Karl: "Haben wieder ein richtig gutes Teamklima"

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Gold, Gold, Gold, Gold - so lautet die Ausbeute des Snowboarders Benjamin Karl bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften.

Abgerundet wird diese Bilanz von Silber (2010) sowie Bronze (2014) bei Olympischen Spielen.

Der Niederösterreicher schaffte somit das Kunststück, seit 2009 bei jedem Großereignis mindestens eine Medaille zu holen.

Heim-WM vor Augen

Wie gut, dass 2015 im nacholympischen Jahr mit der Heim-WM in Kreischberg (15. bis 25. Jänner 2015) gleich wieder ein wichtiges Ereignis ins Haus steht.

Zudem ist das Interesse an der Sportart Snowboard so groß wie nie. „Wenn das so weitergeht mit dem zunehmenden Interesse am Snowboard-Sport, dann seid ihr mich bis 40 nicht los“, verkündete der 29-Jährige jüngst auf einer Pressekonferenz in Wien.

Ans Aufhören denkt der dreifache Weltcup-Gesamtsieger also noch lange nicht. "Mir macht es Freude wie eh und je. Ich habe mir gerade im Sommer beinahe täglich gedacht, was ich für einen geilen Beruf habe, Trainieren ist eines meiner größten Hobbys und das ich das jeden Tag ausüben darf und kann, ist sehr geil."

Rad und Board

Im Sommer trainiert Karl, der nach neun Jahren sein Material wechselte und von SG Snowboards auf Kessler umstieg, viel auf dem Rad. Rund 7.000 km kommen da zusammen, heuer waren es aufgrund seiner Teilnahme am Race Around Austria sogar mehr. Genug hat er deshalb noch lange nicht vom Gefährt auf zwei Rädern.

"Im nächsten Jahr habe ich wieder ein Projekt. Ich will die TransAlp fahren mit Daniel Federspiel. Die Projekte gehen nicht aus."

Der Ausgleich scheint ihm gut zu tun und hilft beim Abschalten: „Im Winter gibt es kein Radfahren und im Sommer kein Snowboarden.“

"Mission Gold"

Für die neue Saison gibt Karl die "Misson Gold" aus. Sein Ziel ist also klar, seine Erwartungen hoch. "Generell erwarte ich, dass ich heuer stärker bin als im letzten Jahr."

Dass er damit nicht alleine ist, schwant ihm selbstverständlich, doch es stört ihn nicht.

"Die Konkurrenz ist sicher nicht schwächer geworden, aber das macht es nur spannender. Es gibt nichts Geileres, als gegen starke Gegner zu fahren. Bei einem dichten Feld ist ein Sieg umso wertvoller.“

Warum ihm eine schwierige Kindheit im Nachhinein geholfen hat, wie er mit seinem neuen Cheftrainer zurechtkommt und was das Besondere an einem Extrem-Radrennen wie dem Race Around Austria ist, verrät er im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Wie geht es dir und wie verlief die Vorbereitung?

Benjamin Karl: Danke, mir geht es sehr gut. Die Vorbereitung war heuer der Hammer. Ich habe mein Board gewechselt und das Training mit dem neuen Material lief von Anfang an sehr gut. Es war größtenteils schön und auf den österreichischen Gletschern sowie rundherum herrschten perfekte Bedingungen. Doch so viel kann man noch nicht sagen. Bei den Nord-Amerika-Cups geht es dann ernsthaft los. Da kann man auch erstmals richtig einschätzen, wie es läuft und wie weit man ist. Vorher ist alles nur Zahlenspielerei und Hoffnung.

LAOLA1: Fiel dir die Materialumstellung nach neun Jahren schwer?

Karl: Grundsätzlich bin ich ein sehr markengebundener Mensch. Wenn ich einmal irgendwo bin, bin ich sehr loyal. Aber ich brauchte eine Veränderung, auch in Bezug auf die Motivation. Mit Kessler habe ich den perfekten Partner gefunden, der sich sehr gut an mich anpassen kann und der total viel Knowhow hat.

LAOLA1: Du hast am Race Around Austria teilgenommen (Rang vier im Viererbewerb mit Christoph Sumann, Andreas Goldberger und Alex Naglich) – wie kam es dazu und wie hast du das Rennen erlebt? Würdest du es noch einmal machen?

Karl: Es war ja mein insgesamt dritter Start und es hat mir so getaugt. Am Anfang habe ich es als Spaß mit Freunden angefangen, einfach so. Wir haben gesagt, wir schauen mal, wie das so ist, wie weh das tut, wie lang es ist und wie es mit dem Rhythmus und dem Fahren am Tag und in der Nacht klappt. Dann habe ich mir gedacht, ich würde gerne das Stockerl erreichen, aber nicht mit irgendwem, sondern mit Freunden aus dem Sport. Ich habe es interessant gefunden, aus verschiedenen Sportarten Sportler zu finden und es war eine Riesengaudi. Am Ende haben wir um drei oder vier Minuten das Podest verpasst. Das ist überhaupt nichts auf zwei Tage und neunzehn Stunden. Es war ein super Projekt und ich würde es auf alle Fälle wieder machen. Vielleicht nicht gleich im nächsten Jahr, weil der Aufwand einfach enorm ist.

LAOLA1: Seit diesem Winter habt ihr einen neuen Headcoach, wie läuft es mit ihm?

Karl:  Sehr gut. Ich kenne Bernd Krug schon seit 2005, seitdem ich in den Weltcup aufgenommen wurde. Er war seither immer Co-Trainer und wir sind sehr gute Freunde. Als Cheftrainer hat er sich sehr professionell ins Zeug gelegt, er hat den gewissen Abstand und weiß auch, dass er der Chef ist. Er macht das sehr gut und wir haben wieder ein richtig gutes Teamklima, das ist über die letzten Jahre ein wenig verloren gegangen. Das wird jetzt wieder aufgebaut und ich freue mich sehr darüber, wie es jetzt läuft.

LAOLA1: Welche Ziele hast du dir für die neue Saison gesetzt?

Karl: Eine Goldmedaille bei der WM im Lachtal holen, das ist mein ganz großes Ziel - die Mission Gold.

LAOLA1: Du schaffst es immer wieder, bei Großereignissen auf den Punkt fit zu sein. Was ist dein Geheimnis?

Karl: In Wahrheit habe ich kein richtiges Rezept dafür. Ich bin einfach talentiert, mich auf Großereignisse so vorzubereiten, dass ich genau dann in Topform bin.

LAOLA1: Hast du neben der WM heuer noch andere Ziele?

Karl: Ein großes Ziel wäre es, auch mal wieder den Gesamt-Weltcup zu gewinnen. Das ist einfach toll, wenn man so einen Glasbecher zu Hause stehen hat. Neben der WM will ich wieder im Weltcup konstant den Anschluss finden.

LAOLA1: Bei einer Heim-WM ist der Druck nicht gerade niedrig. Dass du gut mit Druck umgehen kannst, hast du ja des Öfteren schon gezeigt – zuletzt bei Olympia. Wie machst du das?

Karl: Ich glaube, es liegt in der Natur und der Persönlichkeit eines Menschen, wie er mit Druck umgehen kann. Vielleicht auch ein wenig an der Erziehung, wie man zum Sport gekommen, wie man aufgewachsen ist und mit welchen Hürden man schon zu kämpfen hatte. Es spielt auch eine Rolle, wie weit der Reifeprozess schon fortgeschritten ist. Ich habe in meinem Leben immer schon viel Druck gehabt. Meine Mom war allein erziehend, wir hatten keine Kohle. Es hieß immer: Entweder du schaffst es oder es geht eben nicht. Das hat sich durchgezogen und deshalb bin ich inzwischen immun gegen Druck.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Henriette Werner.

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