Neuer Präsident und alte Fragen

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Drei Monate lang waren Österreichs Eisschnellläufer ohne Präsident. Seit vergangenem Samstag haben sie wieder einen.

Hans Spohn heißt dieser. Der Wiener führte einen von mehreren Vereinen eingebrachten Wahlvorschlag an und wurde im Rahmen der 104. ÖESV-Generalversammlung im Wiener Haus des Sports einstimmig gewählt. Er tritt die Nachfolge des glücklosen Ernst Falger an, der im Februar dem Widerstand einer vorstandsinternen Opposition kleinbeigab.

Spohn soll gemeinsam mit Vize-Präsident Werner Jäger das ÖESV-Schiff, das nach der Ära von Langzeit-Regent Manfred Zojer finanziell Schlagseite hat, wieder flott machen.

„Die Situation ist lösbar“, meint Spohn zuversichtlich. Dabei hatten erst im Februar Eltern sogar das Geld für Flugtickets zur Junioren-WM vorschießen müssen.

Wunsch nach Aufarbeitung

ÖESV-Präsident Hans Spohn

Das dringlichste Problem scheint für Spohn und sein Team demnach das finanzielle. Wie bereits seine Vorgänger erklärt auch der neue Präsident, dass es sich bei Eisschnelllaufen schließlich um eine saisonale Sportart handelt und Ausgaben deshalb zu einem großen Teil – nona – im Winter benötigt werden.

Die daraus entstehenden Engpässe wolle Spohn mit der Einrichtung einer Transaktionskasse abfangen.

Doch bis vor wenigen Jahren hatte der ÖESV diese Engpässe gar nicht. Der Grund waren Rücklagen von knapp 230.000 Euro, auf die bei Bedarf zurückgegriffen werden konnte. Geld, von welchem nach der Hof-Übergabe Zojers 2014 jedoch nichts mehr übrig war.

Mit dem Rätsel rund um den Verbleib dieser Summe hatte sich schon der vorige Vorstand vergeblich beschäftigt. Die undurchsichtige Buchhaltung ließ jedoch nur Platz für Verdachts-Momente. Handfestes förderten die Nachforschungen nicht zutage.

Wie will Spohn mit dem Erbe Zojers umgehen? „Da habe ich mir noch kein genaues Bild gemacht“, schickt der 55-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 voraus. Er räumt jedoch ein, dass es im Verband einige Stimmen gibt, gemäß denen man das nicht so stehen lassen kann. Insofern will auch die neue Führung die damaligen Vorgänge rekonstruieren – „so gut es eben geht“.

Schwer nachweisbar

„Es steht außer Frage, dass die Buchhaltung nicht gepasst hat. Aber aus meiner Sicht als Rechtsanwalt weiß ich, dass es sehr schwer ist, einen Nachweis zu finden, ob sich hier tatsächlich jemand bereichert hat“, erklärt Spohn.

Sieht es bezüglich möglicher Nachforderungen also schlecht aus? Spohn: „Das ist auch mein aktueller Eindruck. Nichtsdestoweniger wird Hermann Filipic, der die Angelegenheit bekanntermaßen sehr kritisch sieht, die Dinge noch einmal aufarbeiten.“

Filipic ist designierter neuer Generalsekretär. Von 2004 bis 2006 bekleidete er das Amt des ÖESV-Präsidenten und hatte 2009 eine Klage eingebracht, da Ex-Sportkoordinator Marek Stanuch laut Abrechnungen in 24 Fällen an verschiedenen Orten gleichzeitig gewesen sein soll.

Ein bisschen Friede,…

Wie viele seiner Amts-Kollegen möchte auch Spohn versuchen, den Sport und die Athleten in den Vordergrund zu rücken. Seine Motivation erklärt er mit seinem Zugang zum Eisschnelllaufsport. „Mein Vater, Hans Senior, war in den 60er- und 70er-Jahren Verbands-Präsident. Eisschnelllaufen war für mich schon von klein auf mein Sport.“

In jungen Jahren hatte er sich selbst als Aktiver auf dem blanken Eis versucht. „Meine große Zeit war im Junioren-Alter, aber so eine richtig große Zeit gab’s bei mir eigentlich nie“, schmunzelt er. Dies sei vor dem Erwachen der Innsbrucker Zelle rund um Michael Hadschieff und Werner Jäger gewesen.

Während Studium und Arbeit verlor er den Eisschnelllauf-Sport etwas aus den Augen. Über Bekannte und besagten Jäger fand er nun wieder zurück.  „Für mich ist ausschließlich der Sport maßgeblich“, antwortet Spohn auf die Frage nach Zielen.

Kurz- und mittelfristig gehe es ihm dabei um drei Punkte:

  1. Die Innsbrucker Gruppe rund um Trainer Hannes Wolf soll ihre jüngsten Entwicklung fortsetzen. Bei Aushängeschild Vanessa Bittner, die heuer bei der Junioren-WM dreimal Gold holte, stehe die weitere Etablierung bei den Erwachsenen im Vordergrund.
  2. Im Short Track will man über die Installierung von vier bis fünf Schwerpunkt-Orten in Österreich international konkurrenzfähiger werden.
  3. Der ÖESV will sich um internationale Events bemühen. Die Junioren-WM im Short Track 2017 wurde Österreich bereits zugesprochen. In welcher Stadt diese stattfindet, ist indes noch offen. Zudem will man sich um die Ausrichtung einer Junioren-WM auf der 400m-Bahn bemühen.

Von Spohn nicht explizit genannt, aber zwischen den Zeilen herauszuhören, darf die Einkehr von etwas Ruhe auf dem Verbandssektor ebenfalls in diese Liste mitaufgenommen werden.

Reinhold Pühringer

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