„…dann hätte ich EURO 2016 definitiv verpasst"

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Als sich ÖFB-Teamtorhüter Robert Almer am 25. Oktober 2015 im Wiener Derby gegen Rapid verletzte, wusste der Austria-Keeper sofort, dass etwas Schlimmes passiert war.

„Da ich in meiner Karriere schon einige Erfahrungen mit Verletzungen gesammelt habe, wusste ich in diesem Moment, dass etwas kaputt gegangen ist“, erinnert sich der 31-Jährige, der die Partie damals dennoch zu Ende spielte.

„Die Schmerzen hielten sich zunächst in Grenzen, für die paar Minuten war es kein Problem weiterzuspielen. Erst am nächsten Tag hat das Knie dann richtig geschmerzt.“

Die Diagnose: Teilabriss des hinteren Kreuzbandes. Drei bis vier Monate Pause.

Jetzt steht der Steirer vor seinem Comeback. Gegen Sturm Graz wird der Kapitän der Veilchen mit großer Wahrscheinlichkeit das Tor hüten.



Im LAOLA1-Interview spricht Almer über die Reha, die Spielweise der Austria und gesteht, dass sein EURO-Traum beinahe geplatzt wäre.

LAOLA1: Robert, eine ganz direkte erste Frage: Wirst du am Sonntag dein Comeback geben?

Robert Almer: Ich fühle mich fit und bin bereit. Schlussendlich wird aber der Trainer entscheiden. Er wird sich in den letzten zwei Trainingseinheiten ein Bild machen. Dann werden wir sehen, was am Sonntag passiert.

LAOLA1: Okay, aber der Grundtenor der letzten Tage und Wochen war doch so, dass du über einen Einsatz entscheidest. „Wenn er sich fit fühlt, soll er spielen“, war immer wieder zu hören.

Almer: Sich fit zu fühlen ist das Eine, wie man sich im Training präsentiert das Andere. Es sind eben zwei verschiedene paar Schuhe. Es ist oft ein subjektives Empfinden. Daher braucht es die objektive Meinung des Trainerteams. Gemeinsam kann man sich ein richtiges Bild machen.

LAOLA1: Gehen wir einmal davon aus, dass du gegen Sturm deine Rückkehr feiern wirst: Welche Gedanken hast du dabei? Bist du aufgeregt, glücklich, oder vielleicht sogar etwas ängstlich, weil du im Hinterkopf noch die Verletzung hast?

Almer: Ängstlichkeit wäre fehl am Platz. Es überwiegt die Vorfreude, denn vier Monate verletzt zu sein, ist nicht unbedingt schön. Es war eine sehr harte Zeit, vor allem, was das Training betrifft. In der Reha bist du acht Stunden am Tag am Trainieren. Und nachdem ich ins Mannschafts-Training eingestiegen bin, habe ich daneben natürlich weiterhin mit meinem Physiotherapeuten noch zusätzlich gearbeitet. Das ist sehr intensiv und deswegen freut man sich, wenn man dann nur mehr einmal pro Trag trainiert.

"Druck darf man sich in keiner Situation machen. Wichtig ist, dass man befreit in die Spiele geht. Das war auch beim Nationalteam mein Erfolgsrezept."

Robert Almer

LAOLA1: Machst du dir selber ein wenig Druck, gleich wieder auf dem Level zu spielen, den du vor der Verletzung hattest, oder gibst du dir ein, zwei Spiele?

Almer: Druck darf man sich in keiner Situation machen. Wichtig ist, dass man befreit in die Spiele geht. Das war auch beim Nationalteam mein Erfolgsrezept. Von außen ist ja lange Zeit Druck gekommen, weil ich im ÖFB-Team immer gespielt habe, obwohl ich keine Spielpraxis hatte. Wenn ich mich da selber verrückt gemacht hätte, wären meine Leistungen nicht möglich gewesen. Daher heißt es: Konzentriert, aber keinesfalls nervös oder extrem angespannt sein.

LAOLA1: Bevor du dir im Derby am 25. Oktober 2015 den Teilabriss des hinteren Kreuzbandes zugezogen hast, sorgten diverse Oberschenkel-, Muskel- und Rückenprobleme sowie ein Mittelhandbruch und zwei Muskelfasereinrisse bereits für eine Verletzungspause von 372 Tagen. Jetzt sind noch einmal viereinhalb Monate dazugekommen. Haderst du ein wenig mit deinem Körper?

Almer: Was wäre wenn… Ich glaube es ist ein Fehler, wenn man sich darüber Gedanken macht. Ich gehe lieber in eine andere Richtung und überlege, wie man in Zukunft gewisse Dinge vermeiden kann. Die Knieverletzung ist ja durch Fremdeinwirkung entstanden, aber gegen die anderen Sachen kann man vorbeugend Übungen machen bzw. - so wie es jetzt bei mir ist - mit einem eigenen Athletik-Trainer an den anfälligen Bereichen arbeiten und dadurch die Verletzungsanfälligkeit minimieren.

LAOLA1: Du hast also zu hundert Prozent Vertrauen in deinen Körper?

Almer: Ja klar, das muss man. Sonst würde ich auch nicht seit vier Wochen wieder am Platz stehen.

LAOLA1: Wieviel spielt sich dabei schlussendlich im Kopf ab?

Almer: Es ist natürlich viel Kopfsache dabei. Deswegen ist es wichtig, viele Trainingseinheiten zu absolvieren. Dadurch bekommt man wieder Bewegungsabläufe rein. Man macht z.B. eine Bewegung, wo man gedacht hat, das geht noch nicht, dann machst du sie und merkst, dass es doch geht und du keine Schmerzen mehr hast. Das ist ein total positiver und wichtiger Moment. Daher sind viele Wiederholungen in den Einheiten sehr wichtig. Und man muss sich im Aufbau Zeit lassen und darf nichts überstürzen.

Kein anderes Spiel bewegt Wien so sehr wie Austria gegen Rapid - die besten Bilder von emotionalen Duellen: Bild 1 von 102 | © GEPA
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LAOLA1: Apropos Kopfsache. Nachdem die erste Diagnose deiner Verletzung bekannt wurde, warst du gleich sehr positiv. Muss man das sein, um so eine Phase zu überstehen?

Almer: Das auf jeden Fall, aber ich bin zu Beginn von einer etwas leichteren Verletzung ausgegangen. Zuerst bin ich nur von einem Teilabriss des hinteren Kreuzbandes ausgegangen. Wir haben im Dezember und im Jänner noch einmal Untersuchungen durchgeführt. Dabei hat sich herausgestellt, dass das hintere Kreuzband fast ganz durch war. Es waren vielleicht noch 10 bis 20 Prozent vorhanden. Auch andere Strukturen waren – ich nenne es jetzt vorsichtig – „beleidigt“. Es war jetzt kein Schlag für mich, aber ich habe schon zum Überlegen angefangen und mir gedacht, dass ich echt Glück hatte. Wenn noch ein bisschen mehr kaputt gewesen wäre, hätte ich operiert werden müssen und dann hätte ich die EURO 2016 definitiv verpasst.

LAOLA1: Dass es doch so ernst war, wurde aber nicht kommuniziert, oder?

Almer: Nein, weil die Zeitspanne schlussendlich gleich geblieben ist. Es wurde immer mit einer Ausfall-Zeit von drei bis vier Monaten gerechnet. Der Heilungsprozess hat ja dennoch gut funktioniert. Die Stabilität war recht schnell gegeben - auch wenn es natürlich nicht mehr so ist wie früher. Und mir ist zu Gute gekommen, dass die anderen Strukturen nicht so beschädigt waren. In dem Bereich musste nichts Spezielles gemacht werden. Wenn noch ein Innen- oder Seitanband gerissen oder die Stabilität nicht gegeben gewesen wäre, hätten die Ärzte operiert. Also: Glück gehabt.

LAOLA1: Hat sich Philipp Prosenik oder Rapid in irgendeiner Art und Weise bei dir entschuldigt?

Almer: Ich habe eine Nachricht von Rapid erhalten, dass es dem Spieler leid tut, dass ich mich im Zweikampf verletzt habe. Das war’s. Ich habe das aber nicht großartig kommentiert.

"Natürlich wünschen wir uns, dass wir nach vorne einen wunderschönen Fußball wie Barcelona oder Real Madrid bieten. Aber es ist kein Wunschkonzert. Die meisten Teams stehen sehr tief drinnen, da ist es schwierig, sich nach vorne zu kombinieren."

Almer über Austrias Spielweise

LAOLA1: Während deiner Auszeit hattest du die Möglichkeit das Spiel deiner Austria aus einem anderen Blickwinkel zu beobachten. Was hat dir gefallen, was nicht?

Almer: Die ersten Spiele nach meiner Verletzung haben ganz gut funktioniert, da haben wir einige Punkte geholt. Doch gegen Ende konnten wir gegen die vermeintlich schwächeren Gegner wie WAC, Ried und Altach keinen einzigen Zähler holen. Wir hätten uns vor der Winterpause einen schönen Polster erarbeiten können. Die verpasste Chance ärgert uns alle. Aktuell sind wir am richtigen Weg, haben Platz drei abgesichert und können mit einem halben Auge nach vorne schauen.

LAOLA1: Kannst du durch deine Beobachtungen nun den Unmut der Austria-Fans über die Spielweise besser verstehen?

Almer: Wir haben sehr viele Standard-Tore gemacht. Das ist auch eine Qualität. Ich kann mich an den GAK erinnern, der Meister geworden ist, weil Toni Ehmann alle Eckbälle reingeköpft hat. Aber natürlich wünschen wir uns, dass wir nach vorne einen wunderschönen Fußball wie Barcelona oder Real Madrid bieten. Aber es ist kein Wunschkonzert. Die meisten Teams stehen sehr tief drinnen, da ist es schwierig, sich nach vorne zu kombinieren. Das sind dann oft jene Partien, wo du dich auf Standards verlassen musst. Partien gegen Rapid, Salzburg oder Sturm sind da anders, weil diese Teams auch den offensiven Fußball praktizieren und nicht nur mit Haus und Hof hinten drinnen stehen. Daher ist es natürlich oft nicht schön anzusehen.

LAOLA1: Wie schwierig waren die letzten Monate eigentlich für deine Frau Dominique, die ja hochschwanger war?

Almer: Es war recht mühsam, da ich aufgrund der Reha nicht viel daheim war und wir auch noch umgebaut haben. Sie hat also die Baustelle auch noch übernehmen dürfen (lacht). Es war wirklich nicht einfach. Sie ist daher auch froh, dass es jetzt wieder normal losgeht.

LAOLA1: Mittlerweile bist du zum zweiten Mal Vater geworden. Wie gehst du mit diesem Umstand um? Hast du z. B. ein eigenes Zimmer, um genug Schlaf zu bekommen?

Almer: Ja, ich habe ein eigenes Zimmer. Die Kleine ist schon drei Jahre alt, da geht es mit dem Schlafen schon einigermaßen. Sie schläft auch schon durch. Beim Kleinen haben wir es so geregelt, dass ich die letzte „Abendschicht“ so zwischen 22:00 und 23:00 Uhr mache und mich danach ins Separee lege. Anders funktioniert es nicht. Wenn man in der Nacht nur zwei bis drei Stunden schläft und dann wieder wach ist, kannst du keinen Leistungssport ausüben. Daher bin ich auch froh, wenn ich wieder einkaserniert bin (lacht).

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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