Eisschnelllauf-Verband ist endgültig kopflos

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Ernst Falger ist nach nicht einmal einem Jahr als Präsident des Österreichischen Eisschnelllauf-Verbands (AIR) zurückgetreten.

Der Tiroler legte sein Amt am Montag im Zuge einer Kassa-Prüfung nieder.

Ganz verständlich ist der Rücktritt auf den ersten Blick nicht, denn mit der Kassa-Prüfung, die keine Beanstandung ergab, dürfte seine Entscheidung nichts zu tun haben.

Vielmehr ist sein Schritt ein Kleinbeigeben gegenüber der verbandsinternen Opposition, die ihm in den vergangenen Monaten erwachsen ist.

Ins Sportliche eingemischt

Falger folgt damit Michael Hadschieff, der jedoch etwas unfreiwilliger die AIR verließ. Der Generalsekretär hatte aufgrund seiner Arbeitsweise heftige Kritik geerntet. Mangelnde Rücksprache mit dem Vorstand sowie fehlende Vorstandsbeschlüsse wurden ihm vorgeworfen. Sein bis Ende 2014 datierter Vertrag, der laut Aussagen von Schriftführerin Dagmar Puffing nicht einmal alle notwendigen Unterschriften besaß, wurde nicht verlängert.

Etwas, das Falger nicht auf sich sitzen lassen wollte und deshalb über die Medien den Rücktritt von Puffing sowie Vize-Präsidentin Irene Stelzmüller einforderte. Da dies aber bis zum Ende des von ihm gesetzten Ultimatums nicht geschah, trat der Präsident nun zurück.

Falger hatte Hadschieff bei dessen „eigenständiger“ Arbeitsweise den Rücken gestärkt. Auf der anderen Seite wurden dem Präsidenten auch Einmischung in sportliche Belange vorgeworfen, als er die Aufstellung beim Massenstart-Weltcup in Berlin bestimmte. Dort ordnete er den Einsatz seines Vereinsschützlings Bram Smallenbroek an.

Im Krankenstand

Bei der nunmehrigen Kassa-Prüfung war vom Vorstand – abgesehen vom Präsidenten – niemand eingeladen und deshalb auch niemand anwesend. Dass auch die Kassierin selbst nicht dabei war, lege laut Stelzmüller daran, dass sich Puffing aufgrund eines Sturzes seit Dezember im Krankenstand befindet.

Die Aussagen Hadschieffs, wonach die AIR-Sekretärin Christa Novak ihre Arbeit eingestellt habe und das AIR-Büro seit zwei Wochen unbesetzt sei, erklärt die Vize-Präsidenten für unwahr: „Sie hat vollkommen geregelt gearbeitet.“

Belege ja, Beschlüsse eher nein

Demnach sei bei der Kassa-Prüfung auch das Prädikat „nichts zu beanstanden“ etwas differenzierter zu sehen. Denn auch wenn die Belege mit den Ein- und Ausgängen übereinstimmen, werde es laut Stelzmüller für viele Belege nicht die notwendigen Vorstandsbeschlüsse geben.

Bis vor kurzem lagen die Zahlungsnachweise dem AIR-Vorstand gar nicht vor, weil diese bei einer von Hadschieff beauftragten Buchhaltungskanzlei waren.

Über die prekäre finanzielle Situation hat LAOLA1 bereits berichtet: So müssen Eltern aktuell das Geld für die Flugtickets zur Junioren-WM vorschießen.

Wahl im April

Ohne Präsident und ohne Generalsekretär stellt sich bei den AIR nun die Frage, wie es weitergeht.

Laut den Statuten muss sich der Vorstand innerhalb von 14 Tagen zusammenfinden , um binnen der nächsten zwei Monate eine Generalversammlung einzuberufen, bei welcher ein neuer Verbandschef gewählt wird. Bis dahin übernimmt ein Vize die Agenden des Präsidenten.

Aufgrund des Wettkampf-Kalenders bietet sich ein Termin nach Saison-Ende, also in der zweiten April-Hälfte, an.

Reinhold Pühringer

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