Die Eisprinzessin

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"Wir versuchen, dieses Thema auszublenden"

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Sie ist der Shooting-Star dieser Eisschnelllauf-Saison.

Die Rede ist von der erst 19-jährigen Vanessa Bittner. Das österreichische Ass auf Kufen fuhr gleich in seiner ersten Saison auf ein Weltcup-Podium und zeigte am vergangenen Wochenende bei der Einzelstrecken-WM in Heerenveen ihr Talent.

In ihren Paradedisziplinen auf 500 und 1.000 Metern sowie dem Massenstart fuhr sie dreimal in die Top 10, bei Letzterem verpasste sie die Medaillen als Fünfte äußerst knapp. Verschnaufpause gibt es keine, bereits am Freitag startet die Junioren-WM, wo sich die Tirolerin berechtigte Hoffnungen auf Gold machen darf.

Im LAOLA1-Interview spricht Vanessa Bittner nicht nur über ihre Ziele und Erwartungen, sie äußert sich auch zur Verbands-Krise.

 

LAOLA1: Letztes Wochenende stand für dich die Einzelstrecken-WM in Heerenveen an. Wie ist es dir dabei gegangen?

Vanessa Bittner: Auf jeden Fall besser, als ich gedacht habe. Ich habe mir erhofft, unter die ersten 15 zu kommen, dass ich es dann dreimal in die Top 10 geschafft habe, war schon cool. Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich dort weitermachen kann, wo ich im Herbst aufgehört habe.

LAOLA1: Den Massenstart hast du auf Platz fünf beendet, die Medaillen nur denkbar knapp verpasst. Trauerst du der ein wenig hinterher?

Bittner: Ich hatte nicht das Ziel, eine Medaille zu machen. Vielmehr bin ich mit dem fünften Platz einfach super zufrieden, das passt schon so.

LAOLA1: Dein Trainer Hannes Wolf hat vor der WM gemeint, an einem super Tag fährst du auch auf 500 bzw. 1.000 Meter in die Top fünf. Über die 500 Meter bist du mit Zeiten von 38,44 und 38,41 Sekunden Junioren-Weltrekord gelaufen. Am Ende war das aber „nur“ Platz zehn – war es kein super Tag?

Bittner: (lacht) Mit den Zeiten, die ich gefahren bin, bin ich natürlich schon sehr zufrieden, dass es sogar Junioren-Weltrekord war, ist unglaublich. Am Ende ist Platz zehn, gerade als Junior, auch ein tolles Ergebnis. Es war nicht mehr zu holen, alle Läuferinnen waren einfach sehr gut drauf.

LAOLA1: Du bist nun schon in Warschau, wo am Wochenende die Junioren-WM stattfindet. Ist es anstrengend, nach der Erwachsenen-WM auch daran teilzunehmen?

Bittner: Ich freue mich auf jeden Fall darauf. Auch weil es meine letzte Junioren-WM sein wird, die will ich noch einmal richtig auskosten. Anstrengend ist es aber schon, nächste Woche steht auch noch die Sprint-WM an. Es zehrt an den Kräften.

LAOLA1: Startest du in Warschau wieder in deinen drei Spezialdisziplinen?

Bittner: Ich möchte mehr fahren. Ich will auch auf den 1.500 Metern an den Start gehen und wenn ich gut drauf bin, auch noch die 3.000 Metern in Angriff nehmen, damit ich in der Allround-Wertung weit vorne bin. Es hängt aber stark von meiner Verfassung in Warschau ab.

LAOLA1: Ich habe mich bei deinen Trainingskollegen umgehört, die meinen, drei Goldmedaillen sind auf jeden Fall möglich. Wie siehst du das?

Bittner: Ich rede, ehrlich gesagt, nicht so gerne darüber, wie viele Medaillen ich mache. Einmal hoffe ich aber schon, dass ich gewinne. Realistisch ist es dennoch, dass ich drei mache.

LAOLA1: Schaust du mehr auf die Zeiten als auf die Medaillen?

Bittner: Naja, eigentlich geht es ja nur um die Medaillen bei einer WM. Ich rede nur nicht gern darüber.

Bittner versucht die Querelen auszublenden

LAOLA1: Du hast die Sprint-WM in Kasachstan bereits angesprochen. Bleibt die Zielsetzung ähnlich wie in Heerenveen? Also in die Top 10 zu fahren?

Bittner: Es ist auf jeden Fall schwerer, schließlich werden vier Strecken gewertet und diese Zeiten werden dann addiert. Dementsprechend muss man über alle vier Strecken schnell sein, damit man weit vorne liegt. Hoffentlich geht sich das aus.

LAOLA1: Sprich ein schlechter Tag und man hat alles verloren…

Bittner: Ja, das macht die Spannung aus.

LAOLA1: Du hast bereits erwähnt, dass das straffe Programm kräftezehrend ist. Vor der Saison meinte der nunmehrige Ex-Generalsekretär Michael Hadschieff, dass es dir im Vergleich noch an Kraft fehlt. Wie siehst du diese Aussage kurz vor Saisonschluss?

Bittner: Nach dem ersten Wettkampf-Block haben wir sehr hart trainiert, die ersten zwei Rennen sind aber sehr erfreulich gelaufen. Ich konnte die gleichen Leistungen wie am Anfang der Saison erbringen. Jetzt gilt es, die Form zu halten und nächstes Wochenende ist die Saison eh schon wieder vorbei.

LAOLA1: Heißt das, dass du beim Weltcup-Finale in Erfurt nicht mehr an den Start gehst?

Bittner: Nein leider, ich muss mich auf die Matura vorbereiten, deshalb verzichte ich auf die letzten Rennen.

LAOLA1: Wie schaut der Plan nach der Schule aus? Studieren?

Bittner: Ich habe mich bereits für das Heeressportzentrum angemeldet, da werde ich ab 1. Juli sein. Ansonsten weiß ich noch nicht, wie es weiter geht.

LAOLA1: Wie sieht dein persönliches Fazit deiner ersten vollen Saison aus?

Bittner: Es war sehr cool, gleich von Anfang an in der A-Gruppe vorne mitfahren zu dürfen und so einen überraschenden Saisonstart hinzulegen. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr so weiter geht.

LAOLA1: Wie sieht denn die Zielsetzung für die kommende Saison aus?

Bittner: Eigentlich habe ich gar keine konkreten Ziele. Einfach gut fahren, fertig, aus.

LAOLA1: Ein weniger erfreuliches Thema: Der Österreichische Verband befindet sich ziemlich in einer Krise. Belastet dich das als Athletin?

Bittner: Mich persönlich geht dieses Thema eigentlich nichts an, also interessiere ich mich da nicht wirklich dafür. Ich merke zwar, dass mein Trainer ein bisschen öfter gestresst ist und viel telefonieren muss. Wir Sportler versuchen aber, das auszublenden und sprechen darüber auch nicht.

Bei der "Tiroler Sportler-Gala" wurde Bittner bereits ausgezeichnet

LAOLA1: Du hast bei der Crowdfunding-Plattform „I believe in you“ ein Projekt eingreicht, um ein Laktatmessgerät zu bekommen. War dieses Vorhaben erfolgreich?

Bittner: Nein, leider nicht. Ich bin nach wie vor ohne so ein Messgerät.

LAOLA1: Warum braucht man so etwas überhaupt?

Bittner: Langfristig gesehen ist es schon wichtig zu beobachten, wie sich der Puls zum Laktatwert verhält. Sprich wenn man beim ersten Messen einen gewissen Puls und einen dazugehörigen Laktatwert erhält, beim zweiten Messen den gleichen Puls, aber einen niedrigeren Laktatwert hat, kann man einen Fortschritt erkennen. Umgekehrt natürlich genauso.

LAOLA1: Du bist eine der Nominierten bei der „Tiroler Sportlerin des Jahres“-Wahl, neben anderen Athletinnen wie Niki Hosp oder Janine Flock. Hast du Siegeshoffnung oder ist es einfach eine Ehre dabei zu sein?

Bittner: Es ist extrem toll dabei zu sein und neben anderen großen Sportlerinnen nominiert zu sein. Ans Gewinnen denke ich aber sicher noch nicht.

LAOLA1: Wir wünschen viel Erfolg in den nächsten Wochen!

Das Gespräch führte Julian Saxer

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