"Bschiss": Schweizer wittern Tournee-Betrug

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Spitzensport bedeutet Sport am Limit.

Nicht nur die Leistungen der Athleten bewegen sich im Grenzbereich, auch das Ausloten des Materials gehört dazu.

Im Skispringen wird akribisch getüftelt, um sich gegenüber der Konkurrenz einen kleinen Vorteil zu verschaffen.

Der Österreichische Skiverband war über jahrelang tonangebend, bis 2010 Simon Ammann mit seiner neuen Bindung den rot-weiß-roten Adlern ein Schnippchen schlug und in Vancouver zu Doppel-Olympiagold sprang.

Die Suche nach dem perfekten Package

Die Schlacht um das beste Package führte von Hungerwahn aus der Ära Hannwald über Anzüge, die im Schritt fast bis auf Kniehöhe hinunter reichten bis eben zur neuen Bindung.

Aktuell herrscht erneut Aufregung. Die Schweizer fühlen sich betrogen. "Immer wieder Bschiss im Skispringen", schreibt der "Blick", seines Zeichens größte Zeitung der Eidgenossen.

"Vor jeder Tournee tricksen die österreichischen Skispringer", heißt es dabei weiter, ehe ein uraltes Zitat von FIS-Renndirektor Walter Hofer ausgegraben wird, der vor Jahren sagte: "Mit den Österreichern haben wir vor jedem Großanlass ein Problem."

Jubeln, ohne etwas zu jubeln zu haben

In den Dreck gezogen werden neben dem ÖSV auch der Deutsche Skiverband sowie die Norweger. "Jetzt sind die Anzüge wieder im Schritt länger", beschwert sich der Schweizer Skisprung-Chef Berni Schödler.

Doch nicht nur der Schritt ist den beleidigten Schweizern, die offenbar noch nicht verkraftet haben, dass Simon Ammann bereits in Oberstdorf durch einen Sturz alle Tournee-Siegchancen einbüßte, ein Dorn im Auge. Es sei auffallend, "wie die Springer im Auslauf jubeln, obwohl sie nichts zu jubeln haben".

Durch diese Streckbewegung sollen nicht regelkonforme Anzüge wieder in Form gebracht werden, um bei der Materialkontrolle nicht erwischt zu werden. Namentlich genannt wird Anders Jacobsen.

Ammann um den Sieg betrogen?

Der "Wikinger" soll mit zu langen Ärmeln zum Sieg beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen gesegelt sein. "Bei Simon Ammann hingegen hat der Anzug an den Ärmeln die korrekte Länge", will das Blatt wissen. (Vergleichsbild siehe oben - Ammann, Jacobsen und Kraft in Garmisch, Anm.)

Jener Ammann wurde Zweiter in Garmisch. Der kleine Nachteil in puncto Material habe "Simi womöglich den Sieg gekostet", beschweren sich die Schweizer.

Vor knapp fünf Jahren, als Ammann allen anderen einen Schritt voraus war, wurde er für seine Cleverness gefeiert. Daran gedacht, dass diesmal die Norweger, Österreicher oder Deutschen schlauer waren, haben die Schweizer nicht.


Aus Innsbruck berichtet Christoph Nister

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