Olympia 2018 in Pyeongchang

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Favorit Pyeongchang hat es im dritten Anlauf geschafft und lädt die Sportwelt im Jahr 2018 zu den XXIII. Olympischen Winterspielen ein.

Die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschied sich am Mittwoch in Durban schon im ersten Wahlgang für den südkoreanischen Bewerber, die beiden europäischen Konkurrenten München und Annecy gingen leer aus.

Das IOC belohnte damit das zehnjährige intensive und beharrliche Werben der Asiaten, die bei den Vergaben für 2010 und 2014 jeweils den Kürzeren gezogen hatte.

Klare Sache

Die Kleinstadt Pyeongchang bekam schon in der ersten Wahlrunde der 95 abstimmenden IOC-Mitglieder die absolute Mehrheit von 63 Stimmen. München erhielt 25, Annecy lediglich 7.

Um 17.18 Uhr MESZ verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge den Sieger. In der erleichterten südkoreanischen Delegation brandete Jubel auf.

"Das ist einer der schönsten Tage für unser Land, unser Volk und Millionen von Jugendlichen, die vom Wintersport träumen. Darauf haben wir lange gewartet", freute sich Bewerbungschef Cho Yang-ho in einer ersten Reaktion.

Deutschland als fairer Verlierer

Deutschlands Bundespräsident Christian Wulff, der die Münchner Bewerbung vor Ort unterstützt hatte, gratulierte dem Sieger.

"Wir wussten, dass es sehr schwer werden würde. München und Deutschland haben sich im Wettbewerb als sympathisch, offen und sportbegeistert dargestellt", erklärte er.

Hätte München den Zuschlag des IOC erhalten, wären auch Garmisch-Partenkirchen und der Königssee Austragungsorte geworden.

Allerdings war die Bewerbung in Deutschland nicht unumstritten. Gegner warnten vor Umweltschäden und finanziellen Risiken.

Neuerlicher Anlauf Münchens?

Die bayerische Niederlage hatte auch eine historische Komponente: 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 wollte München als erste Stadt der Welt das "Olympia-Double" schaffen.

IOC-Vize Thomas Bach war enttäuscht, zeigte sich aber gefasst. "Der Sport hat wieder gezeigt: Siege sind nicht alles. Aber Niederlagen sind auch nicht das Ende von allem. Wir müssen nun in Ruhe überlegen, ob es sinnvoll ist, sich noch einmal zu bewerben", meinte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Katarina Witt hatte Tränen in den Augen. "Es ist unheimlich schwer zu verstehen, wenn man wie wir heute so eine gute Präsentation abgeliefert hat", sagte die Kuratoriums-Vorsitzende und Doppel-Olympiasiegerin im Eiskunstlauf. Offenbar habe der "Mitleidsfaktor" für Pyeongchang nach zwei Niederlagen bei der Wahl eine Rolle gespielt.

Jubel in Pyeongchang

In Pyeongchang brachen hingegen Jubelstürme aus, die Menschen tanzten und applaudierten, als sie die Nachricht aus Durban erhielten.

Der Skiort hatte sich zuvor zweimal in Folge vergeblich als Austragsort beworben und war dabei an Vancouver (2010) und Sotschi (2014) gescheitert.

Unter dem Motto "Neue Horizonte" sollen die Spiele in Fernost vom 9. bis 25. Februar 2018 ausgetragen werden. Hinter der Bewerbung stehen finanzstarke Konzerne und die Politik.

Zum dritten Mal in Asien

Nach den japanischen Metropolen Sapporo (1972) und Nagano (1998) ist Pyeongchang erst die dritte asiatische und die erste südkoreanische Stadt, die Winterspiele veranstaltet. Europa und Nordamerika kamen schon 14 respektive 6 mal zum Zug.

Bereits bei den gescheiterten Bewerbungen waren Milliarden in die Infrastruktur investiert worden. In Südkorea war Olympia schon einmal zu Gast: bei den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

IOC geht weiter seinen Weg

Der Entscheid für Pyeongchang entspricht der Logik und passt bestens zur Sportpolitik des 21. Jahrhunderts.

Zuletzt hatte das IOC mit den Zuschlägen an Sotschi und Rio de Janeiro demonstriert, dass die Erschließung neuer Märkte höher gewichtet wird als olympische Traditionen.

Die Entwicklung ist beispielhaft für die allgemeine Stoßrichtung im Weltsport, wie sie sich auch in der jüngsten Wahl der Austragungsländer der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 (Russland) und 2022 (Katar) manifestiert hat.

Starke Bewerbung

Im Gegensatz etwa zu Katar vermag das Dossier von Pyeongchang aber praktisch auf der ganzen Linie zu überzeugen.

Das größte Fragezeichen bildet die Feindschaft zum unberechenbaren Nachbarstaat Nordkorea. Von den (sicherheits-)politischen Bedenken abgesehen, spricht viel für eine olympische Erfolgsgeschichte.

Gut "gepolstert"

Finanzierungs-Probleme sind keine zu befürchten. Pyeongchang, das Zentrum für die Zeremonien sowie die Schnee- und Eiskanal-Sportarten, und die Küstenstadt Gangneung, wo die Curling-und Schlittschuh-Entscheidungen fallen werden, liegen nur eine halbe Stunde auseinander, was einer der größten Pluspunkte ist.

70 Prozent der Sportstätten sind bereits erbaut worden. Der missglückte Test, die von organisatorischen Pannen begleitete Biathlon-WM 2009, hat die Südkoreaner in ihrem Stolz verletzt. Sie werden das Bild bis 2018 zu korrigieren wissen.

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