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Historisches Edelmetall für Biathletinnen bei EYOF

Die Bundeshymne ertönt, die österreichische Flagge wedelt im Wind und die drei Sportlerinnen auf dem Stockerl nehmen respektvoll ihre Mützen vom Kopf. Im Hintergrund brennt die Olympische Flamme. Auf der Medals Plaza im Vorarlberger Schruns haben sich trotz des starken Schneefalls jede Menge Leute versammelt, um den Medaillengewinnern des zweiten Tages der Europäischen Olympischen Jugendspiele (EYOF) zuzujubeln.

Erfreulicherweise hagelte es aus österreichischer Sicht auch am zweiten Tag jede Menge Edelmetall: Slalomläuferin Katharina Gallhuber gewann Silber, doch die Hymne lief in diesem Fall für Anna-Maria Schreder, die vor ihrer Teamkollegin Tamara Steiner sowie der Französin Emilie Bulle den 6 km langen Biathlon-Sprint sensationell für sich entscheiden konnte.

Die beiden trotzten den widrigen Bedingungen - dichter Schneefall und starke Windböen machten den Athletinnen am Bürserberg das Rennen schwer - und sorgten zudem für ein historisches Resultat: Noch nie seit der EYOF-Premiere Anfang der 90er-Jahre konnten heimische Biathletinnen einen der ersten drei Ränge belegen. Der Aufschwung, den der heimische Damen-Biathlon derzeit im Weltcup erlebt, wird somit auch von aufstrebenden Nachwuchs-Talenten eindrucksvoll bestätigt.

"Brutal nervös" zu Gold

"Es hat ein wenig gebraucht, bis ich es verstanden habe", gab die die 17-jährige Goldmedaillen-Gewinnerin, die seit zehn Jahren Biathlon betreibt, gegenüber LAOLA1 zu. "Ich habe zwischendrin schon gespürt, dass ich nicht ganz weit weg bin. Nach den zwei Nullern im Schießen habe ich gedacht, das könnte was werden." Schreder war vor dem Rennen "brutal nervös", am Mittwoch in der Verfolgung (7,5 km) will sie es lockerer angehen, zumal sie nun weiß, was sie erwartet. Und zudem die denkbar beste Augangsposition hat... "Nicht zu viel nachdenken und schauen, was passiert", lautet das Motto der Tirolerin, deren Vorbild genau wie selbst aus Hochfilzen stammt - Dominik Landertinger. 

Mit Simone Kupfner, die 2013 Platz 6 im EYOF-Sprint belegte und inzwischen bereits erfolgreich im Weltcup in der Staffel läuft, trainiert sie in einer Gruppe. "Da sieht man immer ganz gut, wo man hinwill." Auf eine Teilnahme an der Heim-WM in Hochfilzen angesprochen, lacht sie: "Das wäre natürlich nicht schlecht."

"Dirndl, gib Vollgas"

Auch Silber-Medaillen-Gewinnerin Tamara Steiner strahlt nach dem Gewinn der Silbermedaillen über das ganze Gesicht: "Das hätte ich nie erwartet, mein Ziel waren die Top Ten, darum ist es nun umso schöner".

Dies war nicht selbstverständlich: "Die letzte Runde war sehr zach, da musste ich ganz schön kämpfen, umso größer war die Erleichterung im Ziel, dass es für eine Medaille gereicht hat", beschreibt sie ihren Bewerb. "Die Trainer haben mir nach dem Liegendschießen gesagt, dass ich auf Platz zwölf liege, das fand ich läuferisch nach dem einen Fehler ganz okay. Dann habe ich stehend nen Nuller geschossen und gedacht, dass es vielleicht noch ein bisschen weiter nach vorne gehen könnte. Als sie geschrieben haben, 'Dirndl, gibt Vollgas, du liegst auf Platz zwei', habe ich Vollgas gegeben...".

Große Vorbilder

Die 17-Jährige, die aus der Ramsau stammt, bereits mit drei Jahren auf Skiern stand und vor sieben Jahren mit dem Biathlon begann, freut sich über die vielen Leute an der Strecke ebenso wie über den Erfolg ihrer Teamkollegin. "Das freut mich total für sie, auch, dass ich mit ihr auf dem Stockerl stehen darf. Sie geht zwar in Stams zur Schule und ich in Schladming, aber von den Rennen kennen wir uns schon und verstehen uns auch gut", so Steiner, deren Vorbilder im Damen-Bereich der Welt-Elite angesiedelt sind: Darya Domracheva und Gabriela Soukalova. "Ich habe sie schon öfter beim Training in Hochfilzen hautnah gesehen."

Dennoch sind ihre Ziel sehr bodenständig: "Erst einmal möchte ich die Schule fertig machen und hoffe, dass die nächste Saison gut verläuft. Dann wird man eh sehen, wie das so wird", so die Steirerin, die zugibt, dass das viele Training ("Wir trainieren jeden Tag, im Sommer haben wir am Sonntag frei, im Winter nicht, da haben wir die Rennen") oft auf Kosten von Freunden und Freizeit geht.

"Man muss schon einiges dafür aufgeben, für die Freundinnen hat man nicht immer so viel Zeit und kann nicht alles mitmachen… Aber so eine Medaille, die wiegt das alles auf."

 

Aus Vorarlberg und Liechtenstein berichtet Henriette Werner

 

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