Das Phänomen Schlierenzauer

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Thoma: "Schlierenzauer ist der Beste, den es gibt"

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Die Lobeshymnen nehmen kein Ende.

Nach dem zweiten Tournee-Sieg in Folge überschlagen sich die Experten mit Komplimenten für Gregor Schlierenzauer.

Wirklich überraschend kommt das nicht, zählt der Tiroler doch erst 23 Lenze und hat dennoch so gut wie alles gewonnen, was es im Skisprung-Sport zu gewinnen gibt.

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Doch was zeichnet ihn aus? In welchen Bereichen ist er gegenüber der Konkurrenz die entscheidende Nasenlänge voraus? Welche Gefahren bestehen bei einer derartigen Erfolgsserie?

LAOLA1 hat sich mit Dieter Thoma über das "Phänomen Schlierenzauer" unterhalten.

Der Deutsche, der auf seiner Vita Olympia- und WM-Gold sowie einen Gesamtsieg bei der Vierschanzen-Tournee stehen hat, gerät dabei ins Schwärmen.

Schlierenzauer, der Tüftler

"Er ist ein wahnsinniger Tüftler", erklärt der 43-Jährige. "Ihm entgeht einfach nichts. Wenn die Konkurrenz etwas hat, das er nicht hat, bekommt er das sofort mit. Allein deshalb ist er der Konkurrenz schon einen kleinen Schritt voraus."

Das sei aber längst nicht alles. Schlierenzauer zeichne auch ein "wahnsinniges Fluggefühl aus, er hat einen tollen Absprung und super Kraftwerte. Dazu spürt er sich und seinen Körper sehr gut. Er hat eigentlich alles, was einen guten Skispringer ausmacht."

Thoma zieht den Hut

Doch nicht nur aus sportlicher Sicht zieht Thoma seinen Hut vor dem Stubaier. "Gregor ist ein sehr charismatischer Mensch, der natürlich auch polarisiert. Genau solche Leute brauchen wir im Skispringen."

Seine Fans lieben ihn, die Kritiker unterstellen ihm, er sei ein schlechter Verlierer. Was alle eint: Schlierenzauers Leistungen ringen jedem großen Respekt ab.

Es gibt auch Gefahren

"Er ist extrem professionell", weiß Thoma. "Was er schon alles gewonnen hat, das ist einfach unglaublich. 45 Weltcupsiege, dabei ist er noch so jung. Wahnsinn, was er noch alles erreichen kann."

Der TV-Experte sieht allerdings auch Gefahren, die auf den Überflieger zukommen könnten. So sei es keine leichte Aufgabe, nach derart vielen Erfolgserlebnissen die Motivation hochzuhalten.

Kühler Kopf ist wichtig

"Wenn man schon alles gewonnen hat, wird es schwierig, sich neue Ziele zu setzen. Ich hoffe, dass er den Spaß am Sport beibehält."

Darüber hinaus sei es nicht selbstverständlich, einen kühlen Kopf zu bewahren. Fans belagern ihn, Medien ringen sich um Interviews, der 23-Jährige wird von allen in den Himmel gelobt.

Höhenflüge nur auf der Schanze

"Die Familie muss ihn immer wieder nach unten holen, wenn das der Fall ist. Fliegen darf er auf der Schanze, ansonsten muss er Acht geben, am Boden zu bleiben."

Ganz nebenbei betont Thoma auch den Faktor Glück. Schlierenzauer blieb bisher von gravierenden Stürzen und Verletzungen verschont.

"Er ist phänomenal"

"Natürlich hatte er schon welche, aber keine wirklich schweren, sodass man sagen könnte, er hätte einen Knacks bekommen. Das ist wichtig für die mentale Stärke. Es ist unabdingbar, dass der Kopf klar ist."

Beim Weltcup-Leader stimme das Gesamtpaket, daher steht für den 43-Jährigen fest: "Wenn er so weiter springt, wird er auch den Tournee-Rekord von Janne Ahonen (fünf Siege, Anm.) noch knacken. Er ist phänomenal."

Aktuell "definitiv der Beste"

Und wo ordnet Thoma Schlierenzauer im Vergleich zu Allzeitgrößen wie Matti Nykänen, Jens Weißflog oder Janne Ahonen ein? "Wenn man so viel gewonnen hat, gehört man sicher zu den Besten. Es ist aber immer schwierig, eine solche Frage zu beantworten."

Der eine habe mehr Tournee-Erfolge, der andere eine höhere Anzahl an Weltcup-Erfolgen. "In der heutigen Zeit ist er für mich aber definitiv der Beste."

 

Christoph Nister

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