Eine frustrierende Situation

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Chef-Trainer Andreas Felder: "Das ist frustrierend"

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Die Skisprung-Herren hat er schon trainiert, die Kombinierer ebenfalls.

Auch den Nachwuchs hatte Andreas Felder bereits unter seinen Fittichen.

Inzwischen hat er seine "Sammlung" komplett, denn seit dieser Saison hören die Damen auf das Kommando des ehemaligen Weltklasse-Skispringers.

"Man kann oft nicht ganz so direkt sein", erklärt der 52-Jährige im Gespräch mit LAOLA1, ansonsten gebe es kaum Unterschiede zu den Herren.

Was er von seinen Mädels erwartet, wie er Quereinsteigerin Eva Pinkelnig einschätzt und was er von der drastischen Reduzierung des Damen-Weltcup von 21 auf 14 Bewerbe hält, erklärt der Ex-Weltmeister im Interview.

LAOLA1: Du hast bisher im Herrenbereich gearbeitet und dich auch schon um den Nachwuchs gekümmert. Jetzt bist du Cheftrainer der Damen – was macht den Reiz dieser Aufgabe aus?

Andreas Felder: Der Reiz ist immer wieder der gleiche: Aus den Athleten, die einem zur Verfügung stehen, das Maximum herauszuholen, damit sie ihre optimale Leistung abrufen können. Bei den Damen ist es ähnlich wie bei den Herren, man kriegt die Springer auf einem zum Teil sehr hohen Niveau. Die Luft im Weltcup ist sehr dünn, das macht dann auch den Reiz aus, das Letzte aus ihnen rauszuholen.

LAOLA1: Ist die Arbeit mit Damen schwieriger?

Felder: Das würde ich nicht sagen, auch wenn man darauf Rücksicht nehmen muss, dass es Frauen sind. Da kann man oft nicht ganz so direkt sein wie bei einem Mann. Sie wissen aber, was sie zu tun haben. Insgesamt darf man in diesem Bereich nicht zimperlich sein. Jeder muss sich ein bisschen anpassen.

LAOLA1: Wie würdest du euren Sommer zusammenfassen?

Felder: Anfang der Saison hatten wir ein bisschen Sorgen. Zu Beginn hatte ich nur eine Athletin, die voll trainieren konnte. Der Rest kam langsam dazu, erst Ende August waren wir komplett. Die Knieverletzungen von Dani (Iraschko-Stolz), Jaci (Seifriedsberger) und Chiara Hölzl waren der Grund dafür, dass ich eine Zeit lang nur mit unserer Quereinsteigerin Eva (Pinkelnig) trainieren konnte. Das Sprungtraining haben wir in den Herbst verlegt, die Vorbereitung würde ich trotz allem als gut bezeichnen. Alle sind fit, körperlich und von den Sprüngen her passt es.

LAOLA1: Daniela Iraschko-Stolz findet es "zum Verzweifeln", dass der Weltcup von 21 auf 14 Stationen gekürzt wurde. Wie stehst du dazu?

Felder: Sicher hätte man gerne mehr Wettkämpfe. Wir haben uns super vorbereitet, haben jetzt einen Wettkampf und dann einen Monat Pause. Das ist natürlich frustrierend. Man muss ja auch die Zeit überbrücken. Jetzt müssen wir Trainingskurse einbauen, dabei sollte man schauen, dass man einen ordentlichen Weltcup hat, wie es auch in anderen Sportarten der Fall ist.

LAOLA1: Womit erklärt die FIS die Reduzierung?

Felder: Sie sagen, keine Veranstalter gefunden zu haben. Meines Erachtens hängen viele Dinge zusammen. Die Medien müssten mehr über Damen-Skispringen berichten, mehr Live-Berichterstattung wäre wichtig. Die FIS ist angehalten, uns öfter bei den Männern anzuhängen. Ich glaube, dass wir nur im Fahrwasser der Männer richtig auf die Beine kommen. Wenn es einen eigenen Weltcup gibt mit eigenen Stationen, wird es schwierig. Wenn die Herren in Zakopane sind und wir zur selben Zeit in Frankreich, werden die Sender lieber die Herren zeigen. Ohne Übertragung gibt es keine Veranstalter.

LAOLA1: Vor zwei, drei Jahren plante die FIS, beide Geschlechter möglichst häufig am selben Ort zu haben. Besteht die Gefahr, zum Spielzeug des Verbands zu werden, mit dem man Experimente veranstalten kann?

Felder: Es wird auch für (FIS-Renndirektor) Walter (Hofer) nicht leicht sein. Du kannst die Damen nicht das ganze Jahr auf den großen Schanzen springen lassen, da es für sie fast Flugschanzen sind. Es würde funktionieren, wenn die FIS auch bei den Herren wieder öfter Springen auf Normalschanzen durchführen würde, so wie es bei Olympischen Spielen der Fall ist. Wenn aber wie in Kuusamo nur eine 140m-Schanze da steht, haben die Damen dort nichts verloren, weil vielleicht zehn einen guten Sprung haben würden. Selbst die Kombinierer haben da ja Probleme.

Felders heißeste Eisen: Jacqueline Seifriedsberger und Daniela Iraschko-Stolz

LAOLA1: Als Erklärung heißt es häufig, die Fans würden die Athleten lieber auf den großen Schanzen sehen.

Felder: Viele reden sich das auch ein, die Springen auf der kleinen Schanze sind brutal spannende Bewerbe. Dazu gibt es auf der 90m-Schanze kaum Windprobleme.

LAOLA1: Im letzten Winter gab es vor allem bei den Damen extrem viele Knieverletzungen. Gibt es ein Rezept, um dem entgegenzuwirken?

Felder: Die FIS hat einen Schritt gemacht und die Anzüge weiter gemacht. Damit wird die Flugkurve leicht verändert, vor allem aber auch die Landegeschwindigkeit reduziert. Ich weiß allerdings nicht, ob sie die Athletinnen weiter so extrem weit springen lassen – dadurch wird die Belastung für die Mädchen natürlich sehr groß. Wir haben im Training mehr Umfänge trainiert, damit sie einen guten Grundstock an Muskulatur haben.

LAOLA1: Rücken-Protektoren waren ein großes Thema, es springen aber nur wenige Herren damit. Wie sieht es bei den Damen aus?

Felder: Da ist es dasselbe. Den nimmt keiner als Schutz her, weil es ja kaum Verletzungen am Rücken gab. Wenn, dann sieht man einen aerodynamischen Vorteil, aber die FIS hat das so eingeschränkt, dass es wohl kein Thema wird.

LAOLA1: Iraschko-Stolz fehlt der Gesamtweltcup noch in ihrer Sammlung. Was traust du ihr diesbezüglich zu?

Felder: Wenn das ihr Ziel ist, finde ich es super, weil es sehr reizvoll ist. Ich glaube allerdings, dass man das nicht planen kann. Entweder es läuft oder eben nicht. Jemanden, der bewusst seine Form über einen ganzen Winter steuern kann, wäre ein Wunderwuzzi, der sich dumm und dämlich verdienen könnte. Ich selbst war sechs Mal in den Top drei, nur einmal gelang mir der Sieg. Ich traue es Dani aber zu.

LAOLA1: Was darf man von Seifriedsberger nach ihrem Kreuzbandriss erwarten?

Felder: Technisch gefällt mir ihr Sprung irrsinnig gut, was viel wert ist. Sie tut sich momentan aber noch schwer, an ihr Limit zu gehen. Das wird sich mit der Zeit sicher legen. Topweiten stellen ein Problem dar, weil sie noch leichte Hemmungen hat. Je mehr Wettkämpfe hat, desto besser wird es sicher und dann traue ich ihr einiges zu.

LAOLA1: Was tut sich dahinter? Sind Hölzl oder Neuling Pinkelnig bereits an den beiden Etablierten dran?

Felder: Sie sind absolut dabei. Gerade Eva hat sich beispielsweise im Training sehr stark präsentiert und die älteren Mädels unter Druck gesetzt. Bei Eva müssen wir aber abwarten, wie sie es nervlich umsetzt, da sie doch zum ersten Mal im Weltcup dabei ist. Sie macht aber einen guten, reifen Eindruck, ist körperlich topfit und auch technisch schon sehr gut. Sie ist nicht weit weg von der Spitze.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Christoph Nister 

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