ein Sprungbrett, das bei einer 16er-Liga mit zwei Regionalligen ohne adäquaten Ersatz verschwinden würde. Deswegen tritt die Fußball-Legende klar für eine Beibehaltung des aktuellen Formats ein.

Ein Herz für die Erste Liga

Prohaska liegt die Erste Liga also noch immer am Herzen. Auch wenn sein Vertrag als Schirmherr Ende des Jahres 2015 ausgelaufen ist. Die 20 Bundesliga-Vereine sprachen sich mit einer knappen Mehrheit gegen eine Verlängerung der Zusammenarbeit aus.

"Es war eine schöne Zeit. Ich bin nicht nachtragend. Aber mir würde es schon weh tun, wenn es nun sportlich bergab geht", meint der ehemalige Italien-Legionär, der jedem Klub laut eigenen Angaben rund 1.500 Euro im Jahr gekostet hätte.

"Jetzt muss sich eben jemand anders für die Erste Liga einsetzen. Wenn man jedoch sieht, dass die Jugendregelung gekippt wird, scheint es so, als wäre diese Liga allen wurscht. Keiner macht sich Sorgen."

Nur Prohaska gibt sein "Baby" nicht auf. Trotz aller Probleme, die derzeit herumschwirren.

 

Jakob Faber

LAOLA Meins

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