Zauner: "Ich war in der Form meines Lebens!"

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Wer weiß, wie die letzte Saison verlaufen wäre, hätte sich David Zauner nicht ausgerechnet beim letzten Trainingssprung so schwer verletzt.

Vielleicht wäre er der Weltcup-Dominator geworden. Oder Tourneesieger. Oder gar Weltmeister.

Zauner war jedenfalls - so hört man es aus dem ÖSV-Lager - nach der letztjährigen Vorbereitung auf einer Stufe mit Thomas Morgenstern.

Und der hat bekanntlich alles abgeräumt.

Nach einem Jahr Verletzungspause ist Zauner wieder zurück.

Ausgerechnet in Lillehammer, dort wo die vergangene Saison endete, bevor sie überhaupt begann, wird der 26-jährige Steirer sein Comeback feiern.

Davor spricht Zauner im LAOLA1-Interview über seine harte Zeit, den folgenschweren Entschluss und Veränderungen in der Sichtweise.

LAOLA1: David, nach eineinhalb Jahren wirst du am Wochenende wieder einen Weltcup bestreiten. Wie groß ist die Freude?

David Zauner: Die Vorfreude ist schon sehr groß. Ich hupfe die ganze Zeit nur mehr herum und freue mich total, dass ich bald wieder springen kann.

LAOLA1: Genau vor einem Jahr in Lillehammer hast du dir das Kreuzband gerissen. Mit welchen Gefühlen bist du zurückgekehrt?

Zauner: Eigentlich mit guten Gefühlen. Ich habe damit bald abgeschlossen gehabt und war auch jetzt im Herbst zum Trainieren wieder da. Mir taugt ja die Schanze sehr gut, daher hat das mit der Verletzung überhaupt nichts zu tun.

LAOLA1: Wie schwer war das letzte Jahr für dich? Du wolltest die Verletzung ja am Anfang gar nicht wahrhaben, oder?

Zauner: Das stimmt. Ich bin in Lillehammer untersucht worden – allerdings ohne MR – und da wurde nur eine Bänderdehnung festgestellt. Also nichts Schlimmeres. Ich bin dann weitergeflogen nach Kuusamo, wo mich unser Arzt noch einmal untersucht hat. Er hat mir klipp und klar gesagt, dass das Kreuzband gerissen ist.

LAOLA1: Wie war deine Reaktion?

Zauner: Ich habe sehr aggressiv reagiert und ihn gleich mal rausgeschickt. Ich wollte es nicht wahrhaben und mich auch nicht operieren lassen. Darum habe ich alternative Methoden gewählt. Ich konnte auch relativ schnell wieder alles machen – nur halt nicht Skispringen. Beim Skispringen kommt es, wenn du weit springst, zu ungewöhnlichen Bewegungen und man hätte nicht sagen können, wie das Knie darauf reagiert hätte. Deshalb habe ich mich dann für eine Operation entschieden.

LAOLA1: Hast du vielleicht etwas zu lange mit der OP gewartet?

Zauner: Nein. Ein Comeback in der vergangenen Saison wäre sich ohnehin nicht mehr ausgegangen. Es gibt verschiedene Meinungen, wann man operieren gehen sollte. Ich für meinen Teil finde, dass es so gepasst hat. Ich kann mich wieder uneingeschränkt bewegen, alles ist wieder beim Alten. So schlecht kann mein Weg also nicht gewesen sein.

LAOLA1: Wie bitter war diese lange Zwangspause für dich? Vor allem unter dem Aspekt, dass du nach der Vorbereitung auf einer Stufe mit Thomas Morgenstern gewesen sein sollst.

Zauner: Es war schon sehr, sehr bitter. Ich bin nach einer guten Vorbereitung nach Lillehammer gekommen und war wirklich stark drauf. Ich würde sogar sagen, ich war in der Form meines Lebens. Es gab dann sogar Diskussionen, ob ich das letzte Training überhaupt noch machen soll. Ich wollte eigentlich gar nicht, da ich ohnehin so gut drauf war.

LAOLA1: Letztlich ein folgenschwerer Entschluss.

Zauner: Ja, leider. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich noch zwei Sprünge mache, um im Flow drinnen zu bleiben. Beim zweiten und letzten Sprung hat es mich dann bei der Landung blöd reingedrückt. Ich muss gestehen, dass ich mir die ersten Wettkämpfe schwer anschauen konnte. Es war immer ein weinendes Auge dabei, weil ich wusste, wo ich gestanden bin. Die Kollegen haben alles demoliert und ich konnte nur zuschauen. Es hat lange gedauert, bis ich das aus meinem Kopf draußen hatte.

LAOLA1: Man sagt ja, jede Verletzung hätte auch ihre positiven Seiten.

Zauner: Absolut. Ich habe im letzten Jahr wieder viel gelernt. Ich bin ruhiger geworden und meine Ansichten haben sich geändert. Früher war ich richtig getrieben, jetzt sehe ich Vieles entspannter. Die Dinge kommen ohnehin so, wie sie kommen.

LAOLA1: Wo stehst du heuer im Gegensatz zu deinen Kollegen?

Zauner: Das ist schwer zu sagen, da ich nur die Sommer-Sprünge als Vergleich habe. Da war ich schon wieder vorne dabei. Ich denke, dass ich auch im Winter gute Leistungen zeigen kann. Vorausgesetzt ich bleibe gesund.

LAOLA1: Springt die Verletzung im Hinterkopf mit?

Zauner: Nein, überhaupt nicht. Bei den ersten Sprüngen nach meiner Verletzung habe ich schon noch zurückgezogen. Gerade bei der Landung. Aber jetzt ist wieder alles beim Alten. Die ganzen Abläufe sind ja in meinem Kopf eingespeichert.

LAOLA1: Du hast dir schon in deiner Skisprung-Debütsaison eine schwere Verletzung zugezogen. Beginnt man da nicht irgendwann zu hadern?

Zauner: Ich würde es nicht hadern nennen. Ich habe den Grund für die Verletzungen gesucht. Denn ich bin der Meinung, dass es immer irgendeinen Grund für eine Verletzung gibt. Vor zwei Jahren war ich einfach zu hart zu mir selbst. Jetzt bin ich lockerer geworden. Das Leben zeigt immer, dass es noch wichtigere Sachen als Skispringen gibt.

LAOLA1: Das ÖSV-Team hat in Kuusamo einen Auftakt nach Maß gefeiert. Was sagst du dazu?

Zauner: Der Auftakt war sensationell. Man kann nur den Hut ziehen. Für mich war die größte Überraschung Andi Kofler. Er hat doch im Sommer kaum trainieren können. Aber manchmal kommst du nach einer Pause wieder stärker zurück. Ich hoffe, dass das bei mir auch der Fall ist.

LAOLA1: Ihr habt viele starke Springer, aber nur sechs Startplätze. Für dich muss in Lillehammer einer weichen. Wie hart ist der Konkurrenzkampf?

Zauner: Wir haben eben viele Topspringer. Für Lillehammer war es vereinbart, dass ich fix einen Platz bekomme. Wie es danach weiter geht, wird man sehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich dabei bleibe. Wenn ich meine Leistung abrufen kann, springe ich auch die nächsten Wettkämpfe.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

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