Spieglein, Spieglein an der Wand ...

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... wer ist der Beste im Springer-Land?

Eine Frage, die wohl selten zuvor so schwierig zu beantworten ist wie derzeit.

Im ersten großen Bewerbsblock hat sich kein Adler hervorgetan, der der Konkurrenz um die Ohren springt. Entsprechend ausgeglichen präsentierte sich der Sprinter-Zirkus bis dato.

Vor Beginn der Vierschanzen-Tournee 2014/15 liegen die ersten sechs Springer innerhalb von nur 82 Zählern und könnten damit allesamt nach dem Auftaktspringen in Oberstdorf die Weltcup-Führung innehaben.

Die wichtigsten Daten und Fakten vor der 63. Tournee in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen:

Historisches

Die erste Ausgabe der Tournee entschied mit Sepp "Bubi" Bradl ein Österreicher für sich, insgesamt triumphierte der ÖSV 15 Mal beim prestigeträchtigen Skisprung-Event rund um die Jahreswende. Mit insgesamt 49 Stockerlplätzen ist Österreich ewige Nummer eins, die Anzahl der Siege reicht aber knapp nur zu Platz drei. An der Spitze thronen - derzeit noch - Deutschland (inkl. DDR) und Finnland mit je 16 Erfolgen. Rekordsieger ist übrigens Janne Ahonen mit nicht weniger als fünf Siegen. Sein kuriosester Triumph war jener 2005/06. Zum bis heute einzigen Mal mussten sich damals zwei Springer - Ahonen und der Tscheche Jakub Janda - den Sieg aufgrund von Punktegleichheit teilen. Der "Grand Slam" mit Siegen auf allen vier Schanzen gelang bislang nur dem Deutschen Sven Hannawald 2001/02.

 

ÖSV-Serie

Wolfgang Loitzl leitete sie 2008/09 mit seinem Gesamtsieg ein. 2010 sollte die Stunde von Andreas Kofler schlagen, ehe im Jahr darauf Thomas Morgenstern den Tournee-Thron erklomm. Gregor Schlierenzauer musste bis zur Saison 2011/12 warten, ehe er sich seinen Traum vom Sieg bei der Vierschanzen-Tournee erfüllen konnte. Dafür schlug er auch im Jahr darauf gnadenlos zu und wiederholte seinen Sieg als erster Springer seit Ahonen (2005 und 2006). Last but not least folgte vergangene Saison der unglaubliche Durchmarsch des Thomas Diethart. Kurz zuvor noch im Conti-Cup unterwegs, sprang er ohne jeglichen Druck zum Gesamtsieg und machte für Österreich das halbe Dutzend voll. Eine derartige Siegesserie einer Nation gab es nie zuvor.

 

Frau Holle

Am Donnerstag war es im Allgäu noch grün, inzwischen erstrahlt Oberstdorf in herrlichem Weiß. Der Winter hat über die Weihnachtsfeiertage Einzug gehalten und für jede Menge Neuschnee gesorgt. Die TV-Bilder sollten dadurch um einiges beeindruckender werden, der Event hätte aber auch ohne das Zutun von Frau Holle stattgefunden. Oberstdorf hatte eigens für das Auftaktspringen aus Finnland die Maschine "Snow Tek" anschaffen lassen. Für rund 100.000 Euro Miete wurde die Anlage aus dem hohen Norden gemietet, damit sie die Schanze beschneit. Auch die Ausrichter des Biathlon-Weltcups in Oberhof gingen auf Nummer sicher und borgten sich anschließend die Maschine aus. Inzwischen ist die Kunstschnee-Produktion auf keiner der vier Tournee-Schanzen mehr von Nöten, auch Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen präsentieren sich inzwischen winterlich.

Vorjahres-Dominator Kamil Stoch gibt bei der Vierschanzen-Tournee sein Comeback

Rückkehrer und Abwesende

"Ich bin bei der Vierschanzen-Tournee dabei", verlautbarte Kamil Stoch am 24. Dezember auf seiner "Facebook"-Seite und sorgte bei seinen zahlreichen Fans für das wohl schönste Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr. Der Dominator von 2013/14 - Stoch gewann nicht nur den Gesamtweltcup, sondern auch Doppel-Olympiagold bei den Spielen in Sotschi - laborierte zuletzt wochenlang an einer Sprunggelenksverletzung und bestritt noch keinen einzigen Weltcupbewerb in der laufenden Saison. Nicht dabei sind hingegen die ehemaligen Gewinner Janne Ahonen und Wolfgang Loitzl, die beide aufgrund von Formschwäche nicht nominiert wurden. Zu den großen, fehlenden Namen gehört auch jener von Thomas Morgenstern. Der Vorjahres-Zweite hat bekanntlich seine ruhmreiche Karriere beendet.

 

Schwarzer Fleck

Teil jener Spitze ist seit mehr als einem Jahrzehnt Simon Ammann, für die Schweiz bildet er ohnedies die absolute Speerspitze. Der Vierfach-Olympiasieger hat auch im Alter von 33 Jahren nichts an Klasse eingebüßt und mit seinem Doppelsieg in Kuusamo das persönliche Siegkonto im Weltcup auf 22 bzw. 23 erhöht. Neben seinen Goldmedaillen im Zeichen der fünf Ringe hat er auch je einen Titel bei der Nordischen sowie der Skiflug-Weltmeisterschaft zu Buche stehen, 2009/10 durfte er zudem die große Kristallkugel mit nach Hause nehmen. Das einzige Puzzle-Teil, das dem Eidgenossen noch fehlt, ist jenes der Vierschanzen-Tournee. Zweimal Zweiter, zweimal Dritter - so lautet seine bisherige Ausbeute. Vom Sieg will er allerdings vorerst nichts wissen. Er habe sich in der Vergangenheit manchmal zu sehr darauf versteift, lässt "Simi" wissen. "Das braucht es nicht", erklärte er dem "Blick". Einen Wunsch hat er dennoch: "Während der Tournee einmal in Österreich zu gewinnen, wäre schön." Das hat er bis dato noch nie geschafft.

Favoriten

Wie eingangs erwähnt, ist der Favoritenkreis riesig. Angeführt wird das Feld vom Norweger Anders Fannemel, der bislang in neun Springen auf einen Punkteschnitt von 52,44 kam. Dieser Average bedeutet den zweitniedrigsten der letzten zehn Jahre vor Tournee-Start. (Rekord: Janne Ahonen 2004/05 - 97,5 Punkte). Neben dem "Wikinger" und Ammann haben auch schon Richard Freitag und Severin Freund (beide GER), der Tiroler Gregor Schlierenzauer, Japans Evergreen Noriaki Kasai und der Tscheche Roman Koudelka (drei Siege) in dieser Saison gewonnen. Mit Stefan Kraft, Michael Hayböck und Peter Prevc (SLO) scharren drei weitere aus den Top-8 im Gesamtweltcup mit den Hufen. Die ÖSV-Siegesserie ist in Gefahr, doch ein Trio will sie verteidigen. Oder gelingt Thomas Diethart gar erneut eine Mission Impossible?


Christoph Nister

 

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