Lazaro: "Wir waren zu dumm"

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Nach dem bitteren Aus im Champions-League-Playoff gegen Dinamo Zagreb (1:2 n.V.) findet Salzburgs Valentino Lazaro klare Worte.

„Wir waren halt einfach wieder einmal zu dumm, dass wir das 1:0 die paar Minuten drüberbringen, das muss man ganz klar sagen“, so der Torschütze in seiner ersten Reaktion im ORF.

Der 20-Jährige ließ seinem Frust freien Lauf. „Dann steht es 1:1 und jeder geht in die Verlängerung, als hätten wir schon verloren. Da verstehe ich nicht, wie man so negativ sein kann.“

Die Reaktion des Offensivspielers war nach dieser Art der Niederlage nicht weiter verwunderlich.

Es hätte sein Abend werden können

Schließlich hätte es sein Abend, sein Playoff, sein „Roman-Kienast-Tor“ werden können. Jenes, das zur erstmaligen CL-Teilnahme Red Bull Salzburgs geführt hätte. Noch dazu war es ein Traum-Tor, das auch RB-Boss und Zuschauer Dietrich Mateschitz zum euphorischen Jubel veranlasste.

Ballmitnahme, Sprint, Übersteiger, Abschluss mit links, Tor – er machte genau das, was Fußball-Österreich schon gerne öfter von Lazaro gesehen hätte. Und wie im Hinspiel traf er für Salzburg.

Aber es sollte eben nicht reichen. Es kam einmal mehr anders, Salzburg scheiterte auch im neunten Anlauf. Wie schon 2007 in Donetsk brach die Welt von Red Bull in Minute 87 in Tränen aus.

Damals bedeutete das 1:3 gegen Shakhtar sofort das Aus, dieses Mal reichte es zur erstmaligen Verlängerung im CL-Playoff.

Negativität nicht nachvollziehbar

Doch das 1:1 war der Knackpunkt. Für Lazaro nicht nachvollziehbar.

„Dann hast du ein 1:1 und jeder geht in die Verlängerung, als hätte man schon verloren, als wäre nichts mehr zu reißen und jeder ist nur mehr negativ. Die Situation ist ja zu dem Zeitpunkt 50:50. Wir spielen auch noch zu Hause, da verstehe ich nicht, wie man dann so negativ sein kann.“

Es war nicht das einzige, weswegen der Steirer den Kopf schütteln musste. Hier ein paar Auszüge: 

"Dass man es einfach nicht schafft, hinten dicht zu machen, da fehlen einem die Worte."

"Dinamo hatte schon eine Druckphase vor dem Tor, da waren wir etwas eingeschüchtert und haben es einfach falsch probiert, das Ergebnis drüber zu bekommen. Ich glaube nicht, dass man ein Ergebnis über die Zeit bekommt, in dem man den Gegner einfach kommen, Flanken schlagen lässt und so probiert zu verteidigen. Direkt nach dem Gegentreffer haben wir wieder den Ball bekommen und gespielt. Hätten wir das die ganze Zeit so gemacht, hätten wir es wohl geschafft."

"Wir hätten viel mehr Tore machen müssen. Hinzu kommt ein komplett schwindliger Schiedsrichter, der einen klaren Elfer nicht geben kann oder will. Ich weiß es nicht."

"Vielleicht haben viele im Kopf, dass es ein (CL-)Fluch ist und waren deswegen gehemmt. Ich habe keine Ahnung. Es hilft nichts drüber reden, wir sind draußen."

"Heute ist alles scheiße. Aber in Deutschland, England und in anderen Ligen wird um Europa-League-Startplätze bis zum Schluss gekämpft, wir in Österreich glauben, wir sind zu gut dafür und jammern, wenn wir in der Europa League sind. Das geht auch nicht. Wir werden dort alles geben."

Erinnerung an 2015

Am Mittwoch überwog aber freilich noch der Frust bei Lazaro. Seine Aussagen erinnerten an 2015, als er verletzungsbedingt zusehen musste, wie man in Malmö neuerlich unterging und er daraufhin via twitter (#männermüssenher) seine Meinung kundtat. Der Tweet wurde später gelöscht. Ja, die Sehnsucht nach der Champions League war und ist bei Lazaro groß.

Dieses Mal war der vierfache Internationale in der Quali auch erstmals so richtig dabei, nämlich als Stammspieler, musste im „Spiel des Jahres“ aber dann vorzeitig raus.

Der Linksaußen – auf der Position fühlt er sich sichtlich wohl – wurde nach einer Stunde ausgewechselt. Das hatte sich bereits zur Pause abgezeichnet, wie er nach dem Spiel schilderte.

Lazaro-Wechsel zeichnete sich ab

„Es hat schon in der ersten Hälfte angefangen. Ich habe nach zirka 30 Minuten einen Schlag abbekommen, habe mich dann noch in die Pause gekämpft und eine Schmerztablette genommen. In der zweiten Hälfte hat sich der Knöchel dann schon nicht mehr so gut angefühlt. Ich wusste, dass es nichts Schlimmes ist, aber ich dachte mir, dass ich dem Trainer sage, es wäre gescheiter, wenn einer reinkommt, der 100 Prozent geben kann und ich nicht mit 60 Prozent herumeiere.“

Nach einem harten Einstieg kam dann das endgültige Aus. „Die letzte Aktion war dann wirklich, wie mich der an der Outlinie umgeschnitten hat. Da wäre dann ohnehin nichts mehr gegangen.“

Die besten Bilder von Salzburgs Niederlage gegen Dinamo Zagreb:

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Vergleich mit Ronaldo

Lazaro wollte in diesem so wichtigen Spiel unbedingt weiterspielen, konnte aber nicht mehr. Um seine Gefühlswelt zu beschreiben, zog er einen Vergleich aus der jüngeren Vergangenheit.

„Das kann man mit Ronaldo im EM-Finale vergleichen. Ich habe mich unglaublich geärgert, aber es kam der Punkt, an dem es für das Team gescheiter war, wenn jemand da ist, der voll sprinten kann.“

So musste Lazaro auf der Bank zusehen, wie sein Ersatz Diadie Samassekou und das Team den Vorsprung kurz vor Schluss noch aus der Hand gaben. Freilich keine angenehme Situation.

„Ich habe gar nicht mehr auf das Spielfeld geschaut, nur noch auf die Uhr. Die Zeit ist so langsam vergangen und es ist einfach scheiße, wenn man dann wegen so einer Unachtsamkeit ein paar Minuten vor Schluss den Gegentreffer bekommt.“

"Das kann man mit Ronaldo im EM-Finale vergleichen. Ich habe mich unglaublich geärgert, aber es kam der Punkt, an dem es für das Team gescheiter war, wenn jemand da ist, der voll sprinten kann."

Über seine Auswechslung

Sein Traum-Tor hätte Lazaro am liebsten eingetauscht, oder überhaupt seinen Einsatz.

„Ich hätte mich auch gefreut, wenn ich nicht im Kader gestanden wäre und wir hätten es rein geschafft. Da steht die Mannschaft schon im Vordergrund.“

ÖFB-Einberufung als erstes Trostpflaster?

Der Stachel saß nach dem Spiel freilich tief, weil Lazaro auch wusste, was die nächsten Tage auf ihn und seine Teamkollegen zukommen würde.

„Es hat schlussendlich wieder einmal nicht gereicht, jetzt kann wieder jeder über uns lachen.“

Doch da nach jedem Regen bekanntlich wieder Sonnenschein folgt, wird das auch für ihn nicht anders sein. Im Normalfall wird Lazaro am Donnerstag von ÖFB-Teamchef Marcel Koller zum WM-Quali-Start gegen Georgien einberufen. In der EURO-Vorbereitung war er zuletzt dabei.

Mit zwei Toren im CL-Playoff hat er eine sehr ordentliche Empfehlung abgegeben. Ein schwacher Trost an einem Abend voller Frust. Aber es wird ein erster Schritt aus dem Tal der Tränen sein.


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