Tournee: Nur Jacobsen stärker als Schlierenzauer

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Der Norweger Anders Jacobsen hat den favorisierten österreichischen und deutschen Skispringern zum Auftakt der 61. Vierschanzen-Tournee die Show gestohlen.

Der 27-jährige Tournee-Gewinner von 2007 feierte am Sonntag nach Sprüngen auf 138 und 139 Meter in Oberstdorf 11,6 Punkte vor dem Titelverteidiger und zweifachen Oberstdorf-Sieger Gregor Schlierenzauer (134,5/138,5) seinen siebenten Weltcupsieg, den ersten nach einer einjährigen Pause.

Der Deutsche Severin Freund (138,5/135,5) wurde mit 17,8 Punkten Rückstand nach dem auch von Wind und Trainertaktik geprägten spannenden Bewerb Dritter.

Triumphale Rückkehr

Jacobsen gelang bei dem Klassiker eine triumphale Rückkehr. Ausgerechnet in Oberstdorf, wo er zu seinen besten Zeiten nicht über einen vierten Platz hinausgekommen war, flog er nach starken Trainingsleistungen zum Sieg.

"Das ist wie ein Märchen. Ich habe in Engelberg mit der Form gekämpft, aber während der Weihnachtspause ist es im Training immer besser zusammengelaufen. Es fühlt sich einfach gut an", freute sich der Schützling des Tiroler Trainers Alexander Stöckl, der im Vorjahr als TV-Co-Kommentator bei der Tournee gewesen war.

Nichts vorzuwerfen

Jacobsen festigte mit der Bestweite im Finale seine Halbzeitführung vor Schlierenzauer. Bei ähnlichen Windbedingungen wie der Tiroler flog er trotz der von seinem Coach verlangten Anlaufverkürzung einen halben Meter weiter und erhielt zudem 3,7 Bonuspunkte mehr. Schlierenzauer, der Sieger von 2006 und 2011 auf der Schattenbergschanze, hatte sich aber nichts vorzuwerfen.

"Ich habe mitbekommen, dass es sehr weit geht, der Sprung war sehr gut. Ich kann sehr zufrieden sein mit dem Auftakt. Es gibt viele, die auf sehr hohem Niveau springen", sagte der 22-Jährige, vor dem Trainer Alexander Pointner im ersten Durchgang den Anlauf hatte verkürzen lassen. Über die Gesamtwertung brauche man jetzt noch nicht zu reden, betonte Schlierenzauer.

Freund komplettiert Podest

Severin Freund sorgte dafür, dass auch ein Athlet des dritten österreichischen Trainers, Werner Schuster, auf dem Podest stand. "Nach einem sechsten und vierten Platz bin ich sehr zufrieden", sagte der zweifache Saisonsieger, der als Co-Favorit in die Tournee gestartet war.

Oberstdorf war im Vorjahr fest in ÖSV-Hand gewesen, Schlierenzauer, Andreas Kofler und Thomas Morgenstern hatten für einen Dreifach-Erfolg gesorgt. Und nach zuletzt drei österreichischen Siegen gab es diesmal im Allgäu den ersten norwegischen Erfolg seit Sigurd Pettersen 2003 (damals Schanzenrekord mit 143,5 m).

Keine Enttäuschung

Der ÖSV-Cheftrainer war dennoch nicht enttäuscht. "Es war ganz schwierig. Der Wind hat so schnell gewechselt, gerade am Schluss. Wir sind froh, dass es so über die Runden gegangen ist", sagte Alexander Pointner.

Er freute sich über die Leistung von Manuel Fettner (136,5/131,0), der Siebenter wurde. "Ich habe einiges getestet, mich gesammelt, mich gut eingestellt und eine gute Leistung gebracht", erklärte der Tiroler. Für Wolfgang Loitzl blieb nach guten Sprüngen der 14. Platz.

Erneut disqualifiziert

Dennoch gab es für das ÖSV-Team zwei große Enttäuschungen. Der achtplatzierte Andreas Kofler wurde nach der finalen Inspektion nachträglich disqualifiziert. Da waren schon die offiziellen Ergebnisse ausgedruckt.

Dieses Missgeschick war dem Ex-Tourneesieger wegen eines zu weiten Anzugs auch schon beim Mixed-Bewerb zum Saisonauftakt in Lillehammer passiert.

Morgenstern gefrustet

Und Jungvater Thomas Morgenstern (119,5 m), der Tourneesieger von 2010, hatte wie auch Michael Hayböck (124,5) und Martin Koch (118,5) das Finale verpasst. "Der Frust ist natürlich groß", gab der zweifache Oberstdorf-Sieger Morgenstern zu, der damit aus dem Rennen um den Tournee-Sieg ausgeschieden ist.

"Wenn es von hinten hereinpfeift, ist man ausgeliefert. Ich nehme das Gefühl vom Probedurchgang mit, da ist es gut gelaufen. Ich werde sicher nicht den Kopf in den Sand stecken, in Garmisch geht es weiter", erklärte der Kärntner.

Seine Bilanz am Jahresende fiel wenig positiv aus. 2012 sei mit Ausnahme der Geburt seiner Tochter Lilly zum Abhaken, sagte Morgenstern. Pointner tat es leid für den Olympiasieger. "Er ist mit leuchtenden Augen angereist, hat gut gearbeitet und ist leider vom Wind ein bisschen abgeworfen worden."

 

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