Was bedeuten die Sterne auf den Trikots?

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Sie dürften, aber sie verzichten drauf.

Wenn man die drei Meistertitel von Austria Salzburg dazu zählt, hat RB Salzburg seinen zehnten Titel geholt. Doch die "Bullen" werden keinen Stern zu ihrem Logo hinzufügen. Doch was hat es mit den Meistersternen überhapt auf sich? Ist das in allen Ländern gleich?

LAOLA1 klärt über Ursprung und Bedeutung der Meistersterne auf.



Auf dem Weg zum 10. Scudetto schlug Juventus-Präsident Umberto Agnelli 1958 dem Ligaverband vor, diese Leistung auf symbolische Weise anzuerkennen.

Die Liga-Exekutive folgte dem Ansuchen am 10. Juli 1958: "Der 10. Serie-A-Meistertitel wird mit einem speziellen Abzeichen, bestehend aus einem goldenen fünfzackigen Stern, geehrt. Juventus Turin darf dieses unverwechselbare Zeichen fortan auf seinem Trikot tragen.“

Die Idee der Meistersterne war geboren und erfreute sich fortan großer Beliebtheit auf der ganzen Fußballwelt.

Vereinzelt waren die kleinen Sterne Streitgrund: Ausgerechnet Ideengeber Juventus krachte deswegen 2012 mit der Serie A aneinander. Die "Alte Dame" wurde Meister.

Aufgrund der zwei aberkannten Scudetti (2005, 2006) im Zuge des Manipulationsskandals 2006 war es offiziell der 28. Titel, Juventus beharrte jedoch wegen rechtlicher Auffassungsunterschiede auf der Zahl 30 - und feierte provokant mit drei Sternen auf dem Spielfeld.

Vier Jahre und vier Scudetti später dürfen die Turiner längst offiziell die drei Sterne am Trikot tragen.

  • 10er-Schritte

Die Mehrheit der Ligen folgt dem italienischen Vorbild, wonach ein Verein für jeweils zehn Meistertitel einen Stern erhält. So unter anderem die niederländische Ehrendivision, die französische Ligue 1 und die Schweiz. Eine hohe Hürde, wie ein Blick nach Österreich beweist.

Sollten Bundesliga-Titel vor 1974 einberechnet werden?

Hierzulande kamen bisher nur drei Klubs zu Sternenehren. Rapid Wien, der österreichische Rekordmeister mit 32 Titeln, darf gleich drei Sterne tragen. Erzrivale Austria trägt für 24 Erfolge zwei. Wacker Innsbruck hat genau zehn Meistertitel und damit einen Stern erobert. Ebenso wie rein theoretisch Red Bull Salzburg (davon sieben Erfolge in Red-Bull-Ära).

Für Gesprächsstoff sorgt immer wieder die Entscheidung, auch die Meistertitel vor Gründung der Bundesliga im Jahr 1974 mitzuzählen. Die Grün-Weißen hätten anders gerechnet nicht einmal einen Stern, die Bezeichnung „Rekordmeister“ würde ausgerechnet zum Erzrivalen nach Wien-Favoriten wandern.

Die Zehner-Regel bringt also nur wenige Sternenträger. Eine Begebenheit, der sich die Deutsche Bundesliga mit einer eigenen Zählweise entzieht: Drei Meisterschaften bringen einen Stern, die fünfte den zweiten, zehn den dritten und ab zwanzig dürfen vier Sterne getragen werden.

Rekordmeister Bayern München (26) kommt demnach auf vier Sterne. Dahinter folgen Dortmund und Gladbach (je 5) mit zwei Sternen. Der Hamburger SV, Stuttgart (je 3) und Bremen (4) laufen mit einem Stern auf.

Auch im Nachbarland gibt es eine Kontroverse, ab welchem Zeitpunkt die Zählung beginnen soll. Für den Liga-Fußballverband DFL, für 1. und 2. Bundesliga zuständig, sind nur die Titel seit Einführung der Bundesliga 1963/1964 erheblich. Der DFB ist anderer Meinung.

Somit durfte Dynamo Dresden für seine acht DDR-Meistertitel dieses Jahr in der 3. Liga dank hier geltender DFB-Regel einen symbolischen Stern tragen, muss aber nach dem Aufstieg kommendes Jahr in der 2. Deutschen Bundesliga auf diese Goldverzierung verzichten.

  • Andere Länder, andere Sitten

Andere Länder erweisen sich ebenfalls als kreativ.

In der Türkei erhalten Teams ebenso wie in Russland für je fünf errungene Meisterschaften einen Stern.

Welches Meisterstern-System gefällt dir am besten?

In der polnischen Ekstraklasa wird ähnlich den klassischen Medaillenfarben abgestimmt. Ein goldener Stern winkt für zehn Meistertitel, ein silberner für fünf bis neun und ein weißer für den ersten bis vier.

Im „regellosen“ Brasilien trägt ein Verein meistens pro Meistertitel einen Stern. Weltpokalerfolge bringen einen zusätzlichen roten bzw. besonders großen Stern. Dieselbe Regelung gilt auch in Ecuador, womit Rekordmeister Barcelona Sporting Club mit 14 Meistersternen internationaler Rekord-Sternenträger ist.

Barcelona Sporting Club

Manche Klubs verzichten auf das Tragen ihnen zustehender Meistersterne, unter anderem Celtic Glasgow (47), der FC Porto (27) und Panathinaikos Athen (20).

Noch radikaler agieren Ligen, die erst gar nicht Sterne verteilen. In diese Kategorie fallen unter anderem die englische Premier League und die spanische Primera Division.

  • Weltmeisterliche Ehre

Nicht nur Klubs bedienen sich an den Stern-Auszeichnungen, Nationalteams ebenso. Hier stehen vor allem die Weltmeistertitel im Vordergrund.

Als jüngste Nation durfte sich Deutschland eine Goldverzierung an das Trikot nähen. Der vierte Stern für den vierten WM-Triumph 2014 in Brasilien.

Der Gastgeber führte die Verzierung höchstpersönlich in den 70er-Jahren ein, als die Selecao zur WM 1974 mit drei Goldsternen am Trikot auftauchte. Mittlerweile hat Brasilien rekordhafte fünf Sterne am Trikot. Das Frauen-Nationalteam bedient sich pikanterweise an dieser Auszeichnung und trägt ebenfalls fünf Sterne.

Ein südamerikanischer Nachbar trägt vier Sterne auf dem Trikot: Uruguay sieht neben den WM-Erfolgen 1930 und 1950 auch die Olympia-Goldenen 1924 und 1928 als sternewürdig.

  • Besondere Sternstunde

Egal, welche Zählweise letztlich verwendet wird: Klar ist, dass jeder Meisterstern eine besondere Sternstunde darstellt.

Auf die nächste dieser Art muss Österreich aller Voraussicht nach länger warten.

Die Admira ist momentan mit neun Meisterschaften "am nächsten" dran. Der letzte Titel liegt allerdings bereits 50 Jahre zurück (1966).

Fußballfans müssen sich also möglicherweise lange gedulden, bis der nächste Meisterstern vergeben wird.

 

Andreas Gstaltmeyr

 


Die LAOLA1-Dreierkette widmet Ausgabe 6 dem spannenden Thema "Liga-Reform": Mit Bernhard Kastler sprechen die Redakteure Jakob Faber und Peter Altmann über Lösungen, Gefahren und Versäumnisse, die Markus Kraetschmer aufzeigt:


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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