"Gibt einige Gründe, warum man sich das antut"

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Am Freitag verlor Austria Salzburg zum Rückrundenauftakt 1:2 gegen den Namensvetter aus Klagenfurt. Gerald Baumgartner gab dabei sein Debüt an der Seitenlinie.

In der Winterpause wurde der 51-Jährige als sportlicher Leiter und Trainer präsentiert - eine Sisyphos-Aufgabe, stand der Abstieg des Tabellen-Neunten doch schon vor dem ersten Frühjahrs-Spiel fest. 

Eine gute Nachricht gab es am Dienstag: Da haben die Gläubiger über den Sanierungsplan des neuen Vorstands positiv entschieden, damit darf der Salzburger weiterhin seines Amtes in Liga zwei walten.

Bei LAOLA1 spricht der Coach über die dennoch schwierige Situation. Außerdem blickt er auf seine durchwachsene Zeit bei Austria Wien zurück.

 

LAOLA1: Sie sind bei einem Klub sportlicher Leiter und Trainer geworden, dessen Abstieg von vornherein feststand. Etwas provokant gefragt: Warum tun Sie sich das an?

Gerald Baumgartner: Ich bin ein Salzburger und habe bei dem Verein selbst gespielt. Mit meiner Erfahrung und meinem Wissen will ich dem Klub helfen. Ich bin gerade frei als Trainer und kann unvorbelastet an die Aufgabe herangehen. Es gibt also einige Gründe, warum man sich das antut.

LAOLA1: Einst haben Sie selbst für die Austria die Fußballschuhe geschnürt. Wie sehr liegt Ihnen der Verein am Herzen?

Baumgartner: Natürlich ist viel Herzblut dabei. Einige Spieler habe ich schon trainiert, als sie noch Bambinos waren. Ich kenne sie persönlich. Dazu sind wir ein Stadtverein und haben ein riesiges Fanpotenzial. Von dem her ist es schon eine emotionale Sache.


LAOLA1: Der Verein steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Entschuldigen Sie die Frage, aber bekommen Sie für Ihre Arbeit überhaupt Entgelt?

Baumgartner: Gute Frage, das ist gar nicht so abwegig. Aber wir haben alle unsere Gehälter bekommen. Natürlich war das in der Vergangenheit nicht immer pünktlich, aber mittlerweile sollten alle Angestellten, Spieler und Betreuer ihr Geld erhalten haben.

LAOLA1: Wie präsentiert sich die Mannschaft?

Baumgartner: Als sportlicher Leiter hatte ich die Aufgabe, Spieler abzubauen. Dementsprechend hat die Mannschaft an Qualität verloren. Andererseits ziehen im Training alle voll mit. Die Spieler haben eine super Einstellung, eine super Motivation und wollen zeigen, dass sie besser sind, als die Öffentlichkeit es erwartet. Mein Assistent und ich wollen das Beste aus diesem Team herausholen.

LAOLA1: Was sind die Ziele der Austria für das Frühjahr?

Baumgartner: Wir wollen uns auf alle Fälle ordentlich präsentieren und die Spiele gewinnen. Die Mannschaft wurde neu zusammengestellt. Viele Spieler, die im Herbst kaum zum Einsatz kamen, sind jetzt Stammspieler. Diese Kicker können sich nicht nur für den eigenen Verein, sondern auch für höhere Aufgaben präsentieren. Das sollte eigentlich Motivation genug sein.

LAOLA1: Können Sie sich vorstellen, den Verein auch nächste Saison in der Regionalliga zu betreuen?

Baumgartner: Ich habe immer gesagt, dass ich den Klub auch nächste Saison trainieren möchte, wenn die Perspektive da ist. Ziel muss sein, sich auch in der Regionalliga sportlich und wirtschaftlich zu stabilisieren, um in einigen Jahren vielleicht noch einmal den Aufstieg in die Erste Liga in Angriff zu nehmen.

LAOLA1: Nach dem Ende ihres Engagements bei der Austria im März des letzten Jahres waren Sie bis Dezember ohne Job. Wie haben Sie ihre freie Zeit genützt?

Baumgartner: Ich habe einige Hospitationen absolviert, zum Beispiel bei Hannover 96, das ich im Rahmen der Abschlussarbeit des UEFA-Pro-Lizenz-Kurses besucht habe. Dazu kamen noch weitere Klubs, deren Spielphilosophie ich interessant finde. Natürlich habe ich mich auch weiterhin mit dem österreichischen Fußball befasst, nicht nur in den ersten beiden Spielklassen, sondern auch in der Regionalliga.

Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Für die Art, wie ich Fußball spielen lassen will, braucht man eine gewisse Mentalität und die richtigen Spielertypen.

Ex-FAK-Coach Baumgartner

LAOLA1: Ein Blick zurück auf ihre Trainer-Karriere zeigt, dass es sehr schnell sehr steil bergauf gegangen ist. Bei der Austria in Wien hat es dann aber nicht mehr so richtig geklappt. Würden Sie im Nachhinein irgendetwas anders machen?

Baumgartner: Ich habe versucht, das Beste herauszuholen. Wir hatten sehr viele Unentschieden. Das ist uns im Endeffekt auf den Kopf gefallen. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Für die Art, wie ich Fußball spielen lassen will, braucht man eine gewisse Mentalität und die richtigen Spielertypen. Es ist am besten, wenn man sich so eine Mannschaft selbst zusammenstellen kann.

LAOLA1: Bei der Austria wurde Kritik an Ihren Trainingsmethoden laut, weil sie mit Heinrich Bergmüller zusammengearbeitet haben. Scheiterte die Umsetzung Ihrer Spielphilosophie an der konditionellen Arbeit?

Baumgartner: Mit dieser Aussage bin ich nicht ganz einverstanden. Heinrich Bergmüller ist auf seinem Gebiet ein Experte. Einige Trainingseinheiten mehr hätten ein paar Spielern sehr gut getan. Der Fußball ist eine spezielle Sportart, da muss man spezielle Trainingsmethoden anwenden. Ich denke, wir hatten ein sehr gutes Konzept. Es hat zwar nicht funktioniert, aber es hat auch nicht viel gefehlt, dass es funktioniert. Unter meinem Nachfolger Thorsten Fink sind sie jetzt auf einem guten Weg. Ich wünsche ihnen viel Glück.

"Einige Trainingseinheiten mehr hätten ein paar Spielern sehr gut getan."

Baumgartner über seine Zeit in Wien

LAOLA1: Bei Ihrem Amtsantritt kündigten sie an, gerne so wie Jürgen Klopps Borussia Dortmund spielen zu wollen. Stehen Sie noch immer bedinungslos zu Ihrer Spielphilosophie des Angriffs-Pressings?

Baumgartner: Wir wollten das situativ machen. In der Sommer-Vorbereitung ist uns das teilweise sehr gut gelungen, danach in der Meisterschaft weniger gut. Das hatte mit dem Tempo und der Dynamik der Spieler zu tun. Es war richtig, vom Offensiv-Pressing abzurücken und dieses nur situativ zu nutzen. Das hat vor allem gegen Spitzenklubs wie Rapid oder Salzburg gut funktioniert. Gegen Underdogs hat es aber leider nicht geklappt.

LAOLA1: Ist es bei einem großen Klub wie der Austria wichtig, sich regelmäßig im VIP-Klub zu zeigen?

Baumgartner: Das weiß ich nicht. Ich bin eher jemand, der mit beiden Beinen am Boden bleibt und den Ausgleich daheim bei der Familie sucht. Ich steuere den Druck, indem ich mit meiner Lebensgefährtin Sport betreibe. Im VIP-Klub sollte man sich naütrlich das ein oder andere Mal zeigen, aber es gibt Leute, die lieber im Rampenlicht stehen als ich.

LAOLA1: Sie haben zuletzt den UEFA-Pro-Lizenz-Kurs absolviert. Was war das Thema Ihrer Abschlussarbeit?

Baumgartner: Der Titel lautete „Das Anforderungsprofil eines modernen, zukunftsorientierten Fußball-Trainers“. Die Arbeit hat mir bei der Erstellung meines Konzepts für Austria Salzburg sehr geholfen.

LAOLA1: Wie sieht dieses Anforderungsprofil aus?

Baumgarter: Heutzutage muss man sich nach vielen Seiten präsentieren können, nicht nur als Trainer auf dem Fußballplatz. Man muss Strömungen in der Mannschaft steuern, das eigene Betreuerteam bei Laune halten, aber auch mit Fans, Sponsoren oder Medien umgehen können. Bei Austria Wien hat man da natürlich mehr zu tun (grinst). Am geilsten ist es als Trainer, wenn man am Wochenende ein Spiel gewinnt und die Zuschauer jubeln.

LAOLA1: Danke für das Interview.

 

Das Gespräch führte Jakob Faber

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