CL-Playoff: Zehn Gebote für Red Bull Salzburg

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Der bekannteste Hit der Band Journey heißt "Don't stop believing".

Irgendwie passend für Red Bull Salzburg. Ist es doch bisweilen eine lange Reise ans große Ziel: die Gruppenphase der Champions League.

Es ist bekanntlich der neunte Anlauf, erstmals ins Konzert der Großen zu gelangen.

Zum sechsten Mal steht man nun schon in der letzten Qualifikations-Runde, seit 2009 Playoff genannt.

Und zum dritten Mal duellieren sich die "Bullen" mit dem kroatischen Serien-Meister Dinamo Zagreb. 

LAOLA1 hat zehn Gebote, um diese letzte Hürde erstmals zu nehmen.

  • 1. Setzt auf die Defensive!

Giovanni Trapattoni, Huub Stevens, Roger Schmidt, Adi Hütter und Peter Zeidler. Allesamt haben sie es nicht geschafft. Oscar Garcia ist der sechste Trainer, der es versuchen darf. Der Spanier hat im Winter das Ruder übernommen und im Frühjahr den Fokus auf die Defensive gelegt. Weg vom Hurra-, hin zum Ergebnis-Fußball. Bislang gab der Erfolg dem Spanier auch bei schwachen Leistungen Recht. Bestes Beispiel ist die bisherige CL-Qualifikation: Vier Spiele, vier Siege, vier Mal zu Null. Doch Liepaja und Partizani Tirana waren die schwächsten Teams, die Salzburg gemessen am Koeffizienten zugelost bekommen konnte. Dinamo Zagreb ist nun das stärkste. "Salzburg neu" erfährt seine bislang größte Bewährungsprobe, eine spielstarke Truppe. Hält die Defensive stand und präsentieren sich die "Bullen" kompakt, könnte dies der Schlüssel zum Aufstieg sein. 

  • 2. Seid effizient!

Das Dauerthema seit 2012. Salzburg kommt immer wieder zu Chancen, vergibt sie aber teilweise kläglich. Auf internationaler Ebene ein absolutes No-Go - vor allem in K.o.-Spielen natürlich. Zuletzt in der Liga gegen St. Pölten (Soriano, Lazaro) und Ried (vor allem Gulbrandsen) wurden Chancen noch und nöcher liegengelassen. Vor allem in Zagreb wäre ein Tor freilich von Vorteil. Salzburg hat zum ersten Mal in der letzten CL-Quali-Runde das zweite Spiel zu Hause. "Jedes Tor zählt, vor allem natürlich aber jene, die wir auswärts erzielen", sagt Andreas Ulmer, der die aktuelle Serie (22 Pflichtspiele mit einem Salzburger Torerfolg) gerne ausbauen, aber eben auch nach hinten effizient sein will. "Es geht darum, kompakt zu stehen. Wir haben das schon ein paar Mal ganz gut gemacht, auch im Frühjahr schon. Das müssen wir über 180 Minuten zeigen." Klar ist aber: Früher kam Salzburg zu deutlich mehr Chancen, dieses Mal müssen die wenigen einfach viel effizienter genützt werden.

  • 3. Macht den Gegner nicht stärker, als er ist!

Ja, Dinamo Zagreb weiß, wie es geht, es in die Champions League zu schaffen. Aber die jüngere Vergangenheit zeigt, dass für die Kroaten hier eher der olympische Gedanke galt: dabei sein ist alles. Seit 2010 waren die "Blauen" drei Mal in der königlichen Gruppenphase dabei, verloren bis auf zwei Spiele alle und gewannen nur eines, das überraschenderweise gegen Arsenal zu Hause mit 2:1. Von der damaligen Startelf werden am Dienstag vier Spieler definitiv nicht dabei sein. Marko Pjaca wurde diesen Sommer für nicht weniger als 23 Millionen Euro an Juventus Turin verkauft. Ivo Pinto spielt nun in Norwich City, Jeremy Tavarel in Gent, Arijan Ademi ist wegen Dopings gesperrt und Kapitän Domagoj Antolic war zuletzt verletzt. Arsenal-Star Olivier Giroud flog übrigens bei dieser Partie in Minute 40 vom Platz. Nach dem Sieg folgten fünf Niederlagen, gleich darauf ein 0:5 bei den Bayern. Im Playoff bekam man zuvor den albanischen Meister Skenderbeu Korce zugelost und setzte sich mit einem Gesamtscore von 6:2 durch. Übermächtig ist dieser Gegner sicherlich nicht. Vergangene Woche spielten die Kroatien zudem drei Partien, Salzburg nur zwei. Doch beide Trainer schonten einige Stammkräfte.

 

  • 4. Lasst euch nicht einschüchtern!

Es ist nicht Malmö. Der Hexenkessel hat die Salzburger 2014 und 2015 spürbar beeindruckt. Das Maksimir-Stadion weniger. 2009 gewann Salzburg dort vor 20.000 Zuschauern im Drittrunden-Rückspiel der CL-Quali 2:1, 2014 vor 10.500 Fans die Partie in der EL-Gruppenphase mit 5:1. In jüngerer Vergangenheit protestierten die Fans gegen ihren - vorsichtig formuliert - umstrittenen Ex-Präsidenten Zdravko Mamic. Der wurde Ende 2015 zum zweiten Mal binnen eines Jahres verhaftet. Ihm werden Geldwäsche und Steuerhinterziehung im Umfang von mindestens 78 Millionen Kuna (10,2 Millionen Euro) vorgeworfen. Im Juli davor wurden Mamic und sein Bruder Zoran, der Vorgänger von Trainer und Rapid-Legende Zlatko Kranjcar, festgenommen - beide kamen damals gegen eine Kaution von 1,6 Millionen Euro frei. Zdravko legte seine Ämter offiziell zurück, Zoran trainiert seit Juli Al-Nasr Riad in Saudi-Arabien. Das Vertrauen der Fans ist offenkundig noch nicht zurück. 38.000 Zuschauer fasst das Stadion Maksimir im gleichnamigen Ortsteil der 800.000-Einwohner-Hauptstadt Kroatiens - im Drittrunden-Hinspiel der CL-Quali gegen Dinamo Tiflis kamen mit rund 13.000 Zuschauern die meisten in der Saison, zuletzt am Wochenende gegen Zapresic nur 1691. Die guten Erinnerungen, vor allem an das 5:1, sollten Spieler wie Hinteregger, Ulmer oder Soriano zusätzlich beflügeln. 

  • 5. Spielt mit Selbstvertrauen!

Oscar Garcia sagt: "Wir gehen mit viel Selbstbewusstsein in das Spiel." Das wird interessant zu beobachten sein. Vor allem in den vergangenen Jahren merkte man den Jungspunden im Team immer wieder die Nervosität an, wenn es ums Eingemachte geht. Auch die arrivierteren Spieler zeigten schon Nerven. Dass Jonatan Soriano die Qualität hat, solche Duelle zu entscheiden, steht außer Frage: Der Kapitän war vor allem in dieser Saison in der CL-Quali bislang da, wenn es drauf ankam. Da musste der Spanier gar nicht gut oder auffällig spielen, war aber bis auf einen Treffer an jedem beteiligt. Bislang traf der 30-Jährige in elf CL-Quali-Partien sechs Mal für Salzburg - vier Mal in Hinspielen, zwei Mal in Rückspielen. Das Gerücht, wonach er bei einem CL-Quali-Aus Salzburg verlassen würde, kann der Kapitän am besten mit seinen Toren zerstreuen. Diese Bühne verlangt geradezu nach Spielern, die den Unterschied ausmachen können. Soriano ist so einer. Dabbur wäre so einer. Wanderson kann als Joker so einer sein. Und die Mannschaft weiß mittlerweile, dass sie schwer zu bezwingen ist. Unter Oscar Garcia setzte es in 28 Partien nur zwei Niederlagen - der Katalane hält bei einem Schnitt von 2,43 Punkten pro Partie. Wenn das kein Selbstvertrauen gibt...


RBS-Ergebnisse in letzter CL-Quali-Runde:

Saison

Gegner Ergebnis Hinspiel Ergebnis Rückspiel
2006/07 FC Valencia (ESP) 1:0/h 0:3/a
2007/08 Shakhtar Donetzk (UKR) 1:0/h 1:3/a
2009/10 Maccabi Haifa (ISR) 1:2/h 0:3/a
2010/11 Hapoel Tel Aviv (ISR) 2:3/h 1:1/a
2014/15 Malmö FF (SWE) 2:1/h 0:3/a


6. Nehmt die Außenseiterrolle an!

Zagreb-Trainer Zlatko Kranjcar sagt, die Favoritenrolle liegt jedenfalls "nicht bei Salzburg". Die "Bullen" brauchen sie nicht und können sie ruhig abgeben. Als Favorit hat man sich in solchen Spielen bekanntlich ohnehin nicht leicht getan. Nach acht gescheiterten Versuchen ist es auch verständlich, dass der sportliche Leiter Christoph Freund den Druck von der Mannschaft nimmt, das Thema Champions League zusätzlich auch herunterspielt. Das vom Klub ausgegebene Ziel, nämlich das Erreichen einer Gruppenphase (Europa League ist fix) wurde erreicht. Das Team kann offiziell befreit aufspielen. Dass es aber bei den bekannten Rahmenbedingungen der Anspruch sein muss, es ins Konzert der Großen hineinzuschaffen, liegt natürlich auch auf der Hand. 2014 sagte Ralf Rangnick: "Wir wollen nicht nur in die Champions League hinein, wir wollen dort auch eine Rolle spielen." Wenige Monate nach dem Aus in Malmö sagte er: "Ich glaube, das ist aber nur mein Gefühl, wir werden es erstmals dann schaffen, wenn keiner groß damit rechnet." Das könnte dieses Jahr der Fall sein. 

7. Coacht Zlatko Kranjcar aus!

Bei allem Respekt vor den Leistungen des früheren Rapid-Stürmers: Wer in seiner Vita 20 Stationen in 25 Jahren als Coach stehen hat, gilt nicht gerade als Trainer-Fuchs. Vor allem, wenn sich die Erfolge in Grenzen halten. Im Iran holte der 59-Jährige, der vor Soriano (113) mit 108 Toren in Österreich der erfolgreichste ausländische Goalgetter war, je einmal Titel und Cupsieg, zudem wurde er in Kroatien zwei Mal Meister und zwei Mal Cup-Sieger - der Gewinn dieser vier Trophäen ist allerdings bereits über 15 Jahre her. Kranjcar übernahm Dinamo erst im Sommer, verlor aber keine der neun bisherigen Partien und gewann acht. Am Wochenende hielt er fest: "Ich glaube, dass wir für Salzburg bereit sind." Es ist Oscar Garcias Job, das Gegenteil zu beweisen - ohne die eigene Mannschaft auf den Kopf zu stellen. So wie Hütter/Rangnick in Malmö 2014, als man Martin Hinteregger aus dem Nichts Linksverteidiger spielen ließ und einen damals noch völlig überforderten 19-jährigen Naby Keita im Mittelfeld aufbot. Garcia stellte während dem Drittrunden-Rückspiel gegen Partizani Tirana vom 4-3-3 auf das 4-2-3-1 um. Die richtige Reaktion, denn das behagt der Mannschaft sichtlich mehr. Der Cruyff-Schüler präsentiert sich nun auf seiner bislang größten Bühne. Man darf gespannt sein, wie er sich in den jeweiligen Situationen in Hin- und Rückspiel verhält. Sein Vorteil: Seine bisherigen Leistungsträger sind allesamt nicht verletzt und Wanderson kann als Joker sicherlich eine Waffe sein.

Mögliche Aufstellungen

Dinamo Zagreb - Red Bull Salzburg 
Zagreb, Stadion Maksimir, Dienstag, 20.45 Uhr, SR Tasos Sidiropoulos/GRE

Ersatz Zagreb: Semper - Soldo, Knezevic, Machado, Pavicic, Henriquez, Hodzic, Gojak

Es fehlen: Antolic Pivaric, Sosa (verletzt)

Ersatz Salzburg: Stankovic, Airton - Stangl, Sörensen, Lainer, Samassekou, Wanderson, Minamino, Gulbrandsen

Es fehlen: Rzatkowski (Oberschenkel), Prevljak (Knieverletzung), Miranda (Knöchelverletzung), Hwang (wegen Olympia-Teilnahme), Yabo, Leitgeb (beide Trainingsrückstand), Reyna (nicht im Kader)

8. Lasst euch nicht ablenken!

Niemand braucht ein Tohuwabohu wie einst bei Sadio Mane, der seinen Wechsel erzwingen wollte - und das just vor dem so wichtigen Rückspiel in Malmö 2014. Er fehlte in Schweden, Salzburg musste die Segel streichen. Dieses Mal scheint die Mannschaft keinen im Team zu haben, der abgelenkt scheint. Alle verfolgen das eine Ziel. Vor allem Martin Hinteregger, der den Gerüchten um einen Wechsel zu Leipzig schnell die Nahrung genommen hat. "Ich habe abgelehnt und werde nicht nach Leipzig wechseln", sagte er unlängst der "Krone" und stellte klar: "Ich lasse mich nicht ablenken von irgendwas. Jetzt gibt es die Champions League, das ist das Einzige, worauf ich mich konzentriere." Auch Jonatan Soriano scheint fokussiert. Anders bei den Kroaten: Marko Rog (21) wird nach den Playoffs für 16 Millionen Euro zum SSC Napoli wechseln. Ex-Salzburger Ante Coric (19), der in Österreich Wunderkind genannt wurde und 2013 auf Wunsch der Familie zurück nach Kroatien ging, soll bei ManCity auf dem Wunschzettel stehen. Gut möglich, dass das einen 19-Jährigen zum Nachdenken anregt.

9. Bewahrt die Ruhe!

Ein Spiel dauert 90 Minuten und ein Playoff-Duell zumindest 180. Zumal die zweiten 90 in Salzburg stattfinden, kann man nicht oft genug betonen: ein Gegentor ist nicht das Ende. Lieber mit einer 0:1-Niederlage nach Salzburg fahren, als mit einem 0:2. Vor einem Jahr beging man diesen katastrophalen Fehler, als man bei Dinamo Minsk erfolgreich um das 0:2 bettelte, anstatt das 0:1 hinzunehmen. Im EL-Playoff-Rückspiel in Salzburg schied man dann nach einem 2:0 im Elfmeterschießen aus. Plus: Sollte das Resultat im Hinspiel entsprechen - diese Palette reicht von einer knappen Niederlage bis zu einem klaren Sieg - dann dürfte das in dieser Saison bislang zurückhaltende Fan-Interesse für das "Finale dahoam" einen positiven Turnaround nehmen.

10. Konzentriert euch!

Eigentlich selbstverständlich, aber bei Salzburg nicht immer der Fall. Billige Gegentore zeichnen den Weg der "Bullen" in der CL-Quali-Historie. Vor einem Jahr patzte Paulo Miranda bereits in Runde drei in Malmö, vor zwei Jahren Peter Gulacsi und Franz Schiemer im Playoff zu Hause gegen die Schweden. Letzterer verursachte auch 2010 nach nur 54 Sekunden im Playoff-Hinspiel gegen Hapoel Tel Aviv einen Strafstoß. Ulmer bringt es auf den Punkt: "Wir brauchen zwei sehr gute Tage, höchste Komnzentration in beiden Spielen und vielleicht etwas Glück, dann können wir es schaffen." Don't stop believing.


Ante Coric erinnert sich an alte Zeiten mit Tino Lazaro:

Hahaha legenden foto

Ein von Ante Ćorić (@ante_coric24) gepostetes Foto am



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