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Das Hoffen auf schmutzige Bettwäsche

Hermann Maier. So lautet bei den Alpinen die wohl häufigste Antwort auf die Frage nach dem Vorbild. Dabei reicht die Begeisterung für den „Herminator“ weit über zwei Bretter hinaus.

Im konkreten Fall handelt es sich nämlich um deren vier und sie gehören Österreichs Skibob-Ass Gerhard Hauer jr..

Vergleiche zwischen dem 26-Jährigen und der alpinen Gottheit wären zwar zweifelsohne Blasphemie, aber bei genauerem Hinschauen lassen sich zumindest ein paar Parallelen erkennen.

Vorwärtsrolle fleißig geübt

Da wäre gleich einmal die Unkaputtbarkeit beider. Zwar bleiben Maiers in Nagano unfreiwillig gesammelte Flugmeilen wahrscheinlich uneinholbar, aber Hauer absolviert seine dafür mit einer gewissen Regelmäßigkeit.

„Heuer hat es mich schon dreimal überschlagen“, meint der Oberösterreicher mit einem verschmitzten Lächeln. Zweimal davon stieg er sogar über den Lenker ab. „Danach musste ich erst wieder eingerenkt werden.“

Gröbere Verletzungen waren aber nicht dabei. „Mir hat es zwar zwei Ski zerfetzt, aber ich sage immer, zuerst geht das Material kaputt, dann erst der Körper.“

Krafttraining mit dem richtigen Kick

Damit auch wirklich zuerst das Material bricht, dafür sorgt eine Extra-Portion Krafttraining, das er zuletzt verstärkt hat.

Wie viel er maximal bankdrückt, weiß er allerdings nicht. Der Grund dafür ist denkbar einfach: „Ich gehe immer alleine in die Krafkammer und da bin ich mir nie sicher, ob mich die übrigen Anwesenden bei diesem Gewicht auch wirklich sichern können“, versucht Hauer deshalb bei Alleingängen nicht zu viel zu riskieren. „Aber zuletzt habe ich sieben Mal 95 kg geschafft.“ Ohne Sicherung versteht sich.

Vier Tage, vier Rennen

In Sachen Weltcup-Siege hat Hauer, der seinen ersten Erfolg mit 19 Jahren einfuhr, in Bezug auf sein Idol noch großen Aufholbedarf. Da steht es 16 zu 54. Doch der Heeressportler, der bereits „über 40 Mal“ unter die besten Drei gefahren ist, macht Boden gut.

Am Donnerstag und Freitag gewann er den Riesentorlauf sowie den Slalom im polnischen Brenna, womit er seine Weltcupführung auf Landsmann Markus Moser gehörig ausbaute.

Moser verzichtete indes auf Polen, stattdessen bereitete er sich auf die am Samstag beginnende Weltmeisterschaft im tschechischen Destne vor. Hauer denkt da anders. Er will beides – WM und Gesamt-Weltcup.

Gerhard Hauer greift bei der WM an

„Ich bin erst Ende Jänner wieder richtig in Form gekommen. Mit zwei zweiten Plätzen beim Weltcup in Nauders habe ich die Weltcup-Führung zurückerobert. Mit ihr ist auch das Selbstvertrauen zurückgekehrt“, schildert Hauer, der nun vier Rennen in vier Tagen bestreiten wird.

„Nach dem Slalom fahren wir gleich weiter zur Eröffnungsfeier nach Destne.“ Dort finden die beiden Technik-Bewerbe Riesentorlauf (Samstag) und Slalom (Sonntag) statt. „Der Weltmeisterschafts-Super-G wird erst im Rahmen des Weltcupfinales am Hochficht (9. bis 11. März; Anm.) ausgetragen.“ Die Abfahrt wurde vom internationalen Verband (FISB), dessen Präsident Gerhard Hauer senior ist, 2007 aus dem Programm genommen.

Den Zimmerkollegen im Nacken

Die größten Titel-Chancen bei der WM hat Hauer im Riesentorlauf, wo er seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen möchte. Als schärfster Konkurrent gilt David Krejci, der eine tschechische Armada – Hauer: „Fünf von ihnen sind für eine Medaille gut“ – anführt.

Aus dem heimischen Lager muss Hauer neben Moser vor allem Christian Ablinger fürchten. „Das ist ein Duell mit meinem besten Freund. Wir teilen uns immer das Zimmer und trainieren auch gemeinsam.“

Keine Schmutzwäsche in der Öffentlichkeit

Wie bei so vielen anderen Sportlern fährt auch bei Hauer eine Portion Aberglaube den Hang mit hinunter. „Um ehrlich zu sein, wickle ich meine Ski vor dem Transport immer in Bettwäsche ein. Und wenn ich ein Rennen gewinne, dann nehme ich dieselbe noch einmal“, verrät Hauer, der hofft, nun nicht mehr so oft wie am Saisonbeginn waschen zu müssen.

Ein großes Anliegen des Athleten der Skibob-Union Linz wäre freilich, wenn seine Sportart medial auf mehr Interesse stoßen würde. Dies allerdings nicht um jeden Preis. „Ein Journalist hat mich einmal gefragt, ob er schreiben darf, dass ich meine Ski immer in die Bettwäsche meines ersten Mals einwickle.“

Das war ihm aber dann doch zu viel, weshalb er dankend ablehnte. Nichtsdestotrotz wird er aber wohl auch im Beantworten blöder Journalistenfragen noch Aufholbedarf auf sein Idol haben.

Reinhold Pühringer

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