Stoch: "Mein Material kann jeder fotografieren!"

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Was Matthias Mayer bei den Alpinen, nämlich "König der Skifahrer", war Kamil Stoch bei den Springern.

Der Pole hat in Sotschi Gold auf beiden Schanzen abgeräumt, war der "König der Schanzen". Wie vor ihm schon Simon Ammann (2002 und 2010) und Thomas Morgenstern (2006).

Jetzt konzentriert er sich auf das nächste Ziel. Der Pole will den Gesamt-Weltcup. Seine Führung will er ab heute in Falun (LAOLA1-Live-Ticker ab 16:30 Uhr) behaupten.

Unter den Olympia-Gratulanten befand sich auch der FC Liverpool. Via "Twitter" beglückwünschten die "Reds" ihren prominenten Fan.

Der 26-Jährige hat sich trotz des Rummels Zeit für ein Interview mit LAOLA1 genommen.

Die Themen lagen auf der Hand: Doppel-Gold, der Absturz der Österreicher und die Situation im Skispringen allgemein.


LAOLA1:
Kamil, wie fühlt es sich an, die Tradition fortgesetzt und die Goldenen auf Normal- und Großschanze gewonnen zu haben?

Kamil Stoch: Es ist großartig. Alle gratulierten mir, freuten sich mit mir. Aber ich selbst habe es, glaube ich, noch gar nicht richtig realisiert, was mir da gelungen ist. Es ist ein bisschen wie ein schöner Traum, aus dem man niemals aufwachen möchte.

LAOLA1: Die Gold-Party war ausgiebig?

Stoch: Nein, das Feiern und Trinken muss noch warten. Es gibt noch einige Ziele, die ich in dieser Saison erreichen möchte. Weil das Leben geht nach den Olympischen Spielen weiter. Zum Beispiel mit der Skiflug-Weltmeisterschaft. Dort möchte ich ausgeruht und fit an den Start gehen.

LAOLA1: Fit und ausgeruht waren in Sotschi auch die ÖSV-Adler. Haben Sie eine Idee, warum es dennoch nicht mit einer Einzelmedaille geklappt hat?

Stoch: Aus der Ferne ist das immer schwer zu beurteilen. Ich möchte jetzt nichts sagen, was ich nicht genau weiß. Ich habe nur gehört, dass es im Team ein paar Unstimmigkeiten gegeben hat. Aber Gregor, Thomas und die anderen sind super Athleten, die in der Saison noch einiges zeigen werden.

LAOLA1: Vielleicht auch eine technische Weiterentwicklung, immerhin wurde Forschungschef Toni Giger mit dem Fotoapparat beim Springen auf der Normalschanze erwischt.

Stoch: Ich habe von der Geschichte gehört, jedoch erst mit ein bisschen Verspätung. Während des Springens habe ich gar nichts mitbekommen. Aber von mir aus kann er alles fotografieren, ich habe keine Geheimnisse.

LAOLA1: Polen präsentiert in regelmäßigen Abständen junge Springer – was können Sie uns über das polnische Ausbildungssystem verraten?

Stoch: Darüber müsste man eigentlich mit unseren Coaches sprechen, die das System entwickelt haben und es in der täglichen Arbeit mit uns und den jungen Springern umsetzen.

LAOLA1: Es heißt, dass im polnischen Skisprung-Team ähnlich gearbeitet wird wie beim FC Barcelona. Also vom Nachwuchs bis zu den Profis mit einem System.

Stoch: Ja, das stimmt. Wir springen alle die gleichen Systeme. Dadurch gibt es viele Erfahrungswerte, die man analysieren und aus denen man Rückschlüsse ziehen kann. Das macht es den Jungen leichter, wenn sie in den Weltcup kommen.

LAOLA1: Sie sind der Überflieger in diesem Winter, haben in diesem Winter neben den beiden Goldmedaillen auch schon vier Weltcup-Springen gewonnen. Wie stehen Sie zur Kritik von Gregor Schlierenzauer, dass Skispringen durch Eingriffe wie Windpunkte nicht mehr nachvollziehbar ist?

Stoch: Ich weiß schon, dass der eine oder andere ein Problem mit dem neuen Reglement hat. Aber jede Sportart entwickelt sich weiter, auch beim Material. Deshalb können wir weiter springen, brechen Rekorde. Ich finde das jetzige System sehr gut, okay gut, aber was soll ich auch anderes sagen?

LAOLA1: Natürlich werden Sie nicht gegen ein System reden, das ihnen offenbar zugute kommt. Aber die Fans daheim, können die Skispringen überhaupt noch verstehen?

Stoch: Vielleicht nicht beim ersten Mal und auch nicht beim zweiten Mal. Aber wenn sie sich ein bisschen mit den neuen Regeln auseinandersetzen, sich damit beschäftigen, dann werden sie sehen, dass Skispringen dadurch spannender geworden ist.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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