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Eine Wintersport-Woche zum Vergessen

Die erfolgsverwöhnten österreichischen Wintersportler erwischten eine rabenschwarze Woche.

Biathleten und Kombinierer fuhren historische Pleiten ein. Erfolgsgaranten wie die Alpinen Ski-Athleten oder die Springer mussten das Wochenende ohne Sieg beenden.

Es lief einfach nicht: Egal ob Einfädler (Hirscher), Krankheiten (Gruber), Material-Defekte (Schlierenzauer) oder Verletzungen (A.Matt) - die österreichischen Wintersportler hatten in der vergangenen Woche das Pech gepachtet.

Der einzige rot-weiß-rote Gewinner des Wochenendes, Boarder Andreas Prommegger, patzte nur zwei Tage nach seinem Sieg am Jauerling mit einem peinlichen Quali-Aus in Gastein.

Benjamin Karl ist seine Führung im Snowboard-Weltcup los, Marcel Hirscher sitzt nach der Nullnummer in Wengen ein gewisser Ivica Kostelic im Nacken.

LAOLA1 blickt auf die "schwarze Woche" der österreichischen Wintersportler zurück:

BIATHLON

"Meine Bilanz fällt natürlich durchwachsen aus, wir haben uns mehr erwartet", gestand Markus Gandler vor dem Wochenende in Nove Mesto im Gespräch mit LAOLA1. Für die Bewerbe in Tschechien gab sich der Tiroler höchst hoffnungsvoll. "Ich glaube fest daran, dass es nun bergauf geht."

Nur wenige Tage später herrscht nicht nur beim Sportdirektor Ernüchterung. Während das Einzel mit zwei Top-6-Plätzen (Mesotitsch, Eder) die Hoffnung auf Besserung schürte, folgte mit dem Sprint ein nicht für möglich gehaltener Tiefpunkt. Sechs Mann schickte der ÖSV in die Loipe, allesamt verpassten sie die Punkteränge. Lediglich Grossegger und Eder qualifizierten sich für die Verfolgung.

Dort folgte der nächste Tiefschlag. Eder ging erst gar nicht an den Start, um sich auf Antholz vorzubereiten. Grossegger absolvierte alle vier Schießen, ehe er aufgrund von Rückenschmerzen ausstieg. Somit war kein einziger rot-weiß-roter Vertreter im Endergebnis zu finden. Eine derartige Niederlage ist in der Neuzeit einzigartig. Und bleibt es hoffentlich auch.

NORD. KOMBINATION

Felix Gottwald zurückgetreten, Mario Stecher außer Form - Österreichs Aushängeschilder in der Nordischen Kombination reißen eine derart große Lücke in das Leistungsgefüge, dass dieses völlig auseinander bricht. In Chaux Neuve wurden drei Bewerbe ausgetragen, der ÖSV hatte nicht ein einziges Mal eine realistische Chance auf den Sieg.

Nachdem am Freitag Tomaz Druml als 15. für das Highlight aus rot-weiß-roter Sicht sorgte, war selbst das tags darauf eine Stufe zu hoch. Routinier Christoph Bieler lief als 18. über die Ziellinie. Selbiger zeichnete auch am Sonntag für das beste Ergebnis eines Österreichers verantwortlich.

Nach dem Springen Fünfter, büßte er über 10km Langlauf einige Positionen ein, bescherte aber sich und dem ÖSV-Team als Neunter das einzige Top-10-Ergebnis. Bitter: Mit Bernhard Gruber war ausgerechnet der derzeit stärkste Österreicher schwer von einer Verkühlung gezeichnet. Aus diesem Grund verzichtete er trotz seines dritten Platzes im Sprung-Durchgang am Sonntag auch auf ein Antreten im Langlauf. Im Ergebnis schien auch Mario Stecher nicht auf, der sich bei einem Sturz im Probedurchgang eine Knöchelblessur zuzog.

SKICROSS

Die Hiobsbotschaft aus dem Lager der Skicrosser gab es bereits am Mittwoch: Bei den Bewerben in Alpe d'Huez zog sich Aushängeschild Andreas Matt einen Bändereinriss samt Haarriss am Sprungbein zu. Weltcup-Titelverteidigung und X-Games-Teilnahme sind für den Tiroler damit dahin.

Dass ohne Matt im ÖSV-Team nicht viel geht, zeigten die Ergebnisse der letzten Woche: In vier Rennen (zwei bei Damen, zwei bei Herren) gab es zwar einen dritten Platz durch Andrea Limbacher. Daneben stand aber kein einziger weiterer Top-15-Rang zu Buche.

LANGLAUF

Im Langlauf hat Österreich schon lange nichts mehr zu lachen. Das vergangene Wochenende mit den Sprints in Mailand war da keine Ausnahme. Bernhard Tritscher war als 28. der einzige ÖSV-Vertreter, der die Qualifikation überstand. In seinem Viertelfinal-Lauf stellte er sich selbst mit seinem Stock ein Bein und musste seine Ambitionen früh begraben.

Im Teambewerb gab es immerhin eine Final-Teilnahme samt Rang zehn für das Duo Martin Stockinger/Aurelius Herburger. Und die österreichen Damen? Die machten sich erst gar nicht auf den Weg nach Mailand...

SKISPRINGEN

Geben sich die ÖSV-Adler bei einem Weltcup die Ehre, lautet die brennendste Frage: Gewinnt Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer oder Thomas Morgenstern? Kranjec und Bardal lautete am Kulm die Antwort. Den ÖSV-Adlern wurden im Ennstal die Flügel gestutzt, besonders Schlierenzauer traf es hart.

Der kaputte Reißverschluss samt notdürftiger Flickversuche kosteten ihm Tagessieg und die Weltcup-Führung. Und am Ende auch ein paar Nerven. "Ich hab' einfach viel zu viel Medien- und PR-Termine" beklagte sich der Stubaier in "Sport am Sonntag".

Von Kofler gab es keine mürrischen Töne, er nahm die Plätze 14 und 26 ruhig und gelassen hin. Einzig Morgenstern (Plätze 2 und 4) hielt sich schadlos. Besonders enttäuschend: "Flieger" Martin Koch verpasste jeweils die Top 10 und im zweiten Fliegen gab es erstmals seit 1991 keinen ÖSV-Podestplatz. Nicht unerwähnt sollen in diesem Zusammenhang Positiv-Schlagzeilen der Damen bleiben: Daniela Irschko sprang in Val di Fiemme gleich zweimal auf Rang zwei.

BOB, RODELN, SKELETON

Im Eiskanal herrscht im Regelfall tote Hose. Bob-Nation ist Österreich schon lange keine mehr. Immerhin gab es im Damen-Zweier in Königssee aber einen fünften Platz zu feiern.

In Oberhof waren die ÖRV-Rodler nur Zuschauer bei den deutschen Festspielen. Das Parade-Duo Linger/Linger holte Rang drei im Doppelsitzer, konnte die Weltcup-Führung aber nur dadurch behaupten, dass Eggert/Benecken ihren Landsleuten Wendl/Arlt den Sieg wegschnappten. Im Einsitzer reichte es gerade noch zu den Top-10, im Teambewerb ließ man nur Lettland, die Slowakei, Polen und Rumänien hinter sich und musste sich mit Platz sechs begnügen.

SKI ALPIN

So gut hatte das Jahr 2012 für die ÖSV-Herren begonnen, Marcel Hirscher sei Dank. Aber in Wengen riss die Serie des jungen Salzburgers. Einfädler im Slalom auf dem Weg zur absoluten Bestzeit. Immerhin: Hirscher bleibt die Nummer 1 im Gesamt-Weltcup, Ivica Kostelic hat aber nach seinem Doppelpack nur mehr 30 Punkte Rückstand.

Eingefädelt haben auch Reinfried Herbst und Rainer Schönfelder, der bei seinem Abflug Glück im Unglück hatte und unverletzt blieb. Der „Adler vom Arlberg“ breitete nur im ersten Durchgang seine Flügel über dem Lauberhorn aus. Im Finale flog dann Kostelic auf das oberste Treppchen, Mario Matt blieb nur der 4. Platz.

Für den einzigen ÖSV-Stockerlplatz in Wengen sorgte Hannes Reichelt mit Platz zwei in der Abfahrt, in der freitägigen Super-Kombi war Benni Raich als 7. bester Österreicher.

In Cortina gingen die rot-weiß-roten Speed-Damen komplett leer aus: Elisabeth Görgl verhinderte in der Abfahrt mit Rang vier ein Debakel und war auch im Super-G als 8. unsere Beste.

SNOWBOARD

Die rot-weiß-rote Bilanz der beiden Heimrennen am Jauerling und in Bad Gastein: ein Sieg durch Andreas Prommegger und zwei dritte Plätze durch Marion Kreiner. Auf den ersten Blick eine solide Vorstellung, aber wer kein Brett vorm Kopf hat, der weiß: Das war nicht das Gelbe vom Ei.

Die favorisierten Benjamin Karl, der im Vorfeld bei LAOLA1 zwei Heimsiege angekündigt hatte und am Ende die Weltcup-Führung verlor, und Julia Dujmovits blieben weit hinter den Erwartungen, waren nur in der Quali schnell. „Wir haben uns mehr vorgenommen, leider hat es nicht gereicht.“

Jauerling-Sieger Prommegger verpasste „körperlich und geistig leer“ in Bad Gastein gleich die Qualifikation. Dafür hat sich der Jauerling gleich bei der Premiere für einen Fixplatz im Weltcup-Kalender qualifiziert: 5.000 Fans brachten den „Übungshang“ zum Beben!

Stephan Schwabl/Christoph Nister/Michael Höller

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