Vom Kinderhort in den Weltcup

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Eva Pinkelnig - vom Kinderhort in den Weltcup

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"Einmal einen 100-Meter-Sprung absolvieren."

Das war der große Traum der Eva Pinkelnig.

Eva wer? Pinkelnig! Ein leicht zu merkender Name, der derzeit durch die Gazetten geistert.

Die Vorarlbergerin ist die Quereinsteigerin im Skisprung-Zirkus und derzeit aufgrund ihrer guten Trainingsleistungen in aller Munde.

Ihren Traum hat sich die bereits 26-Jährige bereits erfüllt, allerdings noch nicht in einem Weltcup - einen solchen bestritt sie schließlich noch nie in ihrem Leben.

Am Freitagnachmittag (15:15 Uhr) ist es soweit, dann beginnt für die Newcomerin ein neues Abenteuer. Mit Nummer drei wird sich die 1,59 Meter große Pinkelnig vom Zitterbalken abstoßen - es ist ein Sprung in ein neues Leben.

Seifriedsberger angetan

"Ich finde es super", gibt es von Teamkollegin Jacqueline Seifriedsberger via LAOLA1 Lobbekundung. Für das Team sei es toll, eine vierte konkurrenzfähige Athletin zu haben.

"Dass sie noch nicht so lange springt und sich trotzdem schon so weit entwickelt hat, ist stark", ergänzt die Oberösterreicherin, die nach überstandenem Kreuzbandriss ihr Comeback feiert.

Pinkelnig sei eine Bereicherung für das Team. "Wir sind alle sehr unterschiedlich, da passt sie ganz gut dazu. Der Stimmung tut sie sicher gut."

Die "klitzekleine Chance" genutzt

Die 26-Jährige absolvierte 2012 ihre ersten Sprünge und war sofort vom Skisprung-Fieber befallen. "Schuld" daran war die Dornbirner Herbstmesse, auf der eine mobile Sprungschanze installiert wurde.

"Mir war klar, wenn sich eine klitzekleine Chance ergibt, werde ich sie ergreifen und nützen", sagte die Neo-Weltcup-Springerin. Es sollte der Beginn einer einzigartigen Geschichte werden.

Der Cheftrainer als Förderer

Cheftrainer Andreas Felder beobachtete die Senkrechtstarterin im Alpencup und war von ihr angetan. Obwohl sie keinen Kaderstatus hatte, nahm er sie bei sich im Weltcupteam auf.

"Eva hat sich im Training sehr stark präsentiert und die älteren Mädels unter Druck gesetzt"; sieht sich der Tiroler in seiner Aktion bestätigt, warnt aber auch vor zu viel Euphorie.

"Wir müssen abwarten, wie sie es nervlich umsetzt, da sie doch zum ersten Mal dabei ist." Sie mache jedoch einen reifen Eindruck, sei körperlich topfit und technisch bereits überraschend gut. "Sie ist nicht weit weg von der Spitze", lobt der 52-Jährige.

Finanzielle Sorgen

Sportlich gesehen stimmt das, finanziell hingegen ist die Lücke riesig. Pinkelnig musste sich entscheiden und kündigte ihren Job in einem Kinderhort. Sie setzte alles auf eine Karte, gehört aber aufgrund ihres Alters und plötzlichen Einstiegs keinem Förderkader an.

Mit der OMV hat sie zumindest einen Partner, der sie in dieser turbulenten Zeit finanziell unterstützt. Über die Höhe will Sponsoring-Manager und Ex-Skispringer Christian Moser bei LAOLA1 nicht sprechen, er vergleicht es aber mit der Unterstützung anderer Athleten durch das Bundesheer. "Zum Essen kriegt sie genug", erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Sportlich für Furore sorgen

Ansonsten sieht es allerdings düster aus, weshalb Pinkelnig ein Projekt startete. Die Vorarlbergerin will sich ihren kompletten Lebensunterhaltung finanzieren und hofft, über die Crowdfunding-Plattform "I believe in you" (mehr Infos gibt's hier) entsprechende Unterstützung zu finden.

Allein auf andere will sie sich freilich nicht verlassen. In der Qualifikation in Lillehammer ließ sie mit der Höchstweite von 99,5 Metern aufhorchen. Im Wettkampf soll der 100er fallen. Dann stünde einem Spitzenplatz sowie einem nicht unbedeutenden Preisgeld nicht mehr viel im Wege.


Aus Lillehammer berichtet Christoph Nister

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