Vier gewinnt: Ein illustres Podest am Bergisel

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Ja, wer hatte denn nun eigentlich gewonnen?

Ein Blick auf das Siegerfoto am Bergisel gab Rätsel auf, denn a) standen gleich vier Leute auf dem Podest und b) strahlten allesamt um die Wette.

Die Ergebnistafel tat sich schon leichter und spuckte Richard Freitag als Gewinner des 13. Weltcup-Bewerbs der Saison sowie des dritten im Rahmen der Vierschanzen-Tournee aus.

Doch auch die restlichen drei grinsten von einem Ohr zum anderen und freuten sich überschwänglich über ihre Leistungen.

In Innsbruck lautet die Devise "Vier gewinnt" - und LAOLA1 verrät, warum:

Richard Freitag

Der "echte" Sieger sorgte für das Ende einer schier unglaublichen Durststrecke. Nach exakt 50 Bewerben bei der Tournee feierte Deutschland endlich wieder einen Sieg. Zuletzt war es Sven Hannawald, der im Dezember 2002 in Oberstdorf triumphierte. Aus Sicht von Freitag Balsam auf der Seele, wurden er und seine Kollegen doch nach dem Auftaktbewerb nicht unbedingt mit Samthandschuhen angefasst. "Immer, wenn Tournee ist, kriegen sie nichts gebacken", schimpfte Hannawald in der "Bild". Freitag bewies, dass die DSV-Springer deutlich mehr drauf haben als zuletzt gezeigt. "Es war echt unglaublich. Das Gefühl, da unten zu stehen vor den Massen, vor dem Kessel, ist gewaltig", freute er sich über seinen fünften Weltcuperfolg. Angenehmer Nebeneffekt für den 23-Jährigen: Er hat sich mit seinem Sieg auf den fünften Gesamtrang vorgeschoben.

Stefan Kraft

Was war das denn für eine Bombe im ersten Durchgang? "Ich war doch etwas nervös", gestand der Salzburger nach seinem 137m-Satz, der den bis dahin gültigen Schanzenrekord von Hannawald (134,5) pulverisierte. Auch wenn Hayböck ihn später mit 138m ablöste und Halbzeit-Leader Kraft am Ende Zweiter wurde, durfte er rundum zufrieden sein. Denn: In der Tournee-Gesamtwertung hat er seine schärfsten Rivalen deutlich abgehängt. Lag er vor dem Bergisel nur 1,1 Punkte vor Peter Prevc sowie 7,1 vor Hayböck, beträgt sein Guthaben auf den Slowenen inzwischen 29,4 Zähler, während Zimmerkollege Hayböck 23,1 zurückliegt. "Es ist ein traumhafter zweiter Platz", rekapitulierte er daher auch höchst zufrieden. "Es war ein genialer Wettkampf. Mit den weiten Sprüngen haben wir das Publikum belohnt."

 

Simon Ammann

Der Schweizer Routinier war völlig losgelöst, als Noriaki Kasais Punktezahl auf dem Tableau stand, rannte raus zum Japaner und umarmte ihn überglücklich - zu diesem Zeitpunkt war gewiss, dass auch der Eidgenosse am Podest stand. "Nori ist wirklich ein Gentleman. Er weiß genau, wie weit er springen muss, damit ich auch zufrieden bin", spielte er darauf an, dass die beiden bereits in Kuusamo ex aequo waren - damals teilten sie sich den Sieg, diesmal Platz drei. Ammann, der mit einem Sturz in Oberstdorf frühzeitig alle Chancen auf den heiß ersehnten ersten Tournee-Erfolg vergab, versöhnt sich zunehmend mit dem Großereignis und stand nach Garmisch-Partenkirchen (Rang zwei) auch am Bergisel auf dem Podium. Für den vierfachen Olympiasieger ist es bereits der fünfte Podestplatz nach 2007, 2008 (jeweils Dritter), 2010 und 2014 (beide Male Zweiter). Wermutstropfen: "Simi" springt seinem ersten Sieg auf österreichischem Boden weiter hinterher.

 

Noriaki Kasai

Fast hätte man gedacht, ein Österreicher sitzt am Zitterbalken. Das Publikum liebt Noriaki Kasai und feierte ihn wie einen rot-weiß-roten Adler. Der 42-jährige Japaner ist ein Phänomen und überzeugte erneut mit dem dritten Rang. Ganz zufrieden war damit allerdings nicht. "Ich bin bei der Tournee gut drauf und wollte hier gewinnen, weil meine leider bereits verstorbene Mutter heute ihren 66. Geburtstag gefeiert hätte. Jetzt versuche ich, das in Bischofshofen nachzuholen." Kasai stand bereits in der Saison 1992/93 - seinerzeit gemeinsam mit Andreas Goldberger und Jaroslav Sakala - am Podium in Innsbruck und gewann 1999 an selber Stelle. Zum letzten Mal durfte er sich vor 14 Jahren im "heiligen Land" über einen Stockerlplatz freuen.


Aus Innsbruck berichtet Christoph Nister

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