Fünf Dinge über ... Nizhny Tagil

Aufmacherbild
 

Der Skisprung-Weltcup erobert neues Terrain.

Kannte man Klingenthal, Kuusamo und Lillehammer - die bisherigen Stationen - aus den letzten Jahren, so betritt der Tross in dieser Woche neues Pflaster.

Gregor Schlierenzauer, Michael Hayböck und Co. bestreiten am Samstag und Sonntag je einen Einzelbewerb im russischen Nizhny Tagil.

Wir stellen den Weltcuport etwas genauer vor ... fünf Dinge über Nizhny Tagil:

Wien-Nizhny T.: 3.718 km, Moskau-NT: 1.731

Irgendwo im Nirgendwo

Die Stadt liegt 26 Autostunden oder auch 1.731 Kilometer östlich der Hauptstadt Moskau im mittleren Ural und damit - für russische Verhältnisse - nur unweit von Yekaterinburg (139 Kilometer Distanz). Für die ÖSV-Adler Gregor Schlierenzauer, Michael Hayböck, Andreas Kofler und Stefan Kraft ist es ebenso Neuland wie für das Trainerteam um Heinz Kuttin.

Einzig Tournee-Sieger Thomas Diethart war schon einmal dort, wurde jedoch aus Leistungsgründen vorübergehend aus dem Weltcupaufgebot genommen. "Es ist irgendwo im Nirgendwo", erklärt der Niederösterreicher. Die Aussicht vom Bakken sei trist, außer Industrie gebe es wenig zu sehen.

Bardal hat gewonnen

Insgesamt sechs von der FIS ausgerichtete Wettkämpfe fanden am Skisprungschanzen-Komplex Aist bereits statt. Die Premiere ging am 16. März 2013 mit einem Conti-Cup-Bewerb der Herren über die Bühne, der Slowene Rok Justin konnte diese von der Kleinschanze (HS100) für sich entscheiden. Tags darauf wiederholte er seinen Triumph vor Diethart, der zugleich für den einzigen rot-weiß-roten Podestplatz am Berg Dolgaja verantwortlich zeichnete.

Im September letzten Jahres richtete Nizhny Tagil vier Grand-Prix-Springen aus - je zwei für Damen und Herren. Während Sara Takanashi beide Damen-Bewerbe gewann, triumphierten bei den Herren der Norweger Anders Bardal (HS100) sowie Jakub Janda (HS134). Im Weltcup wird übrigens beide Male die große Schanze bemüht.

Die Russen sind im Kommen

Die Schanzenanlage wird nicht nur für den Weltcup genutzt, sondern soll dem russischen Skisprungsport auch nachhaltig helfen. Dutzende Nachwuchsathleten nutzen das Trainingsgelände, wie Renndirektor Walter Hofer erklärte. So soll auch die Schanzenanlage in Sotschi entgegen der landläufigen Meinung mittel- und langfristig in Verwendung bleiben.

Für die FIS und den Weltcup im Allgemeinen sind Erfolge der Gastgeber wichtig. Aktuell findet ein Generationswechsel bei den Russen statt. Die Alten um Dimitry Vassiliev (34) und Ilya Rosliakov (31) werden von einer neuen Generation abgelöst. Vladislav Boyarintsev (20) hinterließ bislang einen blendenden Eindruck und liegt in der Gesamtwertung auf dem durchaus beachtlichen 26. Rang. Weltcupzähler sammelten zudem Ilmir Hazetdinov (23) und Mikhail Maksimochkin (21).

Einwohner, Wirtschaft und Co.

Mit knapp über 360.000 Einwohnern wäre Nizhny Tagil in Österreich nach Wien ganz klar die zweitgrößte Stadt des Landes. In Russland, seines Zeichens das größte Land der Welt, rangiert man lediglich an 48. Position. Die wichtigste Wirtschaftskomponente ist die Gewinnung und Verarbeitung von Eisen. Weitere Kernbereiche sind die Chemie, Ingenieurwissenschaften und die Metallurgie.

In puncto Sehenswürdigkeiten sind der Wachturm von Nizhny Tagil, das T-72 Monument (siehe Bild oben) sowie die Alexander Nevsky Kathedrale erwähnenswert. Zudem wartet die Stadt mit der ersten russischen Lokomotive überhaupt auf, die bewundert werden kann. Zu den bekanntesten Söhnen der Stadt zählen Physik-Nobelpreisträger Konstantin Novoselov, die Maler Felix Lembersky und Aron Zinshtein sowie Filmproduzent Valeri Ogorodnikov.

Sport in Nizhny Tagil

Die Stadt in der Region Sverdlovsk Oblast bringt immer wieder namhafte Sportgrößen heraus. Bei der FIFA WM in Brasilien war beispielsweise der für den FK Zenit St. Petersburg kickende Oleg Shatov mit von der Partie. Alexander Radulov verdient in der Eishockey-Elite-Liga NHL seine Brötchen und Langläuferin Evgenia Shapovalova hat immerhin bereits einen Weltcupsieg auf ihrer Vita stehen.

Im Mannschaftssport muss der Uralochka Volleyball Club hervorgehoben werden, der immerhin 14 Meistertitel sein Eigen nennen darf. Im Fußball (FC Uralets Nizhny Tagil) und Eishockey (Sputnik Nizhny Tagil) ist man hingegen weit von der Spitze entfernt und nur unterklassig engagiert.


Christoph Nister

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen