Malversations-Vorwurf im Bob-Verband: Wem glauben?

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Die Generalversammlung des Österreichischen Bob- und Skeleton-Verbandes (ÖBSV) am Dienstag wirbelte viel Staub auf.

Präsidentin Astrid Stadler und weitere Vorstandsmitglieder erklärten wegen finanzieller Ungereimtheiten ihren Rücktritt. Zudem soll sich die Mehrheit der Vereine gegen eine rasche Aufklärung von Malversationen, die durch die eingeschaltete Wirtschaftsprüfungkanzlei BDO aufgezeigt wurden, ausgesprochen haben.

„Die Kassierin hat ein Geständnis abgelegt, dass sie Förderungen mit falschen Belegen besteckt hat“, bestätigte Stadler gegenüber der APA.

Ganz anders hört sich jedoch die Erklärung von Roman Schobesberger an. Der Jurist übernimmt als Vize-Präsident zumindest interimistisch die Leitung des ÖBSV. Er sagt: „Es gibt keine Malversationen, weil kein Geld fehlt.“ Außerdem stellt er klar, dass sich die Vereine sehr wohl FÜR eine rasche Aufklärung der Sachlage ausgesprochen haben.

Wem Glauben schenken? Das Ratespiel beginnt.

 

Die eine Seite

Stadler begründet ihren Rücktritt als notwendige Konsequenz, da sich die Vereine gegen die Aufklärung gestellt haben. „Ich bin mit meiner Forderung, dass alles offengelegt und so der Weg zur Aufarbeitung geebnet wird, in der Generalversammlung gescheitert“, wird die ehemalige ÖVP-Nationalratsabgeordnete in einer ÖBSV-Aussendung zitiert, verfasst von Verbands-Sprecher Dominik Schrott. Der Obmann der Jungen ÖVP Tirol fand unter Stadler, die seit Juni 2014 im Amt war, den Weg in den ÖBSV.

Die BDO hat ein in der Buchführung nicht erfasstes Konto sowie Sparbuch gefunden, von dem gemäß Agentur-Meldung „derzeit nicht nachvollziehbare Geschäfte sowie zahlreiche ebenso nicht nachvollziehbare Bargeld-Transaktionen“ getätigt und von der Prüfung aufgedeckt worden sind.

Als Konsequenz daraus hat Stadler Generalsekretär Martin Kerbler in der Vorwoche fristlos entlassen. Die Kassierin, die auch jahrelang als Buchhalterin tätig war, musste ebenfalls zurücktreten. Demnach sollen 300.000 Euro von Sponsoren auf dem fraglichen Konto verbucht worden sein. „Warum tu‘ ich das nicht in die Buchhaltung? Der Generalsekretär selbst hat sich da Geld genommen“, beschuldigt Stadler den ehemaligen ÖBSV-Mitarbeiter.

„Die BDO hat mir gesagt, es ist ein ähnliches Muster wie im ÖOC, auch da hat es ein geheimes Konto gegeben und auch da hat es viele Bar-Transaktionen gegeben“, verweist sie auf den Jungwirth-Skandal.

 

Die andere Seite

Schobesberger hat mit der BDO, die erst einen Zwischenbericht vorgelegt hat, ebenfalls das Gespräch gesucht und kommt zu dem Schluss, dass es sich hierbei um keine Malversationen handelt. „Weil dem Verband kein Geld verloren gegangen ist. Bis jetzt ist alles da!“

Die Formulierung „geheimes Konto“ sieht er als nicht ganz treffend. „Es hat sich herausgestellt, dass Konto und Sparbuch nicht in der Vermögensaufstellung des ÖBSV aufscheinen, was sie aber hätten tun müssen“, spricht er von einem begangenen „Formalfehler“.

Die Darstellung Stadlers könne Schobesberger nicht nachvollziehen, weil sie vom Konto gewusst haben muss: „Schließlich hat sie die Zeichnungsberechtigung dafür unterschrieben.“

Auch dass sich die Mehrheit der Vereine in der Generalversammlung gegen eine weitere Aufarbeitung ausgesprochen hätte, erklärt er für falsch. „Frau Stadler hat nach ihrem Rücktritt den Raum verlassen, da hat sie nicht mehr gehört, dass die Klubs noch Fragen zu den BDO-Ergebnissen gestellt haben und anschließend alle für weitere Prüfungen waren.“

Hintergrund dazu: Ausgehend von Vorfällen im vergangenen Dezember, die vorerst nur den Beteiligten bekannt sind, galt das Arbeitsklima zwischen Stadler und Kerbler als vergiftet. Als der Generalsekretär, der bei den Klubs ein gutes Standing hat, dienstfrei gestellt wurde, fühlten sich die Vereine von der weniger populären Stadler im Regen stehen gelassen und wollten Antworten.

Diese wollte Stadler den ÖBSV-Mitgliedern in Form des Prüfungsberichtes liefern. Kerbler, der Stadler bei der Aufklärung der Begebenheiten nicht Rede und Antwort stehen wollte, hatte in der Zwischenzeit die Fristlose ausgesprochen bekommen.

Schobesberger: „Kerbler hat uns nach dem Rücktritt Stadlers seine vollste Mitarbeit bei der Klärung zugesichert.“

Auf LAOLA1-Nachfrage, wie das Geständnis der Kassierin einzuordnen sei, räumte der nunmehrige Verbands-Chef jedoch ein, dass er das nicht ausreichend kenne.

 

Wie geht es weiter?

Weitere BDO-Untersuchungen sollen klären, was mit dem Geld wirklich geschah. Im Juni soll im Zuge einer Generalversammlung neu gewählt werden.

Bis dahin werden Schobesberger und Co. die Verbands-Agenden weiterführen. Für die Heim-Weltmeisterschaft in knapp einem Jahr in Innsbruck soll das entstandene Chaos keine Konsequenzen haben.

Fürchtet Schobesberger negative Folgen bei der Behandlung durch den Fördergeber, da Stadler schließlich dem Bundes-Sportförderfonds (BSFF) vorsitzt? „Ich hoffe nicht, dass sie derartig dem Bob- und Skeleton-Sport schadet.“

 

Reinhold Pühringer

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