Khedira und Juve: Liebe auf den zweiten Blick

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Juventus Turin und Sami Khedira – das war keine Liebe auf den ersten Blick.

Der Deutsche kam vergangenen Sommer aus Madrid in den Piemont, hatte zunächst aber Anpassungsschwierigkeiten.

„Er ist noch nicht der wirkliche Krieger aus seinen besten Zeiten“, hatte es zunächst in „Tuttosport“ geheißen. Nach durchwachsenen Leistungen warf man ihm vor, einem Weltmeister dürfen solche Fehler nicht passieren.

Khedira hatte keinen leichten Start

„Khedira ist die konkretisierte Ausgewogenheit. Juventus kann auf ihn nicht verzichten."

Gazzetta dello Sport

Zu allem Überfluss fiel der 28-Jährige aufgrund eines Muskelfaserrisses für zwei Monate aus. Kein optimaler Start in das neue Abenteuer des Deutschen, der Real Madrid nach fünf Jahren den Rücken kehrte.

Da Juventus nur schwer aus den Startlöchern kam und der Konkurrenz früh hinterher lief, war er schnell als einer der Sündenböcke für die sportliche Talfahrt gefunden. Wenige Monate später ist davon nichts mehr zu spüren.

Das Blatt hat sich gewendet

Juve eilt von Erfolg zu Erfolg und hat inzwischen sogar wieder die Tabellenführung in der Serie A übernommen, Khedira ist topfit und wird von den Medien mit Samthandschuhen angefasst und mit Lobeshymnen überhäuft.

„Khedira ist die konkretisierte Ausgewogenheit. Juventus kann auf ihn nicht verzichten“, urteilte die „Gazzetta dello Sport“ Ende Jänner.

In der Tat hat sich der Weltmeister von 2014 gemausert und Schritt für Schritt in die Herzen der Tifosi gespielt. Der gebürtige Stuttgarter ist keiner, der für die Galerie spielt, er ist vielmehr ein Kämpfer, der keinen Ball verloren gibt und als Staubsauger im Mittelfeld für Stabilität sorgt.

Allegri weiß um Khediras Qualitäten

Welchen Unterschied es macht, ob Trainer Massimiliano Allegri auf ihn setzen kann oder eben nicht, zeigt ein Blick auf die Statistik. Vor dem Achtelfinal-Kracher in der Champions League gegen den FC Bayern (LIVE im Ticker ab 20:45 Uhr) hält Khedira bei 16 Pflichtspieleinsätzen. Nicht ein einziges Mal musste er dem Gegner zum Sieg gratulieren.

In der Liga feierte er mit seinen Teamkollegen zwölf Siege, hinzu gesellte sich ein Remis. Auch in der Champions League (ein Sieg, ein Remis) und im Pokal (ein Sieg) ist der 27-Jährige noch unbezwungen.

Kein Wunder, dass „La Stampa“ ihn zum Glücksbringer der Turiner macht. „Khedira ist Juves Talisman“, schrieb das Blatt und liegt damit goldrichtig.

Liebe auf den zweiten Blick

Khedira wird für Juventus immer wichtiger
Foto: © getty

Staubte der italienische Rekordmeister in Spielen ohne den torgefährlichen Mittelfeldspieler (je drei Tore und Assists in der Serie A) lediglich 1,90 Punkte im Schnitt ab, ging dieser in Matches mit seiner Beteiligung rapide nach oben und liegt derzeit bei 2,75 Zählern.

Gegen die Bayern ist ein Mann seiner Klasse ganz besonders gefragt, rollt doch die mit 19 Treffern stärkste Offensive der CL-Gruppenphase auf die Juve-Defensive zu. Allegri setzt daher auf die Qualitäten seines Schützlings. „Ich halte Sami für einen ganz großen Spieler“, lobte er ihn in der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Juve-Fans teilen diese Meinung mit ihrem Coach. Aus der anfänglichen Skepsis gegenüber Khedira ist längst Liebe geworden – wenn auch auf den zweiten Blick.

Christoph Nister

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