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EYOF: Am Ende bleiben 12 Medaillen & 1.783 Schuss

Zufrieden und amüsiert beobachtete Peter Mennel das Gedränge, welches beim abschließenden Foto aller österreichischen Medaillen-Gewinner des Europäischen Olympischen Jugend-Festivals (EYOF) in Brasov herrscht.

Mit der Rekordanzahl von zwölf Medaillen (2/4/6; Rang 5 im Medaillenspiegel) trat die rot-weiß-rote Delegation die Heimreise aus Rumänien an. Am fleißigsten im Edelmetall-Sammeln war Christina Ager. Die Skifahrerin holte Gold, Silber und Bronze. Da liegt es auf der Hand, dass Mennel das Bilanzziehen dementsprechend leicht fällt.

„Es freut mich riesig, für jeden dieser Sportler.“ Der ÖOC-Generalsekretär fieberte die ganze Woche sehr emotional mit seinen Sportlern mit und war sich auch selbst um die einfachsten Handgriffe nicht zu schade. Etwas, das man von seinem langjährigen Vorgänger Heinz Jungwirth ja nicht behaupten konnte.

„Ganz besonders freut es mich, dass die Alpinen, denen zuletzt ein Nachwuchsproblem nachgesagt wurde, derartig stark abgeschnitten haben“, so Mennel weiter. Für die nächste EYOF-Auflage, die in zwei Jahren mit Vorarlberg und Liechtenstein erstmals in zwei Ländern stattfindet, liegt die Latte somit hoch. Auch, was den Veranstaltungsrahmen betrifft.

Hype um Biathlon

Bei der Frage nach seinem emotionalen Höhepunkt der Woche in Brasov zögerte Mennel kurz. Wahrscheinlich, um die einzelnen Erfolge, von denen aus Sicht der Sportler wohl jeder einzigartig ist, nicht zu werten. Aber dann schlug schließlich doch Mennels Begeisterung für die Biathlon-Bronzene in der Mixed-Staffel am Schlusstag durch. „Erstens weil durch das Schießen einfach eine unglaubliche Spannung aufgebaut wird und zweitens weil die Medaille nicht unbedingt zu erwarten war.“

Zudem sorgten die Biathlon-Bewerbe für einen wahren Zuschauer-Boom. Rund 2.500 Fans säumten die Strecke. „Ein derartiges Zuschauer-Interesse kennen wir so in dieser Altersklasse nicht“, schüttelte auch Biathlon-Trainer Alexander Apolt fasziniert den Kopf.

Auch wenn Biathlon die Spitze bildete, ließ sich Apolts Aussage auch auf die anderen Sportarten umlegen. So reichte die Kapazität der Eiskunstlaufhalle beispielsweise nicht aus. „Rund 50 Leute mussten draußen bleiben, weil sie keine Plätze mehr ergatterten“, schildert Sparten-Trainerin Julia Kiefer, deren Schützling Sophie Almassy auf dem 14. Rang landete.

Soziale Gegensätze

Die österreichischen Coaches zeigten sich vom vorgefundenen Umfeld positiv überrascht. „Wir sind mit leichten Bauchschmerzen hergekommen, weil die meisten nicht wussten, was uns hier erwartet“, gesteht Apolt. Verstärkt wurden die Befürchtungen noch einmal durch die Fahrt vom Flughafen Bukarest in das rund 140 Kilometer entfernte Brasov.

Verfallene Bauten, Matsch statt Gehsteige und verrottende Kadaver von überfahrenen Hunden riefen dem Besucher in Erinnerung, dass er sich in einem der ärmsten Länder Europas befindet. Doch Brasov und insbesondere die umliegenden Orte, in denen Bewerbe ausgetragen wurden, bildeten eine Ausnahme. Die dortigen Ski-Ressorts sind vollgepflastert mit Hotels und Bars.

Dementsprechend sind auch die Sportanlagen, wobei hier erneut Biathlon den Vogel abschießt. Dem Vernehmen nach soll ein wohlhabender Privatier für den Bau der Anlage aufgekommen sein. „Die spielt alle Stückeln. Die das geplant haben, verstehen echt etwas vom Biathlon“, war Apolt tief beeindruckt.

Eine Rückkehr beispielsweise im Rahmen eines Trainingslagers wünscht er sich jedoch nicht. Der Grund sind die strikten Waffen-Bestimmungen in Rumänien. Nach jedem Rennen oder Training mussten die Gewehre weggesperrt werden. Trockentraining war somit nicht möglich. „Ich musste sogar jede Patrone nachzählen“, schüttelt Apolt, der mit exakt 1.783 Schuss das Land verließ, den Kopf.

Olympische Flagge weitergereicht

Brasov untermauerte, dass der Stellenwert des von Jacques Rogge einst initiierten EYOF weiter im Steigen ist. Das gilt sowohl in sportlicher Hinsicht als auch in Bezug auf die Professionalität der Veranstaltung.

„In praktisch jeder Sportart sind die absolut Besten des Kontinents am Start. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall“, bestätigte Alpinen-Coach Rupert Kriebernegg, für den Brasov sein bereits sechstes EYOF ist.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es für Vorarlberg und Liechtenstein mit Blick auf 2015 noch ein Schäufelchen draufzupacken gilt. „Das ist eine einmalige Chance für uns, uns zu präsentieren. Diese wollen wir nutzen“, meint Georg Hoblik, Vorstand der Silvretta Montafon Bergbahn AG. Dabei wolle man vor allem auf die lange Wintersport-Tradition sowie den authentischen Charakter der Bevölkerung setzen.

Aus Brasov berichtet Reinhold Pühringer

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