In Salzburg sind sie weiter auf der Suche

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FC Red Bull Salzburg
RZ Pellets WAC
1:1 (0:1)

Die Hinrunde endete für Red Bull Salzburg, wie sie begonnen hatte: ernüchternd.

Zumindest verlor der Meister gegen den WAC nicht, doch das 1:1 gegen das Schlusslicht fühlte sich natürlich wie eine Niederlage an. Wie auch das 1:1 gegen Grödig am vergangenen Samstag.

„Wir spielen momentan nicht so gut“, musste Jonatan Soriano gegenüber „Sky“ festhalten. Der Spanier spielte auch nicht gut, traf aber zumindest zum Ausgleich. Es war dies sein 15. Treffer gegen die „Wölfe“ – nur gegen den Absteiger Wiener Neustadt traf der 30-Jährige öfter (23).

Das war es auch schon mit den guten Nachrichten beim Duell mit den Kärntnern, die unter Trainer Heimo Pfeifenberger („Ich bin kein Wunderwuzzi“) auch im zweiten Spiel ohne Niederlage blieben.

Die Suche nach der Konstanz

Salzburg hätte bei einem Heimsieg den Herbstmeister-Titel de facto fixieren können, denn Verfolger Austria hat ein deutlich schlechteres Torverhältnis. So können die Veilchen (zu Hause gegen Sturm) sowie auch Rapid (bei der Admira) am Mittwoch noch an den „Bullen“ vorbeiziehen.

Es gab gewiss schon schlechtere Hinrunden von Salzburg in der Red-Bull-Ära, nämlich drei (siehe Tabelle), aber die Art und Weise, wie Salzburg in diesem Herbst spielte, stimmt auch nachdenklich.

 „Wir wollen natürlich besser spielen, aber finden nicht zu unserem Spiel“, sagte etwa Soriano nach der Partie. Als wäre das Team also noch immer auf der Suche nach der eigenen Identität.

Im Sommer gab es zweifelsohne einen großen Umbruch und mit Trainer Peter Zeidler kam ein neuer Trainer, doch mittlerweile sind einige Monate ins Land gezogen. Das Positive: Man mischt ganz oben mit, die Konkurrenz hat auch ihre Probleme und es ist eben erst Halbzeit in der Meisterschaft.

Doch die zuletzt gezeigten Leistungen sorgen auch für Falten in der sportlichen Führung.

„Es war gegen Sturm, Grödig und heute nicht gut von uns. Das ist nicht unser Anspruch. Es ist enttäuschend, dass wir eine gute Ausgangsposition zuvor zunichte gemacht haben. Wir haben noch keine Konstanz gefunden, um das auf hohem Level durchzuziehen“, hielt Christoph Freund fest.

Saison Spiele Siege Remis Niederlagen Tore Differenz Punkte Platz
2005/06 18 11 1 6 26:18 8 34 1
2006/07 18 11 4 3 40:11 29 37 1
2007/08 18 8 4 6 32:24 8 30 5
2008/09 18 12 4 2 49:22 27 40 1
2009/10 18 10 6 2 36:17 19 36 2
2010/11 18 8 6 4 20:12 8 30 3
2011/12 18 7 6 5 29:20 9 27 5
2012/13 18 11 4 3 39:19 20 37 2
2013/14 18 12 4 2 53:16 37 40 1
2014/15 18 12 2 4 56:23 33 38 1
2015/16 18 9 6 3 42:23 19 33 1-3

Die Suche nach der Spielweise

Nach dem schlechtesten Saisonstart in der Red-Bull-Ära, erfing sich der Titelverteidiger allmählich und verlor die nächsten elf Spiele nicht. Mal mit besserer Leistung, mal mit schlechterer.

Sinnbildlich dafür stehen die Siege gegen Admira (8:0) und gegen Ried (2:1). Der erste fulminant, der zweite weniger. In den vergangenen fünf Partien gab es überhaupt nur einen Sieg.

Und der war gegen Sturm auch alles andere als überzeugend. Wie die Spielweise. In den vergangenen Jahren wurde in Salzburg dominiert und brilliert. Das ist aktuell nicht der Fall.

Weil die Spieler andere sind und manche noch nicht so weit sind. Mit vereinzelten Pfiffen der Salzburger Fans kann Zeidler deswegen umgehen: „Mit dem haben wir zurecht zu kommen.“

Doch hat man bislang nicht das Gefühl, dass sich die Spieler so weiterentwickeln, wie sich das alle in Salzburg wünschen. Zeidler bekommt dafür weiterhin die Zeit von der Klubführung.

Nach dem 1:1 gegen den WAC haderte der Deutsche vor allem mit der Chancenverwertung und hat damit wohl Recht, wenn er sagt: „Wenn die Großchance von Damari zu diesem Zeitpunkt (4.) reingeht, wird das sicher unser Spiel. Auch in der zweiten Hälfte hatten wir viele Chancen.“

Einige gute Möglichkeiten hatte aber auch der WAC, die die defensive Instabilität im Herbst wiederspiegeln. Wie unter Adi Hütter in der Vorsaison bekamen die Salzburger in 18 Runden 23 Gegentore – also viel zu viele. Ohne Kevin Kampl und Alan erzielte man 14 Tore weniger als 2014.

Zeidler hat noch viel zu tun, wenn er nach dem 1:1 gegen das bisherige Schlusslicht konstatieren muss: „Über weite Teile der ersten Hälfte waren wir unsicher, nicht zielstrebig, nicht temporeich.“

Runde Gegner Ort Ergebnis
01 Mattersburg A 1:2
02 Rapid H 1:2
03 Admira A 2:2
04 Ried A 4:1
05 Altach H 2:0
06 Austria H 2:2
07 Sturm A 3:2
08 Grödig H 4:1
09 WAC A 1:1
10 Mattersburg H 4:2
11 Rapid A 2:1
12 Admira H 8:0
13 Ried H 2:1
14 Altach A 0:1
15 Austria A 1:1
16 Sturm H 3:1
17 Grödig A 1:1
18 WAC H 1:1

Die Suche nach der Zufriedenheit

Doch nicht nur der 53-Jährige ist auf der Suche. Auch Martin Hinteregger. Nach Zufriedenheit.

Der Kärntner ist zum Salzburger Trouble-Maker mutiert und wurde wie gegen die Austria auch gegen den WAC aus dem Kader gestrichen. Wieder legte er unprofessionelles Verhalten an den Tag.

„Es gab nach der Länderspiel-Pause eine klare Abmachung, wonach er sich voll und ganz auf Red Bull Salzburg konzentriert. Das ist leider nicht passiert. Die Regenerationseinheit nach dem 1:1 gegen Grödig hat er nicht professionell und zu unserer Zufriedenheit absolviert. Deswegen ist er nicht im Kader“, erklärte Zeidler bereits vor dem Spiel. Nach der Partie konnte er freilich nicht mehr sagen.

„Wir waren noch nicht so weit, darüber langfristig nachzudenken. Er hat sich unprofessionell und nicht zur Zufriedenheit unseres Trainerteams verhalten. Deswegen diese Konsequenz. Was weiter kommt, werden wir sehen“, so Zeidler.

Wie sich das nicht zum Dauerthema entwickelt? „Ganz einfach: Indem er sich professionell verhält.“

"Ich hoffe schon, dass das noch eine Zukunft hat. Er hat einen langfristigen Vertrag, ist seit langer Zeit ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, ist es jetzt auch noch. Hoffentlich wird es auch in Zukunft so sein. Aktuell ist er unzufrieden, wir hoffen, dass sich das schnell wieder regelt."

Christoph Freund

Auch Sportchef Christoph Freund nahm nach der Partie bei „Sky“ Stellung: „Es wird jetzt keine neuen Gespräche geben. Martin hat nicht so trainiert, so dass ihn Peter Zeidler in den Kader berief. Das ist seine Entscheidung, der Verein steht dahinter. Es ist aber bitter, dass es wieder Thema ist.“

Der Teamspieler stellt aber keine Ausnahme dar: „Es ist keine einfache Situation und nicht sehr erfreulich. Aber er ist Teil der Mannschaft und die Mannschaft steht über allen.“

Hinteregger, der bekanntlich vor der Austria-Partie nach Köln flog, um mit Verantwortlichen in Mönchengladbach zu sprechen, sah dem Spiel seiner Kollegen auf der Tribüne zu. Sein Vertrag läuft bis 2019 und Salzburg macht nicht den Anschein, als ob es ihn so leicht ziehen lassen würde.

Freund: „Ich hoffe schon, dass das noch eine Zukunft hat. Er hat einen langfristigen Vertrag, ist seit langer Zeit ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft und ist es jetzt auch noch. Hoffentlich wird es auch in Zukunft so sein. Aktuell ist er unzufrieden, wir hoffen, dass sich das schnell wieder regelt.“

Die Suche geht also noch weiter.

 

Bernhard Kastler

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