Mit dem Board seiner Brüder

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Mit etwas Verspätung fährt er im Achtelfinallauf des Parallel-Slaloms beim Europäischen Olympia-Festival für Jugendliche (EYOF) durchs Ziel.

Um in Brasov damit eine Runde weiter zu kommen, dafür reicht es für Luca Hämmerle zwar nicht, das tut aber seiner guten Laune keinen Abbruch. Der 16-Jährige strahlt unentwegt, ist gelöst.

Dazu hat er auch allen Grund. Denn seine EYOF-Medaille hat der Gaschurner schon längst in der Tasche. Genauer gesagt im Boardercross, wo er sich wenige Tage zuvor Silber sicherte.

Anderes Brett

Seine Teilnahme am Parallel-Slalom war mehr zu Trainingszwecken und kam für ihn ähnlich überraschend, wie für die meisten ÖOC-Funktionäre. „Das war die Idee des Trainers. Wahrscheinlich wollte er sehen, wie ich mich in diesem Bewerb mache“, lächelt der noch etwas schüchtern wirkende Youngster achselzuckend.

Während die Konkurrenz durchgehend mit den für den Bewerb wesentlich geeigneteren Race-Boards an den Start ging, versuchte sich Hämmerle mit einem Boardercross-Board. Hatte er keines oder wollte er sich keines ausborgen? „Nein, ich wollte mich gar nicht erst umgewöhnen.“

Daher ist es wohl umso erstaunlicher, dass er dennoch den Sprung unter die Top-12 schaffte. Damit sollte wohl klar sein, dass er über Talent verfügt. Doch sollte man sich deswegen den Namen Hämmerle für die Zukunft schon mal vormerken? Nein, denn in Wahrheit sollte man ihn bereits kennen.

Tick, Trick und Track

Im Hause Hämmerle wächst nämlich eine ganze Boardercross-Dynastie heran. In dieser ist Luca der Jüngste. Seine beiden Brüder Michael (21) und Alessandro (19) gelten als aufstrebende Talente im ÖSV-Stall.

Für Schlagzeilen sorgte zuletzt vor allem Alessandro, der vor wenigen Tagen ausgerechnet bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi seinen ersten Weltcup-Sieg holte. Kurzum: Das Boarden durch Schrägkurven mit drei Konkurrenten auf den Fersen liegt den Hämmerles im Blut.

Vieles vererbt, aber nicht alles behalten

Während in anderen Familien beispielsweise Hosen oder Hemden von einem Bruder an den nächsten weitergegeben werden, sind es bei den Hämmerles Boards und Ausrüstungsgegenstände. „Auch das hier ist von meinem Bruder“, deutet Luca auf sein „Brett'l“.

Doch damit ist nun allmählich Schluss. „Ja, bei der Ausrüstung bekomme ich jetzt schon meine eigenen Dinge“, lächelt er verschmitzt. Dennoch gibt es Sachen, die er sich nach wie vor gerne von seinen älteren Geschwister holt – nämlich Tipps fürs Rennen. Zumindest behauptet er das.

Denn als wir nachfragen, was der bislang letzte Ratschlag gewesen sei, will ihm dieser selbst nach angestrengtem Stirnrunzeln nicht mehr einfallen. Wer kann es ihm verdenken, denn 16 ist schließlich nicht das beste Alter, um immer auf das zu hören, was ältere Brüder einem sagen. Und in Brasov ist er damit ja offenbar nicht so schlecht gefahren.

Keine Schularbeiten im Winter

Besser hinhören muss Luca da schon im Mathematik. Denn angesprochen auf das Fach mit den vielen Zahlen und dem immer wiederkehrenden „x“ setzt beim Snowboard-Talent das bereits beobachtete Stirnrunzeln wieder ein. Es sei nicht so sein Fall, lautet die diplomatisch gehaltene Antwort. Genauer wollen wir es ohnehin nicht wissen.

Um dennoch konkreter auf seine schulische Situation einzugehen: Luca besucht derzeit die sechste Schulstufe des Ski-Gymnasiums Stams, in der in der neunten maturiert wird. Wobei die Regelmäßigkeit seiner Besuche schwer von der Jahreszeit abhängt.

„Im Winter sind wir schon viel mit dem Spot unterwegs.“ Was angesichts der Bezeichnung „Ski-Gymnasium“ freilich Sinn macht. Schularbeiten sind während der kalten Jahreszeit gar keine. Die drei jährlichen Stück teilen sich somit auf Herbst und Frühjahr auf.

Weg vorgezeichnet

Schulischer Werdegang und weiterer Karriere-Verlauf hängen für Luca zusammen, weshalb das vordergründige Ziel Matura lautet. Um im Anschluss daran auch auf dem Brett richtig zu gedeihen, ist es von entscheidender Bedeutung, in das ÖSV-Team reinzufahren.

Ein Weg, den ihm seine Brüder bereits vorgezeigt haben. Gehen muss er ihn trotz aller gehörten oder nicht gehörten Tipps aber alleine.

Aus Brasov berichtet Reinhold Pühringer

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