Foda: "Im Moment ist Gratzei vorne"

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Mit seinem bei 2:1-Führung abgewehrten Elfmeter wurde Christian Gratzei zum Matchwinner Sturms beim 3:1-Sieg in St. Pölten.

Bei der Frage, wann er denn seinen letzten Penalty gehalten hätte, konnte der 34-Jährige jedoch nur lachend mit den Achseln zucken: "Keine Ahnung. Ich glaube, so viele waren es noch nicht."

Der letzte ist tatsächlich schon einige Zeit her. Am 16. Februar 2008 parierte er bei Sturms 0:1-Niederlage am Innsbruck Tivoli gegen den FC Wacker einen Strafstoß von Peter Orosz.

Seit 2002 spielt Christian Gratzei bei Sturm und hat in dieser Zeit viele Konkurrenten kommen und gehen gesehen, wie die LAOLA1-Zeitreise beweist:

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MICHAEL ESSER - 2015/16 - 36 Bundesliga-Spiele

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Der Deutsche kam aus Bochum, etablierte sich schnell als Nummer eins, avancierte im Saison-Verlauf sogar zum Kapitän und nutzte seine gute Saison zum Sprung in die deutsche Bundesliga zu Darmstadt.

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BENEDIKT PLIQUETT - 2013/14 und 2014/15 - 26 Bundesliga-Spiele

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Der Deutsche kam von St. Pauli und gewann mit seiner offenherzigen Art viele Sympathien. Mit der Rückkehr von Franco Foda zu Sturm bekam er keine Einsatzzeit mehr.

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JOHANNES FOCHER - 2012/13 - 22 Bundesliga-Spiele

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Der Deutsche avancierte unter Peter Hyballa im Saisonverlauf zur Nummer eins und verlor seinen Platz erst kurz vor Saisonende wieder. Kehrte nach einer Saison zur 2. Mannschaft von Borussia Dortmund zurück und hat seine Karriere inzwischen beendet.

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SILVIJE CAVLINA - 2010/11 und 2011/12 - 28 Bundesliga-Spiele

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Der Kroate kam 2010 vom LASK und vertrat Gratzei in der Meistersaison zehn Mal und in der Spielzeit darauf 18 Mal. Erfüllte seine Rolle als erfahrener Backup verlässlich.

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ANDREAS LUKSE - 2009/10 - 0 Bundesliga-Spiele

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Kam leihweise von Rapid Wien, wo er abseits des Platzes Negativschlagzeilen geschrieben hatte. Ein Liga-Einsatz war dem heutigen Altach-Goalie bei Sturm nicht vergönnt.

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ZDENKO BAOTIC - 2008/09 - 0 Bundesliga-Spiele

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Der Bosnier stand im Frühjahr 2009 im Sturm-Kader, saß nur drei Mal auf der Bank, musste sich ansonsten hinten anstellen. Später auch in Rumänien bei Otelul Galati nur vereinzelt im Einsatz.

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MARTIN KOBRAS - 2007/08 und 2008/09 - 5 Bundesliga-Spiele

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Kam mit 21 Jahren zu Sturm. In seiner zweiten Saison bekam er fünf Spiele lang die Chance, sein Können zu zeigen, konnte sich dabei jedoch nicht etablieren. Wanderte folglich zu Altach ab, wo er heute noch im Kader steht und sich mit seinem Sturm-"Nachfolger" Andreas Lukse duelliert.

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JOSEF SCHICKLGRUBER - 2007/08 und 2008/09 - 17 Bundesliga-Spiele

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Pepi Schicklgruber kehrte 2007 im Alter von 40 Jahren für eineinhalb Jahre zu Sturm zurück und vertrat Gratzei im Jahr 2008 während dessen Verletzungspause, die ihm letztlich die Teilnahme an der Heim-EURO kostete. Der Oldie wanderte im Jänner 2009 zu Altach ab.

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DARIUS KAMPA - 2006/07 - 0 Bundesliga-Spiele

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Der Deutsche brachte von Nürnberg und Mönchengladbach Erfahrung aus der deutschen Bundesliga mit, saß bei Sturm im Frühjahr 2007 jedoch nur auf der Bank. Verließ die Grazer danach umgehend wieder.

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GRZEGORZ SZAMOTULSKI - 2005/06 und 2006/07 - 57 Bundesliga-Spiele

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Der Pole kam im Sommer 2005 von der Admira und spielte eineinhalb Jahre lang in jeder Bundesliga-Partie. Im Frühjahr 2007 spielte er jedoch keine Rolle mehr, da er frühzeitig ankündigte, seinen Vertrag in Graz nicht verlängern zu wollen, weshalb Gratzei zur Nummer 1 befördert und Kampa als Ersatz verpflichtet wurde.

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RADOVAN RADAKOVIC - 2004/05 und 2005/06 - 15 Bundesliga-Spiele

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Kam im Sommer 2004, fiel jedoch - vornehm formuliert - recht bald als Unsicherheitsfaktor auf. Folglich konnte sich Gratzei erstmals als Nummer eins etablieren. Verließ erst im Jänner 2006 - ein halbes Jahr nach der Szamotulski-Verpflichtung - den Verein.

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THOMAS MANDL - 2003/04 - 16 Bundesliga-Spiele

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Verlor im Herbst 2003 bei der Ausria seinen Stammplatz an Joey Didulica - wenig ideal für einen ÖFB-Team-Goalie. Also schloss er sich im Frühjahr 2004 leihweise Sturm an und bestritt jede Frühjahrs-Partie. Der Klassenerhalt wurde am letzten Spieltag mit einem 4:1 gegen Bregenz fixiert.

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FILIP DE WILDE - 2003/04 - 17 Bundesliga-Spiele

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Schloss sich im Sommer 2003 im Alter von 39 Jahren von Anderlecht kommend den Grazern an, kehrte jedoch schon im Winter nach Belgien (Lokeren) zurück.

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ALEXANDER KNEZEVIC - 1998 bis 2004 - 4 Bundesliga-Spiele

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Jahrelang in Diensten von Sturm, in der Saison 2003/04 in der Hackordnung vor Gratzei. Im Herbst bekam er vier Einsätze, nach Ende der Spielzeit verließ er die "Blackies".

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HEINZ WEBER - 2002/03 - 27 Bundesliga-Spiele

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Wurde im Sommer 2002 aus der Tiroler Konkursmasse verpflichtet, leistete sich jedoch das eine oder andere Hoppala. Im Frühjahr 2003 kam Gratzei zu seinem Bundesliga-Debüt.

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DANIEL HOFFMANN - 2000/01 bis 2002/03 - 4 Bundesliga-Spiele

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Gratzei wechselte im Sommer 2002 zu Sturm. Zu diesem Zeitpunkt war Hoffmann - warum auch immer - trotz seines Rufs als kapitaler Flop immer noch beim Verein. Der Deutsche, dem Gewichtsprobleme nachgesagt wurden, bekam 2002/03 sogar noch vier Einsätze.

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Gratzei ist bekanntlich das Urgestein schlechthin bei den "Blackies". Seit 2002 steht er bei den Grazern unter Vertrag und hat sich in diesen knapp eineinhalb Jahrzehnten mit diversen Konkurrenten duelliert, wie oben stehende Diashow unterstreicht.

Glücksmomente

Im Sommer erlebte er den x-ten Umbruch bei Sturm - diesmal einer, der ihm zu Gute kam. Durch den Abgang von Michael "Bruno" Esser zu Darmstadt rückte der Routinier nach einem Jahr auf der Ersatzbank wieder zur Nummer eins auf.

"Als Bruno voriges Jahr gekommen ist, war ich noch verletzt. Er hat über die ganze Saison super Leistungen abgerufen, und das muss man dann auch so akzeptieren. Ich denke einfach, dass ich lange genug beim Verein bin und der Verein weiß, was er an mir hat. Ich probiere das zu erfüllen, was der Verein von mir braucht - das war voriges Jahr auf der Ersatzbank, jetzt ist es auf dem Spielfeld", übt sich Gratzei in Pflichterfüllung.

"Ich bin glücklich, dass ich diese Momente noch einmal erlebe, denn keiner weiß, wie viele noch kommen werden."

Christian Gratzei

Von einem Ausrufezeichen in persönlicher Hinsicht oder einem neuen Angriff will er trotz des guten Saison-Starts nicht sprechen: "Ich bin dankbar, dass es momentan läuft. Aber ich nehme jedes Spiel, wie es kommt. Ich bin glücklich, dass ich diese Momente noch einmal erlebe, denn keiner weiß, wie viele noch kommen werden."

"Im Moment ist Christian vorne"

Mit bald 35 Jahren ist Gratzei in einem Alter, in dem man besagte Momente aufgrund des sich nähernden biologischen Ablaufdatums tendenziell bewusster wahrnimmt. Zudem läuft sein Vertrag nach dieser Spielzeit aus. Mit dem neu verpflichteten Daniel Lück beziehungsweise den beiden talentierten Youngsters Tobias Schützenauer und Fabian Ehmann scharren die potenziellen Erben bereits in den Startlöchern.

Das ist auch dem Platzhirschen bewusst. Ob er sich in der bisherigen Saison einen Vorsprung erarbeitet habe, kann er nicht einschätzen: "Das entscheidet der Trainer. Selbst wenn er im nächsten Spiel tauscht, habe ich noch einmal fünf tolle Spiele mit der Mannschaft gehabt, super Stimmung mit den Fans und vier Siege. Man weiß ja nicht, was passiert - ich könnte mich verletzen, der Trainer könnte tauschen. Es steht alles in den Sternen. Daher probiere ich mein Bestmöglichstes abzurufen, so wie ich es immer getan habe."

Die Sorge, dass Franco Foda schon im nächsten Spiel tauschen könnte, ist tendenziell eine unbegründete. "Mit Schützenauer und Ehmann haben wir zwei Junge, mit Lück wollten wir noch einen erfahrenen Torhüter dazubekommen. Die kämpfen nun um ihren Platz. Im Moment ist Christian vorne, weil er Woche für Woche seine Leistungen abruft und sehr stabil ist. Aber trotz allem ist eine Saison sehr lange, es kann viel passieren, es gibt Verletzungen. Da muss man froh sein, wenn man solche Torhüter in der Hinterhand hat", betont der Deutsche.

"Wenn man älter wird, wird man auch gescheiter"

Was er an seinem Meister-Goalie von 2011 hat, weiß der 50-Jährige ohnehin aus der langen Zusammenarbeit: "Nach dem Abgang von Esser haben wir uns bewusst Zeit gelassen. Ich habe immer betont, dass wir schon drei Torhüter haben - darunter mit Gratzei einen erfahrenen, auf den ich immer setzen kann. Schon damals nach meiner Rückkehr habe ich sofort einen Wechsel von Pliquett auf Gratzei vorgenommen."

Gratzei dürfte also weitere Gelegenheiten bekommen, diese Momente zu genießen. Wie viel Reife bei seiner derzeiten Herangehensweise mitschwinge, sei schwer zu sagen: "Aber vielelicht ist es so. Es heißt ja, wenn man älter wird, wird man auch gescheiter."

Generell sei er derzeit jedoch einfach nur in einer anderen Phase seiner Karriere: "Früher musste ich mich in der erste Mannschaft raufkämpfen, dann musst du dich dort beweisen, du willst Erfolg für dich selbst und den Verein. Das ist uns alles geglückt. Jetzt hatten wir doch ein paar Jahre ein Wellental."

"Herzliche Stimmung"

Derzeit befinde sich die Sturm-Elf jedoch in einem Flow, und somit auch er selbst. Umso besser tut der starke schwarz-weiße Saison-Start nach den Rückschlägen der jüngeren Vergangenheit:

"Es ist natürlich ein Wahnsinn! Die Stimmung war schon oft gut, aber so eine herzliche Stimmung habe ich schon lange nicht erlebt, wo du richtig am Feld merkst, wie sich alle freuen, keiner ist dem anderen etwas neidig - und damit meine ich nicht die Mannschaft, sondern die Kommunikation mit den Fans."

Diese feuerten Gratzei vor dem Elfmeter an, anstatt die Elf, die drauf und dran war, eine 2:0-Führung aus der Hand zu geben, auszupfeifen - ein Indiz, dass die Mannschaft angesichts der jüngsten Siege wieder mehr Kredit bei den Anhängern hat.

Der Schlussmann zeigte sich dankbar: "Ich hoffe, ich habe ihnen eine Freude machen können."

Peter Altmann



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