Stefan Kraft: "Die WM wäre das Ober-Ober-Highlight"

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Österreichs Springer-Nachwuchs hat es wahrlich nicht leicht.

Mit Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern, Andreas Kofler, Wolfgang Loitzl und Martin Koch gibt es im ÖSV-Adlerhorst fünf etablierte Stars, die seit Jahren überragende Leistungen bringen und daher zu Recht die Weltcup-Plätze „blockieren“.

Für die Jungen keine leichte Aufgabe, sich im Schatten der „Superadler“ einen Platz zu erkämpfen. Doch es gibt Hoffnung.

Michael Hayböck hat sich über den Sommer sein Ticket gesichert und ruft seit Saisonbeginn sehr solide Leistungen ab.

Die neue Springer-Kraft

In Bischofshofen sorgte nun ein weiterer Youngster für Furore. Stefan Kraft, ein 19-jähriger Salzburger, sprang sensationell auf den dritten Platz.

Der Führende im Conti-Cup, der für einen Tag gerne den Gegner von Stefan Raab mimen würde, sicherte sich damit ein Weltcup-Ticket für die Polen-Reise nach Wisla (heute ab 20:30 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) und Zakopane.

Traum von der WM

Im großen Interview lässt Kraft, der Skispringen für „das Coolste, das je erfunden wurde“, hält, die letzten Tage noch einmal Revue passieren.

Des Weiteren spricht der Shootingstar, der in der Wisla-Qualifikation den weitesten Sprung zeigte, über seinen Traum von der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft und den neu entfachten Rummel um seine Person.

LAOLA1: Stefan, du hattest nun einige Tage Zeit, um deinen Podestplatz in Bischofshofen sacken zu lassen. Hast du das Erlebte bereits verarbeitet?

Stefan Kraft: Ganz realisiert habe ich das noch nicht. Es war natürlich etwas Besonderes für mich, zudem war es ja auch noch daheim. Es benötigt sicher noch ein bisschen Zeit, aber vielleicht kommt das ja nach der Polen-Tour.

LAOLA1: Erster Schlierenzauer, Zweiter Jacobsen, Dritter Kraft – wie hört sich das an?

Kraft: Das gefällt mir richtig gut. Würde ich gerne öfter hören.

Kraft sprang bereits in seinem dritten Weltcup-Bewerb auf das Podest

LAOLA1: Was ging in dir vor, als du bei der Siegerehrung neben den beiden derzeit besten Skispringern stehen durftest?

Kraft: Ich habe die Momente genossen, die Fans beobachtet und gewusst, dass einfach sehr viel richtig gelaufen ist. Es hat unheimlich Spaß gemacht, dort oben stehen zu dürfen.

LAOLA1: In Innsbruck hast du bereits einen tollen Sprung im 2. Durchgang gezeigt. War das der notwendige Befreiungsschlag, um auch im Weltcup richtig durchzustarten?

Kraft: Ja, das hat mir sicher Auftrieb gegeben. Bereits im Training und in der Quali war ich schon ganz gut. Dass es allerdings dann so gut gehen würde, hätte ich nicht gedacht. Dieser zweite Durchgang hat mir natürlich großes Selbstvertrauen gegeben. Ich habe gesehen, dass ich mit meinen Sprüngen – natürlich gehört auch immer etwas Glück dazu – ganz weit vorne sein kann.

LAOLA1: Der Rummel um deine Person ist schlagartig gestiegen. Wie kommst du mit dem großen Medieninteresse klar?

Kraft: Mir gefällt das ganz gut – derweil zumindest noch. (lacht) Es ist einfach mal etwas anderes, es tut sich was und das finde ich ganz interessant.

LAOLA1: Bei Erfolg reißen sich viele um einen. Wie viele neue Freundschaftsanfragen hast du denn bereits erhalten?

Shootingstar Kraft träumt von einer Teilnahme an der Nordischen Ski-WM

LAOLA1: Du eilst derzeit von Erfolg zu Erfolg – erst die Siege im Conti-Cup, nun eroberst du den Weltcup. Doch was macht dich derzeit so stark? Was zeichnet den Skispringer Stefan Kraft aus?

Kraft: Ich habe im Sommer viel probiert und das passt alles richtig gut. Ich fühle mich wohl und weiß schon oben, wenn ich vom Balken wegfahre, dass ich weit springen werde. Es ist natürlich viel Kopfsache und da passt alles. Und jetzt, nach dem Springen in Bischofshofen, traue ich mich zu sagen, dass der mentale Bereich meine große Stärke ist.

LAOLA1: In welchem Bereich besteht noch Aufholbedarf?

Kraft: Ich könnte noch professioneller werden.

LAOLA1: Zu viele Partys, zu wenig Training?

Kraft: Nein, nein, das nicht. (lacht) Es geht eher darum, dass ich noch mehr tüfteln muss und mehr Material teste. In diesem Bereich besteht noch viel Luft nach oben. Wenn es läuft, will man es nicht unbedingt machen, es würde aber auch nicht wirklich schaden.

LAOLA1: Gibt es Springer, zu denen du aufschaust bzw. hast du konkrete Vorbilder?

Kraft: In unserem Team kann man von jedem lernen. Ich möchte von jedem das Beste mitnehmen und versuche, das alles zusammenzufügen. Einen bestimmten Springer gibt es allerdings nicht. Früher war es mal Janne Ahonen, mit dem ich mitgefiebert habe. Ich zeige allerdings doch etwas mehr Emotionen als er. (lacht)

LAOLA1: Abschließend noch kurz eine Frage zum Thema Twitter. Dort gibt sich jemand als Stefan Kraft aus und zwitschert spitzzüngig als dein „Alter Ego“. Hast du bereits davon gehört?

Kraft: Nein, bislang habe ich nichts davon gewusst, ich bin gar nicht auf Twitter. Aber vielen Dank für den Hinweis. Wahnsinn, was sich da tut. Ich werde mich auf jeden Fall darum kümmern.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Christoph Nister

Kraft: Puuh, da zähle ich gar nicht mehr mit. Die Fan-Seite ist allerdings brutal gestiegen. Vor der Tournee hatte ich an die 130 Likes und nun halten wir bei rund 6.000 – und das innerhalb weniger Tage (inzwischen sind es bereits rund 8.000 Likes, Anm. d. Red.)

LAOLA1: Wie darf man sich das vorstellen, wenn Fans dir Nachrichten schreiben? Beantwortest du diese nach Möglichkeit selbst?

Kraft: Eine Freundin von mir hilft mir, sie hat das Ganze begonnen. Zudem betreut mich auch meine Management-Truppe von JumpandReach. Und ich selbst versuche auch, immer wieder Aktuelles reinzustellen und zurückschreiben.

LAOLA1: Du hast nun – zumindest vorübergehend – einen Platz im Weltcup-Team erobert. Weißt du schon, wie lange du mit den ÖSV-Adlern unterwegs bist?

Kraft: Zunächst einmal nur in Polen. Danach gehe ich wieder raus, weil die Junioren-WM ansteht. Da kann ich noch sehr viel lernen, außerdem geht es um Medaillen. Das ist doch etwas Besonderes. Und wenn ich schon noch einmal die Chance habe, dabei zu sein, dann nehme ich das gerne mit. Wenn ich dann zur Deutschland-Tour wieder in den Weltcup einsteigen könnte, wäre das natürlich unheimlich schön.

LAOLA1: Musst du deine persönlichen Ziele neu definieren?

Kraft: Ja, die werde ich mir jetzt mal in Ruhe überlegen. Ich genieße es einfach mal, dann schauen wir, was rauskommt.

LAOLA1: Die Nordische WM ist nicht mehr fern, du hast im Gegensatz zu vielen anderen bereits einen Podestplatz in der Tasche. Geistert das Thema bereits irgendwo im Hinterkopf herum?

Kraft: Natürlich, auf jeden Fall. Das wäre dann das Ober-Ober-Highlight. Sollte es passieren, dass ich dabei wäre, würde ich es wohl gar nicht glauben können. Es ist aber durchaus realistisch und deshalb glaube ich daran.

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