"Machen keine halben Sachen"

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LAOLA1: Wären Kameras an Helm oder Schlitten ein Schritt nach vorne?

Andreas Linger: Genau das haben wir beim Weltverband auch schon kritisiert. Der Platz, den wir am Schlitten haben, könnte man innovativ nutzen. Bei uns kann man alles Mögliche einbauen. Man kennt es vom Motorsport. Dann hat eben jeder von uns eine Attrappe drauf und bei drei, vier Leuten ist eben eine Kamera installiert. Wir haben unsere Meinung zum Besten gegeben, vielleicht waren beim Verband offene Ohren dabei.

LAOLA1: Bei all den vielen Glücksmomenten, die ihr während eurer Karriere hattet: Gibt es diesen einen Augenblick, der besonders hervorsticht?

Wolfgang Linger: Bei mir ist das nicht eindeutig, es sind zwei Momente. 2003 der Weltmeistertitel, weil wir als junge Wilde dazukamen, niemand hat uns zugetraut, dass wir gewinnen. Dazu 2006 unser erster Olympia-Sieg. Als kleiner Bub träumt man davon, als Sportler traut man sich kaum, von einer Medaille zu reden. Dass dann zu realisieren, war richtig cool.

Andreas Linger: Bei mir ist es ähnlich. Hinter jedem Erfolg, hinter jeder Medaille steckt eine eigene Geschichte, die prägend für uns war.

LAOLA1: Welchen Moment würdet ihr am liebsten wieder vergessen?

Wolfgang Linger: Meine Verletzung (2005, Anm.). Wenn du aber im Jahr darauf den Olympia-Sieg holst, siehst du locker darüber hinweg. Im Moment des Sturzes war das aber ein Schock. Es gab diese Ungewissheit, ob ich schmerzfrei fahren kann und wir den Schlitten umbauen müssen. Da waren Momente dabei, auf die man gerne verzichtet hätte.

Andreas Linger: Rein sportlich waren es die wenigen wichtigen Rennen, bei denen es nicht nach Wunsch verlief. Die Heim-WM 2007 in Igls war mit Platz vier nicht so, wie wir uns das vorgestellt hätten. 2009 der Sturz bei der WM, als wir super schnell unterwegs waren. Es ist Jammern auf hohem Niveau. Wir haben immer daraus gelernt und Dinge mitgenommen. Alles in allem hat es all die Erfahrungen, die wir gemacht haben, gebraucht, um in Sotschi Silber zu holen. Diese Medaille rundet die Karriere perfekt ab. Sie war schwer erkämpft und wir können daher mit Stolz aufhören.

LAOLA1: Wo seht ihr euch in fünf bis zehn Jahren? Gibt es Wünsche und Träume, die ihr euch erfüllen wollt?

Wolfgang Linger: Private Wünsche gibt es, bei mir steht Häuslbauen an. Beruflich habe ich kein konkretes Ziel. Ich will aber in dem, was ich tue, erfolgreich sein. Ich will etwas finden, wo ich gerne hingehe. Ich will gut darin sein und Spaß haben. Wir haben den Luxus, dass wir breit aufgestellt starten und selektieren können.

Andreas Linger: Privat bin ich schon happy. Beruflich will ich mich nicht konkret festlegen. Ich will mich von Gefühlen und Interessen leiten lassen. Es ist wichtig, dass wir die Sportlertugenden ins Leben danach bringen. Ich mache mir keine Sorgen, dass es uns dort hintreibt, wo wir hingehören. Ich will mir selber treu bleiben, dann werde ich mit dem zufrieden sein, was ich habe.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führten Daniela Kulovits und Christoph Nister

LAOLA1: Beneidet ihr manchmal Sportler anderer Sportarten, die beispielsweise in der ersten Runde eines Bewerbes ausscheiden und trotzdem mehr verdienen, als ihr in einer kompletten Saison an Prämien einnehmt?

Wolfgang Linger: Man darf nicht vergessen, dass es auch Sportler gibt, die ebenfalls alles gewonnen haben und trotzdem nicht dort sind, wo wir sind. Es gibt auch welche, die unter der Woche noch arbeiten müssen. Wir haben immer dafür gekämpft, dass wir den Sport bekannter machen. Man sieht ja anhand der TV-Zeiten den Marktwert einzelner Sportarten. In den letzten Jahren ist einiges passiert, auch wenn wir nicht dort sind, wo andere sind.

Andreas Linger: Grundsätzlich geht es um die Leidenschaft an der Sache. Du bleibst beim Rodeln hängen, weil es dich fasziniert und du nicht mehr davon loskommst. Das, was man macht, muss man gerne machen. Man sollte immer groß denken, aber es gibt uns schon so viel, dass das Finanzielle zwar wichtig ist, aber die Relationen stimmen müssen. Es geht uns gut, daher passt das schon.

LAOLA1: Bei euch stand immer die Liebe zum Sport im Vordergrund?

Wolfgang Linger: Auf jeden Fall!

Andreas Linger: Es ist das, was man von außen nicht sieht. Es geht darum, dass du in deinem Beruf aufgehst. Der Rodel-Sport hat uns als Jugendliche gefesselt und nicht mehr losgelassen.

LAOLA1: Wie betrachtet ihr die Entwicklung des Rodel-Sports? Wo seht ihr Verbesserungspotenzial?

Wolfgang Linger: Die Staffel ist ein super Bewerb und hat sich toll entwickelt. Es ist cool, sie anzuschauen und es war höchste Zeit, dass sie olympisch wurde. Ich sehe, dass noch einiges machbar wäre, was TV-Übertragungen betrifft. Wenn man sich andere Sportarten ansieht, erkennt man, dass es viele technische Möglichkeiten gibt. Es ist nicht schlecht bei uns, aber es gibt noch Potenzial.

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