Ein Leben voller Berg-und-Talfahrten

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Lasst uns einen Verband gründen!

Das sind jene fünf Worte, die vielen schon in den Sinn gekommen sind, wenn im Fernsehen die Rede von den Milliarden-schweren Rücklagen der sogenannten Non-Profit-Organisationen FIFA und IOC ist.

Oder in den Zeitungen graphisch die Vergabe des 80-Mio.-Förderkuchens des heimischen Sports aufgedröselt wird.

Einen gegründet haben letztlich aber nur die wenigsten von uns.

Einer, der das durchgezogen hat, ist Karl Posch.

Wobei der Oberösterreicher vielmehr bei einer Gründung mit dabei war und der Notgroschen der FIFA für ihn kein Entscheidungs-katalysierender Faktor war.

Nein, Posch und seinen Mitstreitern ging es um etwas anderes. Und zwar um die Entwicklung der österreichischen Skibergsteiger. Also jenem Sport, bei dem man den Berg auf Tourenskiern rauf- sowie runterbrettelt. Und das möglichst schnell, versteht sich.

Eine Geschichte allerdings, die wie so oft nicht friktionsfrei verlief.

Günstige Voraussetzungen

Dass das Leben eine Berg-und-Talfahrt ist, braucht man einem Skibergsteiger wie Posch nicht zu erklären. Doch der Geschäftsführer der 2006 gegründeten ASKIMO (Austrian Skimountaineering Organsiaton for Competitions) hatte nach dem Rauf kein Lust mehr auf das Runter.

Warum auch? Die Entwicklung der Organisation verlief gut. Die Sportart erfreute sich in den vergangenen 20 Jahren großem Zulauf. Der Breitensport-Sektor und mit ihm die Wirtschaft boomte. Laut ASKIMO-Zahlen gibt es in Österreich aktuell rund eine halbe Million Skibergsteiger. Freilich nimmt davon mit 6.300 nur ein Bruchteil aktiv an Wettkämpfen teil.

Der damit verbundene Wirtschaftszweig half, dass die Organisation auf finanziell guter Basis stand. Alleine im Winter 2012/13 wurden in Österreich rund 52.000 Paar Tourenski verkauft. Tendenz im Gegensatz zum alpinen Sektor weiter steigend.

Der Wille sich zu präsentieren

Aufbau und Unterstützung eines Nationalkaders sowie die Beschickung von Weltcup-Rennen konnten durch die ASKIMO vollends durch Sponsoren abgedeckt werden. Ohne einen einzigen Cent Förderungen.

Dementsprechend ist auch ihr Auftreten. Posch holt während des Gesprächs mit LAOLA1 eine strukturierte Vorstellungs-Broschüre sowie eine 84 Seiten starke Medienpräsenz-Analyse des Verbandes über das Jahr 2014 hervor. Dem folgt ein mündliches Angebot über Renn-Fotos, die nach jedem Bewerb zeitnah zur Verfügung gestellt werden können.

Schnell wird klar, diese Sportart steht seit jeher unter dem Druck, nur existieren zu können, wenn sie sich auf dem freien Markt durchsetzt. Die dahinterstehende Struktur ist abseits des ehrenamtlich fungierenden Vorstands mit Geschäftsführer Posch sowie der Generalsekretärin Anna Spielbüchler dementsprechend schlank aufgestellt.

Die Vorteile der Anerkennung

Alexander Fasser gehört zu den heimischen Aushängeschildern

Der Eindruck, dass sich hier jemand verkaufen will, bestätigt sich auch auf der Webseite. Die letzten fünf News-Einträge stammen aus den vergangenen vier Tagen (Stichprobe am 12.11.). Kein Vergleich zu den teils fast mittelalterlichen wirkenden und überholten Homepages anderer Verbände.

Unterm Strich ergibt sich ein Bild, das einen sehr erfrischenden Zugang zu Verbands-Arbeit und -Entwicklung zeigt.

Wenn dieser Weg bislang aber so gut funktioniert hat, warum dann eigentlich bei der Bundes-Sportorganisation (BSO) um die Anerkennung als regulärer Fachverband ansuchen?

„Weil wir an einen gläsernen Plafond gestoßen sind“, erklärt Posch. „Die Spitze ist für uns finanzierbar, aber alles was in Richtung Nachwuchs und Breite geht, dafür brauche ich eine Sportförderung.“ Doch abseits des schnöden Mammons gehe es noch um Dinge wie Zugang zu Schulsport, sportmedizinische Unterstützung oder auch neue Möglichkeiten in der Trainerausbildung.

Der Kuchen wird nicht größer

Da die Grund-Kriterien erfüllt waren, schien die Anerkennung als eigenständiger Verband für die Output-orientierte ASKIMO kein großes Hindernis darzustellen. Denkste. 2009 und 2010 blitzten die Skibergsteiger beim Fachrat, jenem Organ, das über eine Aufnahme abstimmt, ab.

Geschäftsführer Karl Posch

„Das war eine böse Überraschung für uns“, ortet Posch politische und monetäre Gründe. „Der Geld-Kuchen, der unter den Fachverbänden aufgeteilt wird, ist ja gleichbleibend. Kommen neue Mitglieder dazu, werden die Stücke für die anderen logischerweise kleiner.“

2009 wurde man direkt nach der Aufnahme von Frisbee abgelehnt. Ein Fachrats-Insider erinnert sich gegenüber LAOLA1 an eine sehr unglückliche Fügung, da die Aufnahme der Scheiben-Werfer mit hitzigen Diskussionen verbunden war und die Ausgangslage für weitere Kandidaten dadurch dementsprechend ungünstig gewesen sei. Und 2010 habe noch eine gewisse Reserviertheit aus dem Vorjahr bestanden.

In der Spur von Peter Schröcksnadel

Wie auch immer sind die Skibergsteiger seit heuer anerkannt. Allerdings nicht als eigenständiger Verband, sondern als Sparte des ÖSV. Auch wenn die Eingliederung dort nicht widerstandsfrei über die Bühne ging, lässt sie Posch dennoch zuversichtlich nach vorne blicken: „Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten begegnen wir uns Augenhöhe.“

Durch sein Knowhow stelle der ÖSV einen guten Wissenspool dar. „Hier finden wir Trainer für die verschiedenen Teile des Skibergsteigens vor, auch wenn die Kombination daraus freilich erst die Besonderheit der Sportart ausmacht. Auch können wir vom Materialwissen profitieren, was den ÖSV langfristig zum Idealpartner für uns macht.“

Das Ende einer Berg-und-Talfahrt. Zumindest metaphorisch.

Reinhold Pühringer

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