Der "Flieger" in neuer Rolle

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Koch: "Mir taugt es, dass ich so gut ankomme"

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„Du machst das wirklich super, gratuliere!“, erklärte eine etwas ältere Frau.

„Danke“, antwortete Martin Koch.

Der Kärntner hat die Seiten gewechselt.

Seit Beginn dieser Saison ist der ehemalige Skispringer als TV-Experte und Co-Kommentator im Einsatz.

Die Kritiken sind exzellent, Koch hat das Publikum im Sturm erobert.

Koch kommt gut an

„Mir taugt es, dass ich so gut ankomme“, erklärte der „Flieger“ im Gespräch mit LAOLA1. Es war allerdings eine große Herausforderung, denn sein Vorgänger und Onkel Armin Kogler habe seine Sache immer gut gemacht. „Da wussten die Leute, dass er kompetent ist.“

Wichtig sei, authentisch zu bleiben. „Ich will so bleiben, wie ich bin und erklären, was ich sehe. Wenn es gut ankommt, ist es super, ansonsten muss ich mir einen neuen Job suchen“, grinste der 32-Jährige, um ernsthaft anzufügen: „Ich bin natürlich froh, dass es so gut läuft.“

Kogler war zunächst verärgert, dass seine Expertisen nicht mehr gefragt waren, inzwischen hat sich das Verhältnis wieder entspannt. „Ich bin ja quasi daher gekommen und habe ihm den Job weggenommen. Natürlich hat ihm das nicht gefallen. Er hat es dann aber als Chance für mich gesehen, schließlich bleibt es in der Familie.“

Es kommt Wehmut auf

Den Reiz der neuen Aufgabe sieht Koch darin, immer noch nah dran zu sein und daher den Zuschauern aus erster Hand erklären zu können, was in einem Athleten vorgeht. „Ich weiß, wie man sich in der Luft anfühlt, zumal ich ja selbst noch springe.“

Der Gewinner von fünf Weltcupspringen und Team-Olympiasieger stürzt sich nach wie vor von den Bakken dieser Welt – allerdings ohne Wettkampfcharakter, dafür aber mit mehreren Kameras.

„Es kommt schon auch Wehmut auf“, erklärte Koch. Speziell am Kulm habe ihn, den „Flieger“, die Weitenjagd gejuckt. „Es ist nicht so, dass ich im Wettkampf dabei sein will, denn damit habe ich abgeschlossen. Mir fehlt aber das Gefühl, auf Weltklasse-Niveau zu springen.“

Es gibt auch Vorteile

Auf der anderen Seite hat das Sportler-Rentner-Dasein auch Vorteile. Nach 16 Jahren als Aktiver fehlt ihm das Wetteifern um jeden Meter nicht im geringsten. Auch die Quälerei fiel weg, der ganze Druck löste sich in Luft auf. „Ich musste zuletzt immer kämpfen, um dabei zu sein. Es war eine Erleichterung, das nicht mehr zu haben“, erklärte Koch.

Im neuen Job hat er einiges gelernt, vor allem aber stieg der Respekt gegenüber den Medienvertretern. „Der ist unglaublich gewachsen. Ich habe nicht gewusst, welcher Aufwand dahintersteckt und welche Gedanken sich die Medienleute machen.“

Man wird selbstständiger

Bei seinem Karriereende hatte der Kärntner erklärte, der Revoluzzer-Gedanke sei dem Skisprung-Zirkus in der Vergangenheit abhandengekommen, „bis zu einem gewissen Maß“ ist dieser zurück, „aber natürlich muss ich mich auch an Regeln halten.“

Vor allen Dingen aber muss er sich zu einem großen Teil selbst organisieren. „Das ist schon komisch. Du lernst vieles erst schätzen, wenn du es nicht mehr hast.“

Es seien vor allem Kleinigkeiten, um die er sich nun kümmern muss, die als Athlet jedoch nicht in seinen Aufgabenbereich fielen. „Ich habe mit den Jungs auch schon geredet und ihnen gesagt, sie sollen die Zeit genießen“, verriet Koch.

Denn eines sei klar: „So wird es nie wieder.“


Christoph Nister

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