Streit um Olympia-Quali im Freestyle

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Slopestyle für Alpinski und Snowboarden ist ab 2014 in Sotschi olympisch. Seit auch diese junge Wintersportdisziplin im Zeichen der fünf Ringe steht, fühlt man sich in der Snowboard-Alternativszene (TTR) berechtigt, Teil der Olympia-Qualifikation zu sein.

Allerdings hat der Internationale Skiverband (FIS) einem Vorschlag zur gemeinsamen Durchführung bereits eine klare Absage erteilt. Nun will TTR das IOC direkt bezirzen, in der Szene befürchtet man aber ein Kalender-Chaos.

Ticket-to-Ride ist eine Non-Profit-Vereinigung mit einer weltweit gut funktionierenden Freestyle-Ganzjahres-Eventserie.

Auch Topstars fahren bei TTR

Dort finden sich bei einem Gesamtpreisgeld von 2,5 Millionen Dollar (1,89 Mio. Euro) dank eines Sechsstern-Systems Top-Profis wie US-Superstar Shaun White, der Schweizer Iouri Podladtchikov oder die finnischen Piironen-Brüder, aber auch Amateure wieder.

Nach Gesprächen mit IOC und FIS hatte man deshalb einen Vorschlag ausgearbeitet, die Qualifikation im Verhältnis 50/50 abzuwickeln. Die Idee wurde abgelehnt. "Wir haben rasch gemerkt, dass die FIS nicht kann und nicht will", erinnert sich TTR-Präsident Reto Lamm.

Kaum Hoffnung für gemeinsame Quali

Zwar wird es im kommenden Mai nochmals Gespräche mit der FIS geben, aber selbst der kompromissbereite Schweizer Lamm sieht kaum noch Chancen für diesen Kooperations-Weg. Zumindest nicht mehr für Sotschi. Zudem machen längst auch "Hardliner" im eigenen Kreis Druck, weil sie keinen Sinn in Gesprächen mit dem Ski-Weltverband sehen.

"Wir nehmen nun keine Rücksicht mehr auf andere Organisationen. Vielmehr wollen wir zeigen, dass wir die Besten sind. Irgendwann wird man uns nicht mehr weglügen können", machte Lamm gegenüber der APA klar, dass man nun alle Energien auf die eigenen Stärken konzentriert.

"Wir haben die besseren Fahrer"

Und so das IOC direkt überzeugen will. Lamm: "Wir sehen uns berechtigt, die Qualifikation für Olympia zu bestellen. Wir haben die besseren Fahrer und die besseren Events." Für Olympia würde man aus dem in der Schweiz eingetragenen Verein auch einen eigenen Verband machen.

Den Konflikt zwischen der FIS und der Freien Snowboardszene hatte es erstmals schon 1998 gegeben, als Snowboard (damals nur alpin) olympisch geworden war und sich daran mit der Internationalen Snowboard Federation (ISF) der TTR-Vorgänger aufgerieben hatte.

Mit Terje Haakonsen war der damals beste Boarder Olympia ferngeblieben, der Norweger gilt seitdem als Symbol des Widerstandes. Haakonsen hatte 2002 als Reaktion auf den ISF-Zusammenbruch die Industrie-Tour TTR initiiert. Der kompromisslose Skandinavier ist heute mehr denn je überzeugt, dass die FIS nicht zusammenarbeiten wird.

Keine Angst vor einem Untergang

Ex-Snowboarder Lamm hat zumindest keine Befürchtungen, dass seine Organisation verschwindet wie einst die ISF.

Auch wenn die FIS nach der Halfpipe nun mit dem über Schanzen und Hindernisse führenden Slopestyle die nächste Freestyle-Disziplin vereinnahmt hat und wieder die Trumpfkarte Olympia ausspielen kann. Lamm: "Ich sehe die Gefahr nicht, wir sind sehr erfolgreich."

Auch Air&Style ist von TTR

Dem kann man schwer widersprechen. Während im vergangenen Winter nur ein einziger FIS-Weltcup im Slopestyle in Szene ging, organisiert TTR erfolgreich Mega-Events wie die European-Open in Laax oder den Air&Style in Innsbruck.

Die ersten TTR-Weltmeisterschaften am Osloer Holmenkollen war vergangenen Februar trotz des Fehlens von Szene-Star White ein Riesenerfolg. Oder, wie Lamm es nennt: "Der wahrscheinlich beste Snowboard-Event aller Zeiten."

Jetzt über bewährten Weg?

Nun will man mit direkter Zusammenarbeit auf unterer Verbandsebene das IOC überzeugen. Denn dort gibt es längst keine Berührungsängste mehr. So zählte die Big-Air-Meisterschaft diesen Samstag in Haus im Ennstal nicht nur auch als FIS-Europacupfinale, sondern erstmals auch zur TTR-Tour.

In Österreich gehen insgesamt rund 30 TTR-Bewerbe pro Saison in Szene, der größte (6 Stern) ist der Air&Style. Am nächsten Wochenende steigt mit der "Spring Battle" in Flachauwinkl einer von nur zwei Fünfstern-Events in Österreich, das Preisgeld beträgt 50.000 Dollar.

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