Wolfgang Loitzl auf der Suche nach seiner Form

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Wolfgang Loitzl wirkt relaxt.

Der Steirer, der in seiner Karriere schon die Tournee, WM- und Olympia-Gold gewonnen hat, ist ausgeglichen und mit sich selbst im Reinen. Keine Spur von Panikmacherei, keine Anzeichen von Krise.

Dabei läuft es beim 34-Jährigen überhaupt nicht nach Wunsch, im Skisprung-Weltcup mit nur acht Punkten auf dem enttäuschenden 47. Platz. Zuletzt wurde er – wie Tournee-Titelverteidiger Thomas Diethart – sogar aus der Weltcup-Mannschaft genommen, um einen Trainingsblock einzulegen.

In Engelberg kehren beide zurück, ob sie in den letzten zwei Wochen allerdings den Rückstand zur Spitze aufholen konnten, ist fraglich.

Loitzl ist entspannt

„Ich nehme es relativ entspannt“, erklärt Loitzl grinsend im Gespräch mit LAOLA1. Der Team-Oldie lässt sich trotz seiner Talfahrt nicht aus der Ruhe bringen, hat er doch schon fast alles in seiner Karriere erreicht.

Am 6. Jänner 1997 feierte der Bad Mitterndorfer sein Debüt im Weltcup, so langsam neigt sich seine Karriere dem Ende entgegen. „Ich bin in dem Bewusstsein in den Winter gegangen, dass ich mir gesagt habe, es könnte mein letzter sein“, gibt er sich keinen Illusionen hin.

Abhängig machen will er die Entscheidung, ob er die Skier ins Eck stellt, von den nächsten Wochen und Monaten. „Es liegt daran, ob ich die Ziele, die ich mir stecke, erreicht habe.“

"Nicht künstlich hinauszögern"

Derzeit hinkt er diesen deutlich hinterher. Die Konkurrenz ist ihm nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schritte voraus. „Wenn ich merke, ich komme nicht mehr da hin, wo ich hin will, und es macht keinen Sinn, den ganzen Aufwand im Sommer noch einmal auf mich zu nehmen, dann werde ich es nicht unnötig künstlich hinauszögern.“

Loitzl sagt, immer noch großen Spaß am Skispringen zu haben. Doch „das Drumherum, das notwendig ist, wird immer schwieriger.“ Sich im Sommer Tag für Tag zu quälen und im Winter von einem Hotel ins nächste zu übersiedeln – das sind die Dinge, die an ihm zehren. Als 20- oder 25-Jähriger sei es einfacher gewesen, 100 Prozent Leistung aus sich herauszukitzeln.

„Das ist aber kein Grund, nicht gut zu springen, denn dann dürften (Noriaki) Kasai oder (Simon) Ammann nichts gewinnen. Sie sind auch in meinem Alter oder klar darüber“, stellt der Routinier klar. In der Tat gehören die beiden Altmeister, Ammann zählt 33 Lenze, Kasai ist gar bereits 42 Jahre alt, zu den Stärksten in diesem Winter.

Beide sind in einer exzellenten Flugform, die Loitzl fehlt. „Bei (Weltcup-Leader Anders) Fannemel ist es ähnlich. Er sieht extrem unspektakulär aus, schafft es aber, dass er sein System so einrichtet, dass es aussieht, als würde er wie ein Blatt Papier fliegen.“

Kleinigkeiten mit großer Auswirkung

Bei ihm selbst würden allerdings mehrere Kleinigkeiten nicht zusammenspassen, die in Summe einen großen Weitenunterschied ausmachen. „Wenn man nicht in Form ist, ist man verunsichert und weiß schon vorher, dass man keine Chance hat.“ Ein Teufelskreis, aus dem schwer auszubrechen ist.

Vor allem die Psyche leidet darunter, wenn man den eigenen Ansprüchen hinterher springt. „Diese Komponente ist ganz klar sehr wichtig. Ich habe zum Beispiel in Klingenthal nicht gewusst, was ich machen soll, um konkurrenzfähig zu sein. Ich war Vorspringer und vom Kopf her handlungsunfähig. Es war, als hätte ich mit stumpfen Waffen gekämpft.“

Die Waffen zu strecken, kommt aber nicht in Frage. Loitzl tüftelt am Material, er probiert verschiedene Skilängen aus und will sich Schritt für Schritt wieder Selbstvertrauen erarbeiten. Ein mühsamer Weg, der ihm nicht erspart bleibt.

"Habe es selbst in der Hand"

„Es dauert immer, bis man das eine oder andere ausfindig macht“, weiß er nur zu gut, wovon er spricht. „Es gibt Sachen, die ich besser machen muss. Springerisch ist es wahrscheinlich auch nicht das Niveau, auf dem ich sein kann und auch sein müsste.“

Mit Blickrichtung Vierschanzen-Tournee benötigt „Wuff“ dringend gute Resultate, wenn er in Oberstdorf dabei sein will. Manuel Fettner drängt aus dem Conti-Cup nach und könnte dem Ältesten im ÖSV-Adlerhorst den Platz streitig machen.

„Es belastet mich nicht“, kann Loitzl den Druck allerdings gut ausblenden. „Es ist nichts, das mich am Skispringen hindert oder mich fertig macht. Ich habe es selbst in der Hand. Aktuell habe ich allerdings nichts, mit dem ich angeben kann.“

Der letzte Abstecher?

Entsprechend ist er sich der Tatsache bewusst, dass jeder Abstecher sein letzter als Aktiver im jeweiligen Weltcup-Ort sein kann. „Dessen bin ich mir bewusst. Ich sage mir immer, ich bin vielleicht zum letzten Mal hier.“

Loitzl steht sportlich mit dem Rücken zur Wand, doch es wäre nicht das erste Mal, dass er abgeschrieben wurde, um anschließend seine Kritiker eines Besseren zu belehren.

Ob es auch diesmal klappt? Loitzl grinst: „Ich habe zumindest nichts zu verlieren.“


Christoph Nister

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