Neues Leben, neue Prioritäten

Aufmacherbild
 

Loitzl: "Will nachholen, was ich verabsäumt habe"

Aufmacherbild
 

Heimlich, still und leise wollte er sich aus dem Staub machen.

Wolfgang Loitzl hatte zunächst nicht geplant, eine Pressekonferenz zu veranstalten, um seinen Rücktritt bekanntzugeben.

"Es gehört sich aber, einen gescheiten Abschluss zu machen", ließ sich der Steirer, der am Dienstag seinen 35. Geburtstag feiert, doch dazu überreden.

Eine Farewell-Party, wie Thomas Morgenstern sie schmiss, kommt allerdings nicht in Frage. "Ich werde aber sicher kein großes Fest schmeißen, weil es nicht meinem Charakter entspricht", stellte der Routinier klar.

Zeiten, "in denen ich zu wenig investiert habe"

Heimlich, still und leise verlief auch lange Zeit die Karriere des Wolfgang Loitzl. Als Junioren-Weltmeister ließ er früh sein Talent aufblitzen, danach wurde es allerdings ruhig um den Skisprung-Ästheten, der für seine blitzsaubere Landung bekannt war.

"Ich kann mich erinnern, als ich nach dem Junioren-Titel von St. Moritz mit Toni Innauer nach Oberstdorf gefahren bin. Er hat gesagt, es liegt eine große Zukunft vor mir."

Rückblickend gesteht "Wuff", dass Zeiten folgten, "in denen ich zu wenig investiert habe". Es gab allerdings auch Zeiten, in denen er von Erfolg zu Erfolg eilte.

Tournee-Sieg war "ganz klar mein größter Moment"

So arbeitete er sich heimlich, still und leise an die Spitze. 2008/09 sollte schließlich die Saison des Bad Mitterndorfers werden. Mit knapp 29 Jahren war er am Leistungszenit, dominierte die Vierschanzen-Tournee und räumte den Gesamtsieg ab.

"Das war ganz klar mein größter Moment", gibt der Neo-Skisprung-Pensionist zu Protokoll. "Da habe ich zum ersten Mal gespürt, was möglich ist. Es war das Schönste, was ich je als Springer erleben durfte."

Der nötige Biss kam Loitzl abhanden

Loitzl durfte jede Menge toller Momente erleben, wie ein Blick auf seine Vita beweist. Olympia-Gold, acht WM-Titel, dazu der Tournee-Sieg - der Routinier gehört zu den am meisten dekorierten Springern aller Zeiten und war nicht von ungefähr Teil der Super-Adler.

Zuletzt lief es allerdings nicht mehr rund, in den letzten Tagen reifte sein Entschluss, die Sportler-Pension anzutreten. "Ich habe in der Pause gemerkt, dass der nötige Biss, den es braucht, nicht mehr vorhanden ist."

Nachdem er Cheftrainer Heinz Kuttin erst nicht erreichte, war Co-Trainer Andreas Widhölzl der erste, den er informierte. Auch seine Frau Marika wurde früh in die Pläne eingeweiht.

"Wuff" will sich seiner Familie widmen

"Sie ist sehr froh", gesteht er, "dass ich verletzungsfrei aufhöre und mehr Zeit für sie habe." Ab sofort genießt die Familie - die Loitzls haben zwei Söhne, Benjamin und Nikolas - oberste Priorität. "Ich glaube, dass ich jetzt genügend Zeit habe, um das nachzuholen, was ich den letzten Jahren verabsäumt habe. Ich will die nächsten Jahre mit der Familie genießen."

Der Rücktritt ist "vom Gefühl und vom Kopf her der ideale Zeitpunkt." Konkrete Pläne, was er in Zukunft beruflich machen will, hat er noch keine.

Heimlich, still und leise wird er aber bestimmt irgendwann wieder auftauchen.


Aus Bad Mitterndorf berichtet Christoph Nister

<span style=\'color: #ffff00;\'>WOLFGANG LOITZL
Weltcup-Debüt
  1. Jänner 1997
Karriereende
  1. Jänner 2015
Weltcup-Starts 401 (367x Einzel) - Rang 4 hinter Kasai, Ahonen, Ljökelsöy
Olympische Spiele 1x Gold
Nordische WMs 7x Gold, 1x Bronze
Skiflug-WMs 1x Gold, 1x Bronze
Junioren-WMs 1x Gold, 1x Bronze
Vierschanzen-Tournee Sieger 2008/09
Weltcupsiege 4 (plus 10 mit dem Team)
Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen